Vertrauensschulung

Diskutiere Vertrauensschulung im Ausbildung Forum im Bereich Pferde; Hallo, mich würde mal interessieren, ob ihr bei euren Pferden so etwas wie Vertrauensschulungen macht. Sei es, als ihr sie am Anfang bekommen...
Finchen2

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Hallo,
mich würde mal interessieren, ob ihr bei euren Pferden so etwas wie Vertrauensschulungen macht. Sei es, als ihr sie am Anfang bekommen habt, damit sie euch kennenlernen und direkt wohlfühlen, oder weil eure Pferde "schwierig" sind. Glaubt ihr, dass Respekt, Rangfolge zwischen euch und eurem Pferd und Vertrauen etwas gemeinsam haben bzw. aufeinander aufbauen? Was würdet ihr tun, wenn euer Pferd vielleicht im Vorhinein (also bevor ihr es bekommen habt) schlechte Erfahrungen gemacht hat, die Arbeit verweigert, euch in gewissen Situationen stumpf ignoriert?
Bin gespannt auf euer Meinungen und Erfahrungen!
 
20.04.2010
#1
A

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Gast

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M

Mirage

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Puh, die Frage ist recht allgemein gehalten und die Antworten sind sooo vielseitig, dass dies hier Seiten sprengen würde.

Vertrauensschulungen in dem Sinn mache ich nicht, da ich der Meinung bin, dass man 99 % Vertrauen sich verdienen muss und nicht "erarbeiten" kann.

Ich stelle Regeln auf, an die sich das Pferd bedingungslos zu halten hat. Grundsätze halt wie ruhig stehen, mich nicht über den Haufen rennen, Stehen bleiben wenn ich stehen bleibe, nicht drängeln etc. Diese Regeln stelle ich schon beim ersten Zusammentreffen auf, d. h. wird sich nicht daran gehalten, werden diese Regeln vom ersten Tag an durchgesetzt (je nach Missachtung halt stärkenvariabel).

Diese Regeln sind auch nicht verhandelbar, die Vorgeschichte des Pferdes ist mir bei der Durchsetzung meiner Regeln vollkommen egal, d. h. egal ob schwierig oder stumpf oder sonstwas.

Alles andere kommt dann einfach mit der Zeit von alleine. So zumindest meine Erfahrungen ;)

Was ich allerdings noch ab und an mache ist Antischrecktraining mit Regenschirm und sonstigem Gedöns, ist einfach mal eine nette Abwechslung vom Alltag.
 
Schnucki1

Schnucki1

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Da kann ich Mirage nur zustimmen. Durch meinen Beruf komme ich ständig mit neuen Pferden in Kontakt wo ich einfach von vornherein klar stellen muss was das Pferd zu tun und zu lassen hat, da hab ich auch meine Regeln die jedes Pferd sofort befolgen muss, die Vorgeschichte des Pferdes ist mir dabei auch egal denn die Regeln dienen meiner Sicherheit und werden auch dementsprechend durch gesetzt. Dadurch macht das Pferd nicht unbedingt weitere schlechte Erfahrung sondern nur die Erfahrung die es mit jedem ranghöheren Herdenmitglied auch machen würde wenn es sich daneben benimmt und daher ist dies für das Pferd ein natürlicher Vorgang. Schlechte Erfahrung macht ein Pferd wenn es falsch gearbeitet wird und es unlogisch dafür bestraft wird und das ganze mit Schmerzen verbindet die es nicht versteht, sowas sollte man bei einem neuen Pferd sicherlich wissen um die Arbeit dementsprechend darauf einzustellen.
Das Vertrauen kommt von ganz allein wenn man anständig mit denen umgeht und arbeitet und sie motiviert mit zu machen.
Das Antischrecktraining ist eine gute Sache um Vertrauen auch zu festigen.
 
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urmeli1

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Also, ich habe am Anfang, wo ich Nicos gerade gekauft hatte, schon Vertrauensübungen gemacht. So habe ich ihn gut kennen lernen können und sehen können, ohne mich in Gefahr zu bringen, wie er reagiert. Damals war er ja auch noch jung und ich noch zu unerfahren.
Ja ...Ihr könnt jetzt sagen...oh nein. Nicht eine Unerfahrene die sich ein junges Pferd kauft. Ich habe mir Hilfe geholt.
Ich denke schon, dass diese Zeit wichtig für uns war.
 
I

i love dressage

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Wie sollen denn solchen Vertrauensübungen aussehen?

Ich find es wichtig, dass man dem Pferd gegenüber Stärke und Diziplin zeigt. Ich bin der Ansicht, dass es nichts nützt wenn man beruhigend auf ein Pferd einredet, wenn es sich erschreckt hat. Es bestärkt das Pferd eher in seiner Angst. In solchen Situationen ist es wichtig einfach straight weiter zu reiten (wie man es für normal auch tun würde) und wenn es sich z.B. auf dem Platz immer in einer Ecke erschreckt wird dort solange Volte/Zirkel geritten bis das Pferd gelassen vorbei geht. Sowas schafft dann Vertrauen, weil das Pferd merkt, dass es keine Angst haben braucht.

Und feste Regeln, wie dass das Pferd beim führen beispielsweise nicht die ganze Zeit nach vorne drängelt und einen dann praktisch hinter sich herzieht ist klar. Pferd hat immer einen Ticken hinter einem zu gehen. Genauso wie es beim Putzen, Satteln, Aufsteigen etc. stehn zu bleiben hat. Der Mensch muss der Ranghöhere sein.

Wenn man das Pferd dann lobt wenn es etwas gut gemacht hat und ab und zu auch länger Kopf-Schmusebürste Sessions einlegt, dürfte das mit der Vertrauensbasis kein Problem mehr sein. :)
 
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Cinnamon1

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Gute Fragen!!

Vertrauen hat auch immer etwas mit Führungsqalifikation zu tun. Erkennt Dich Dein Pferd als "Boss" an, wird es Dir auch leichter vertrauen.

Also solche "Kleinigkeiten" wie, wer geht zuerst durch die Boxentür oder welche Körperposition nimmst Du/Dein Pferd wärend des Führens ein.
Wichtig ist es, dass das Pferd auf Dich achtet. Ein Indikator dafür, sind meist die Ohren des Pferdes, also hat es mindestens immer ein Ohr, bei Dir.

Persönlich finde ich das Buch "Be strict-Denken wie ein Pferd" von Michael Geitner, für den Anfang immer sehr hilfreich.( Hat mir meine RL empfohlen!!)

Mein persönlicher Tip: sei immer konsequent, in allen Bereichen rund um Dein Pferd, nicht heute so und morgen so, weil grad wenig Zeit ist oder man Stress hatte.
Wenn man das durchziehst, wird das Pferd merken, dass es Dir in allen Lebenslagen auch vertrauen kann.


Als Vertrauensübungen sind alle Arten der Bodenarbeit geeignet. Da es eine Unmenge von Übungen gibt, kann man hier nicht alles aufzählen. Man sollte verschiedenes ausprobieren und merken, woran das Pferd den meisten Spass hat.
Zur Entspannung gibt es viele verschiedene Massagetechniken, z.B. Shiatsu oder TT-Touch.
Ich würde mich im Internet erst mal grob über die verschiedenen Möglichkeiten informieren und mir die Methode aussuchen, die am besten zu mir und meinem Pferd passt. Und mir dann darüber ein gutes Buch kaufen und es ausprobieren.( Muss man ja nich aber ist nicht schlecht für den Anfang!!)
Wichtig bei allen Entspannungstechniken ist aber, dass man selbst erst mal ganz entspannt und ruhig wird. Ein paar Atemübungen und/oder Mediation vor der Pferdemassage wirken Wunder. Es ist dem Pferd nämlich nicht möglich, sich tief zu entspannen wenn man selbst innerlich angespannt oder nervös ist.
Von daher helfen all diese Techniken nicht nur dem Pferd...

Ich hoffe ich konnte ein bisschen helfen??!!
Liebe Grüße CiCi :):p:D
 
H

HJ

Gast
Ich hab am Anfang viel Bodenarbeit und Führtraining gemacht um Chef zu werden, Madame konnte nämlich 3 Jahre machen was sie wollte und hat sich dementsprechend benommen (inkl. Steigen) :rolleyes:

Mit Konsequenz und viel Bodenarbeit haben wir die Rangordnung geklärt, allerdings hat das auch etwas gedauert (ca. 2 Monate)

Vertrauen war da aber noch nicht soooo extrem viel, beim Anreiten hat sie mir ja auch etwas Probleme gemacht... *lach* Im Nachhinein bin ich auch schlauer und weiß jetzt, dass sie damals einfach noch nicht so weit war und das Vertrauen von beiden Seiten noch nicht da war ;)

Ich kanns irgendwie nicht so erklären, aber das Vertrauen kam mit der Zeit und durch viel Anwesenheit von mir (war/bin ja so gut wie jeden Tag am Stall), sie hat mich als Chef und aber auch Herdenkumpel voll akzeptiert und vertraut mir nun voll und ganz...
Durch viel Geduld, Ruhe, Bodenarbeit, Regelmäßigkeit, Zeit, Konsequenz, Körpersprache, Verständnis, Erziehung, gemeinsame Erfahrungen inkl. Höhen und Tiefen, viel "Miteinander", Spaß, Abwechslung und Vertrauen auch meinerseits... und, und, und....

Das Vertrauen kam einfach mit der Zeit und nun nach 1,5 Jahren kann ich so gut wie alles mit ihr machen (vom Reiterlichen mal abgesehen, weil wir ja noch mitten in der Grundausbildung stecken) :)

Ich vertrau ihr zu 100% in allem mittlerweile, das Buckeln haben wir ja ganz gut überwunden *lach*
 
iesca

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Ich hatte mir bei Bohème ja immer vorgenommen, so etwas wie Scheutraining zu machen und viel Bodenarbeit. Irgendwie ist es dann aber doch ganz anders gekommen.
'Scheutraining' habe ich nur einmal gemacht. Da sie aber die Plane, in die ich sie eingewickelt habe, von Anfang an nicht interessiert hat und sie auch beim Spazieren gehen im Gelände alles andere als schreckhaft ist, habe ich es gelassen. Auch Bodenarbeit mache ich, seit ich sie regelmässig reite, kaum mehr explizit. Ich longiere sie und gehe gelegentlich mal spazieren, das wars dann aber auch schon.
Sehr viel Vertrauen haben wir durch die vielen langen Spaziergänge aufgebaut und als ich sie angeritten habe, hat einfach alles gepasst.
Zwischenzeitlich hatten wir im Winter eine etwas unsichere Phase, da habe ich aber auch den Eindruck, dass ich stellenweise evtl. zu viel Druck gemacht habe. Jedenfalls ist sie wieder deutlich ruhiger, wenn sie wirklich mal vor etwas Angst hat, seitdem ich mein Verhalten umgestellt habe und mit mehr Ruhe herangehe.
Vertrauen braucht Zeit, aber ein immer gleichbleibender konsequenter Umgang und viel Ruhe sind meiner Meinung nach die Basis.
 
urmeli1

urmeli1

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Urmeli, was für Übungen im Speziellen hast Du den damals gemacht?
Ich habe zuerst join up + follow up gemacht und dann bodenarbeit, longieren spazieren gehen usw.
Er konnte noch nicht mal Hufe geben. Das ganze hat ca 3 Monate gedauert. Kurz danach hat er sich verletzt ( auf der Weide) uns stand 6 Monate. Da gab es nur Bodenarbeit und spazieren gehen.
 
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Mirage

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Bei einem Pferd ohne Vorbelastung würde ich auch konsequent vorgehen. Bei einem traumatisierten Pferd kann da, wie ich aus Erfahrung weiß, der Schuss nach hinten los gehen.
Hmm, gerade bei einem traumatisierten Pferd ist es umso wichtiger, dass da konsequent gehandelt wird. Man muss solchen Pferden die Chance geben, ihren Platz zu finden, mit Findung ihres Platzes finden sie Sicherheit und die Unsicherheit nimmt stetig ab. Gerade traumatisierte Pferde sind unberechenbarer als ein Pferd ohne Vorbelastung, sie ticken und reagieren unkalkulierbar, nicht abschätzbar für uns Menschen und da wirds dann gefährlich. Diese Konsequenz rettet dem Menschen unter Umständen sogar das Leben. Je normaler man ein traumatisiertes Pferd behandelt, desto eher hat das Erfolg für die Zukunft. ;)
 
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Abby2

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Gebe auch mal meinen Senf dazu. Find das Thema super spannend. Bin persönlich auch der Meinung, dass es auf die Situation und das Pferd ankommt was das Aufbauen von Vertrauen betrifft. Konsequent sollte man im Umgang mit dem Pferd, denke ich, immer sein.
Jedoch glaube ich nicht dass Druck auf das Pferd auszuüben in jeder Situation zum Erfolg führt. Ich denke, dass ich als Mensch nicht die Kraft und körperlichen Voraussetzungen habe nur durch Konsequenz und klare Ansagen das Pferd zu kontrollieren, oder dazu zu bringen mir blind zu vertrauen. Fuchur hat seit ich ihn kenne große Probleme mit dem Trensen, hat sich mitlerweile sehr gebessert. Aufgrund seiner größe hätte ich ihn durch Druck nicht dazu bekommen sich trensen zu lassen.Er bekommt als motivation beim trensen ein Lekerli, ich fasse wenn ich mit ihm schmuse häufig seine Ohren an (hat vorallem damit Probleme), hab ihm beigebracht auf Kommando Kopf zu senken, also mit ihm gearbeitet, dass er lernt Trensen als etwas positives zu verstehn und durch sogenannte Tricks dazuzubekommen das zu machen was ich will.
Wenn sich ein Pferd vor einer Ecke auf dem Reitplatz fürchtet nutze ich auch zwei unterschiedliche Methoden. Entweder ich reite wie schon zuvor beschrieben häufig durch die Ecke durch, achte darauf, dass das Pferd sich auf mich konzentriert, bis das Pferd merkt, dass in der Ecke nichts schlimmes ist. Oder ich gebe dem Pferd jedesmal wenn es in die Angstecke kommt eine Pause, damit es lernt die besagte Ecke als etwas positives anzusehen.
Vertrauen kann man bei einem Pferd nur aufbauen wenn die Rangfolge geklärt ist, jedoch kann man viele Situationen dann auch durch Motivation und Geduld in den Griff bekommen.
 
M

Mirage

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Willi, ich glaub Du missverstehst mich. Konsequenz und meine Regeln beachten hat für meine Begriffe rein gar nichts mit Druck aufbauen, Sachen fordern, die nicht sein müssten oder sonstwas zu tun, sondern hier geht es rein um Sachen, die sein MÜSSEN eben wie Führen, Stehen bleiben etc. und da mache ich eben keinen Unterschied zwischen unvorbelastetem und vorgelastetem Pferd. Alle anderen Dinge sind ein anderes Thema, aber das Grundprinzip muss funktionieren. ;)

Bei meiner Stute (die dank Vorbelastung leider überhaupt nicht normal tickt) haben wir das Männerangstproblem übrigens ganz simpel in den Griff bekommen. Als ich 2004 den Stall wechselte warnte ich den neuen SB vor Nearly, da sie biss, wenn sie sich bedrängt fühlte vor Angst, sie biss ohne Vorwarnung. Mein SB meinte nur, dass bekomme er schon hin. Daraufhin hat er jeden Abend noch 5-10 Minuten seiner Zeit investiert und ist außen an der Box von Nearly gestanden, kam sie irgendwann neugierig her, gab es Streicheleinheiten und ein Leckerli (das erste Mal hingegangen ist sie übrigens nach 7 Tagen). Dank meinem SB konnte ich mir Jahre später sogar eine männliche RB zulegen. Mein SB hat von sich aus die Zeit investiert, wofür ich wirklich dankbar bin. ;)
 
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