Turniertag im Hochsommer

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Morgens in aller Herrgottsfrühe klingelt der Wecker und ich frage mich schon, warum um Himmels willen ich mir das antue, aber da tags zuvor schon alles vorbereitet wurde, ist das frühe Aufstehen eigentlich halb so wild. Raus aus dem Bett, rein in die Klamotten, es ist zwar noch morgenkühl, aber die Sonne scheint, es verspricht ein schöner Tag zu werden, das motiviert doch.

Am Stall ist morgens um 5.30 Uhr noch keiner, also füttern wir auf die Schnelle alle auf der Stallgasse befindlichen Rösser, den eigenen tunlichst zuerst, damit der auch schon fertig ist, wenn die Haferkarre wieder in der Futterkammer verstaut worden ist. Zu zweit geht es jetzt ganz schnell, einer übernimmt das Putzen und Einflechten, der andere holt schon mal den Anhänger und packt die Sattelkammer, nach einer halben Stunde sind wir schon auf dem Weg.

Wir sind früh dran, die Ersten, die überhaupt auf den Anhängerplatz gefahren kommen – findet hier heute überhaupt irgendetwas statt? Die Meldestelle ist noch nicht besetzt, die Anlage liegt wie ausgestorben im Frühnebel da. Da wir aber gestern schon für die heutige Prüfung abgehakt haben, ist klar, dass ich als Erste in die Prüfung muss, also wird nach einem Blick auf die Uhr gesattelt und schon mal ein Blick aufs Dressurviereck geworfen. Ich habe eine Klasse schwerer genannt als sonst, dieser Verein hat noch nie ein Turnier veranstaltet, die Ausschreibung sah gut aus, im Training klappte alles bestens, einen Versuch ist es also wert.

Der Abreiteplatz ist abends zuvor gut gewässert worden, leider stehen zum Teil große Pfützen auf dem tiefen schwarzen Sand, und da wo keine Pfützen sind, stehen Hindernisse, der Platz wird offensichtlich sowohl von den Spring- als auch von den Dressurreitern zum Abreiten genutzt. Da immer noch keiner zu sehen ist, beschließe ich, den Prüfungsplatz näher in Augenschein zu nehmen, dort wird sich vermutlich besser reiten lassen. Auf dem Viereck angekommen stelle ich als erstes fest, dass irgendjemand nach Augenmaß die Bahnpunkte und Dressurgatter verteilt hat, das Viereck ist gefühlte 5 Meter zu kurz und außerdem liegen sich die Halbebahnpunkte definitiv nicht gegenüber. Was nicht so schlimm wäre, käme in der Aufgabe nicht vor, dass man von B nach E zu reiten hat und selbst den Richtern am Richtertisch wird also vermutlich auffallen, dass diese Halbebahnlinie nicht parallel zur kurzen Seite geritten wurde. Egal, es ist noch viel Zeit bis zum Prüfungsbeginn, ich reite erst mal in Ruhe ab. Der Frühnebel verzieht sich, es wird schon wärmer, aber noch ist es auszuhalten.

Nach einer Dreiviertelstunde kommt der erste Mensch ans Viereck, es ist ausgerechnet einer der Richter, der mir erstens mitteilt, ich möge doch jetzt mal vom Prüfungsplatz verschwinden, und der zweitens nicht so recht glauben will, dass das Viereck nicht passt. Es ist noch wärmer geworden und der ältere Herr schwitzt schon in seinem offiziellen Anzug.

Nach einiger Zeit lässt sich das Tafelmädchen blicken, sie wird sofort wieder losgeschickt, ein Maßband zu holen. Und dann kommt ungefähr der halbe Verein heran und diskutiert das Viereck aus. Ich reite weiter meine Runden, stelle fest, das der Boden trotz des vorabendlichen Wässerns jetzt anfängt zu stauben, und beende die Diskussion schließlich, indem ich erkläre, ich würde wohl so einreiten, ich würde dann aber auch erwarten, dass alle anderen Reiter das auch tun. Ich setze noch hinzu, dass ich mit meinem kleinen Pferdchen die doppelte-halbe Traversale auch mit dem verkürzten Viereck noch hinkriegen würde, bei etwas größeren Pferden könnte das vermutlich schwierig werden. Der Abreiteplatz füllt sich, man sieht die ersten Lokalgrößen ankommen und macht sich an die Arbeit, mit denen will keiner diskutieren. Mit 15 Minuten Verspätung reite ich dann als erste in die Bahn. Jetzt staubt es richtig, alles Wasser scheint bereits in der Frühsonne verdunstet zu sein. Mein Kleiner gibt wirklich sein Bestes, ich bin ganz stolz.

Die Wertnote ist zufriedenstellend und als ich mein Bodenpersonal anstrahle, wird mir erschreckt mitgeteilt, doch bitte mit geschlossenen Lippen zu lächeln, der schwarze Staub hat mein Pferd und mich insgesamt und meine Zähne insbesondere mit einer dicken grau-schwarzen Schicht überzogen. Was auch das Knirschen erklärt …

Wir beschließen noch einen Kaffee trinken zu wollen, um danach noch zu gucken, ob es sich lohnt bis zum Prüfungsende vor Ort zu bleiben. Vor dem Kuchenzelt hat sich schon ein Schlange gebildet, wir stellen uns also brav hintenan. Was auch gut ist, denn so können wir beobachten, wie die große Industrie-Kaffeemaschine gefüllt wird, woraufhin wir spontan beschließen, uns unseren Kaffee demnächst selbst mitzubringen, das Wasser ist fast so braun wie der Kaffee, der unten rauskommt. Wir besorgen uns stattdessen lieber ein Wasser am Bierwagen und treffen dort eine Freundin, die ihre Prüfung in der Reithalle gerade absolviert hat und sich bitter über die Kühe beklagt.

Kühe.

Kühe?

Tatsache ist, dass die Anlage auf einem Bauernhof untergebracht ist, und dass der Kuhstall direkt neben der Reithalle liegt, so dass die Prüfung mit Untermalung von Kuhstallgeräuschen geritten werden muss. Ihr Pferd hat sich offensichtlich nach dem ersten lauten Muhen nicht mehr an die lange Seite heranreiten lassen – wie sagt man so schön "shit happens".

Ich beschließe jedenfalls spontan, mich auf das Experiment Kuh nicht einzulassen, und nach einem Blick auf die vorläufige Ergebnisliste beschließen wir des weiteren, wieder heimzufahren, ich liege jetzt schon im Mittelfeld, eine Platzierung ist nicht zu erwarten.

Als wir nach einem langen Tag daheim ankommen, ist es immerhin schon 10.00 Uhr.
Morgens.
Es fühlt sich wirklich an, als hätten wir einen langen stressigen Tag hinter uns - was tun wir bloß jetzt mit dem Rest des Tages?
Gar keine Frage, wir gehen ins Freibad, und das ist nicht die schlechteste Idee des heutigen Tages …
 
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tschulia

tschulia

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:D wie wahr, wie wahr.......

wer kennt das nicht?!?!?!? :D
 
W

Wunschtraum

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hach, das kommt mir irgendwie bekannt vor... :D
 
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