Eigentumsurkunde - Nachbeantragung

Diskutiere Eigentumsurkunde - Nachbeantragung im Recht und Versicherung Forum im Bereich Pferde; Mei, Leut, ich sag's Euch. Ich hab eine Odyssee hinter mir: Im Dezember hab ich mein Pferd gekauft. Im Kaufvertrag war die Urkunde...
filou2

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Mei, Leut, ich sag's Euch. Ich hab eine Odyssee hinter mir:

Im Dezember hab ich mein Pferd gekauft. Im Kaufvertrag war die Urkunde durchgestrichen. Da es ein Liebeskauf war und ich nicht mal 48 Stunden vorher erfahren hab, dass der Betrieb aufgegeben und das Tier verkauft wird, hatte ich wenig Zeit, mich über sowas zu informieren. Hab eigentlich die ganze Zeit damit verbracht, einen Stallplatz und einen Tierarzt für die AKU aufzutreiben.
Ich fragte kurz, warum die Urkunde durchgestrichen sei. Der Vorbesitzer sagte nur "Hat der nicht." Ich hab auch schon von Pferdebesitzern gehört, die die tatsächlich nicht haben, deren Pferde aber eben auch einem anderen Zuchtverband angehören. Daher dachte ich mir nichts weiter dabei.
In Wahrheit hat jedes seit 1987 in Bayern geborene Pferd (meiner ist 96er Baujahr) wirklich eine Urkunde und die gehört dazu, ist zum Umschreiben nötig etc. Ich möchte mein Pferd unbedingt auf mich umgeschrieben bekommen,
1. weil ich natürlich nicht möchte, dass fremde als Eigentümer meines Pferdes drin stehen, also aus rein psychologischen Gründen.
2. weil der Tierarzt eigentlich große Entscheidungen (Änderung auf Nichtschlachtpferd oder gar Einschläfern) dem eingetragenen Eigentümer überlassen muss. Mein Tierarzt würde mit mir notfalls in den Rechtsstreit gehen, hat er gesagt, weil er ja den kompletten Kauf mitbekommen, selbst die AKU gemacht hat. Aber das will ich mir und meinem Tierarzt natürlich ersparen.
3. weil ich keinesfalls an einer LPO teilnehmen möchte und im Programmheft, in allen Listen erscheint jemand anders als Eigentümer und beansprucht am Ende sein Recht auf womögliche Siegprämien etc. (bei mir und meinem Pferd eigentlich ausgeschlossen, weil meine Ambitionen eher im Training miteinander liegen und ich nicht meine Wochenenden am Turnierplatz verbringen mag. Wenn ich das möchte, geh ich alleine und mein Großer darf auf der Koppel spielen, denn an der Teilnahme hab ich kein Interesse.)
4. weil ich einen Fall gelesen hab, bei dem's mir die Nackenhaare aufstellte. Gleiches wie bei mir und die Besitzer meinten, es sei ja nicht so schlimm, wenn jemand anders drin stünde im Equidenpass. Sie ließen also nicht neu ausstellen und umschreiben und der ehemalige Besitzer kam in Geldnot. Ein Warmblüter bringt am Schlachthof nunmal rund 800 Euro und so holte er das Tier ab und fuhr es dorthin. Bis die neuen Besitzer drauf angesprochen wurden in ihrem Stall, dass sie doch diesen Nachmittag zum xy umgezogen seien und der hätte einen Einstellervertrag vorgezeigt und auch den im Stall für die Impfung hinterlegten Pass mitgenommen, war das Tier tot. Ganz ehrlich: Der Ausgang dieses Streitfalls und ob der Stall den Pass rausgeben hätte dürfen etc. war mir herzlich wurscht. Alleine der Gedanke, wie schnell man seinen geliebten Vierbeiner verlieren kann, trieb mich zum Handeln.

Ich rief also den Zuchtverband an: Die Urkunde kann nur nachbeantragen, wer sie verloren hat, wer sie zuletzt in Händen hatte. Das muss also mein Vorbesitzer machen. Nur ist der stur, geht ihn nichts mehr an, er mag keine Scherereien mehr haben mit Rössern, die ihm nicht mehr gehören, er hätte den Betrieb nicht aufgegeben, wenn er heut noch mit den Pferden zu tun haben wolle... Heute war ich dort und die Dame gab mir das Formular zur Nachbeantragung der Urkunde mit. Ich soll es mal ausfüllen, den Neuantrag zahlen, alle Nachweise, die ich für den Kauf hab, vorlegen, dazu die Fotos, die Kopf, Beine und Brand wegen der Abzeichen zeigen und dann würde man mir schon irgendwie helfen können. Es wär ja ein Unding, wenn ich durch das miese Verhalten eines einzelnen, der das Pferd auch noch mangelernährt hat, nicht das volle Recht an meinem Pferd bekäme. Sie spricht derweil mit dem Juristen und dem Tierarzt. Kopf und Beine sind auf bereits bestehenden Fotos gut drauf, den Brand kann ich eh erst jetzt, im Fellwechsel, sichtbar machen. Im Winter ahnt man nicht mal, dass er einen hat. Heute abend um halb sechs hab ich einen Termin beim Notar, der meine Unterschrift beglaubigt.

Dazwischen hab ich mit der Zweitbesitzerin des Pferdes Kontakt aufgenommen, sie gefragt, ob sie noch eine Urkunde hatte, wohin sie das Pferd verkauft hat. Aha, an einen Händler. Hieß der zufällig so wie der, von der mein Vorbesitzer normal alle Pferde kauft? Nein, aber der Händler, bei dem sie meinen gegen eine Stute eingetauscht hatte, sei ein guter Freund dieses Händlers. Ah ja. Noch ein Puzzleteil gefunden. Damit ist sein voller Werdegang von der Geburt bis heute rekonstruiert. Die Frau wollte mir eigentlich auch noch Fotos von meinem lieben schicken aus der Zeit, wo sie ihn hatte, kam aber wohl nicht dazu und hat es mittlerweile vielleicht vergessen. Ich hab von ihr nichts außer ihrer Adresse.
 
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filou2

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Weil mir Dein Eintrag nicht angezeigt wurde, hab ich jetzt noch einen Absatz "Lebenslaufforschung" angehängt.
Helfen kann mir vermutlich niemand außer den netten Leuten vom Verband, die hoffentlich zu dieser Entscheidung befugt sind, mir ohne Unterschrift des Vorbesitzers die Urkunde neu auszustellen.
Mit "alle seit 1987 geborenen ... haben eine Urkunde" meinte ich, das hab ich nicht richtig formuliert, dass eben der Equidenpass seitdem nur mit Urkunde rausgeschickt wird. Ein Pferd, das wie Deines vorher auch den Equidenpass nicht hat, hat auch keine Urkunde. Meiner hat den Pass bei der Geburt erhalten samt Urkunde und irgendwo in den vergangenen 12,5 Jahren blieb das zweite Teil auf der Strecke und ich und meine anderen Vorbesitzer sind uns sicher, bei wem das gewesen sein muss.
Ich schreib denen vom Verband einfach dazu, dass mein Tierarzt (kann ihn ja schnell anrufen) den Kauf gerne bezeugt, sowie einige Leute aus dem alten Stall, die direkt dabei waren. Von meiner Bank hab ich eine Bestätigung über die Überweisung des Kaufbetrags. Das müsste nun schon mit dem Teufel zugehen, wenn es nicht klappen würde.
 
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Neuigkeiten: Es hat geklappt. Man hat mir eine neue ausgestellt. Diese hab ich noch nicht erhalten, sondern gleich seinen Equidenpass zum Umschreiben auf mich hingetragen.
 
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Ich hab die Urkunde heut abgeholt. Nun steht auf der Urkunde jemand, dessen Namen ich noch nie gehört hab. Züchter, und eine Besitzerin kenne ich, danach waren zwei Händler und dann mein Vorbesitzer. Komisch. Aber im Pass wurde ich nun eingetragen und wir sollen die Urkunde einfach so weiterführen, sollte ich jemals verkaufen, was für mich natürlich komplett ausgeschlossen ist.
 
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Bei mir ist halt das blöde, dass noch irgendwo auf dieser Welt eine sein muss, nämlich die Erstschrift. Es weiß nur kein Mensch, wo die ist.
 
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So, ich sollte nun wenigstens noch hinterlassen, dass ich inzwischen eine Zweitschrift habe und der Equidenpass umgeschrieben ist auf mich. Hurrah!
Danke dem Verband bayerischer Pferdezüchter!
 
H

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Bei mir ist/war es auch so, der Besitzer, der Luna ja seit der Geburt hatte, hat die Eigentumsurkunde nicht gefunden, also hab ich mir eine Zweitschrift beantragt, nicht gerade billig, aber sicher ;)

Und falls der Vorbesitzer die Urkunde noch findet, gibt er sie mir, das hat er versprochen und ich steh mit ihm ja eh noch in Kontakt...

Gruß
Jessi
 
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Mein Vorbesitzer gibt mir das Teil ganz sicher nicht, wenn er es findet. Das ist was, wovor ich Angst hab: dass der das Ding findet und Mist damit macht. Ich hab aber den Schutz eines großen Stalls, wo unsere Pferde nie ganz alleine sind, außer wenn der Stall abgesperrt ist.
 
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