Zur Strafe rückwärts richten - wozu?

Diskutiere Zur Strafe rückwärts richten - wozu? im Ausbildung Forum im Bereich Pferde; Hallihallo :) Ich habe mich das schon öfter gefragt, aber erst heute effektiv versucht mir das Thema zu merken, um es hier mal zur Diskussion zu...
Bino

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Hallihallo :)

Ich habe mich das schon öfter gefragt, aber erst heute effektiv versucht mir das Thema zu merken, um es hier mal zur Diskussion zu stellen! ;)

Wenn das Pferd etwas falsch gemacht hat schickt man es rückwärts - aber wozu eigentlich? :confused:

Verbindet das Pferd irgendwas besonderes mit der konstanten Rückwärtsbewegung? Hat sich das einfach irgendjemand mal ausgedacht? Welchen Effekt soll das ganze eigentlich haben?

Richtet ihr eure Pferde bei unkorrektem Verhalten rückwärts? Hat euer Pferd anschließend daraus gelernt?

In welchen Situationen genau schickt ihr es rückwärts? Bleibt ihr da konsequent und benutzt diese Art von Strafe durchweg?

Wie unterscheidet ein Pferd eigentlich das "normale" Rückwärtsrichten - und damit meine ich die versammelnde Übung im Dressurviereck - mit dem strafenden?

Viele viele Fragen auf die ihr hoffentlich viele viele Antworten habt :)

Eure Bino
 
31.08.2008
#1
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Gwenie

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Es ist wie Willi schon schrieb eine Gehorsamsprüfung bzw. ein Abverlangen. Soll dem Pferd dann zeigen, dass du da oben der Chef bist.

Ich persönlich halte nicht viel davon, eben weil es auch zu Problemen mit dem normalen Rückwärtsrichten kommt. Ich finde man kann den "Gehorsam" auch anders testen, ohne wie wild das Pferd rückwärts rennen zu lassen (bezogen auf das unterm Reiter).
Das andere, an der Hand rückwärts gehen, dient wirklich zur Festlegung der Rangfolge. Grade wenn du beim Verladen das Pferd rückwärts gehen läßt machst du es auch neugierig auf den Hänger.;)
 
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Lelie

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Die beiden anderen haben ja schon geschrieben warum Rückwärtsrichten als Korrektur oder Strafe funktioniert, nämlich weil es die Rangordnung klärt.
Es eignet sich daher gerade für sehr dominante Pferde, denn so kommt man mit viel weniger Aufwand aus. Ich muss nicht einen großen Larry machen um das Pferd zu bestrafen oder zurechtzuweisen, ich schicke es lediglich am lockeren Strick und nur mit Körpersprache zurück und schon ist alles wieder geklärt.
Außerdem kann Rückwärtsrichten in vielen angsteinflößenden Situationen ein "letzter Ausweg" sein, wie Willi07 schon geschrieben hat. Ich nutze es z.B. wenn Helli im Gelände irgendwo partout nicht vorbei will. Sie fängt dann, wenn man es drauf ankommen lässt, an rückwärts zu rasen, steigen anzudeuten und macht ein riesiges Theater. Also drehe ich den Spieß und das Pferd um und reite rückwärts an dem "Monster" vorbei. Hat mir schon oft gute Dienste erwiesen.
Und ich hab bisher noch nie Probleme damit gehabt, dass die Pferde dann in der Dressur nicht mehr ordentlich rückwärts gehen. Dazu muss man allerdings beachten, dass man die Pferde zur Strafe nicht meterweit rückwärts jagt sondern ruhig und kontrolliert Schritt für Schritt zurück schickt. Dann hilft das für das dressurmäßige Rückwärtsrichten eher, als das es schadet.
Das Rückwärtsgehen ist ja nicht böse gemeint, deshalb sollte man das Pferd auch dann, wenn das Rückwärts eigentlich Strafe war, anschließend loben.
Dann ist das ein sehr probates Mittel.
LG Lelie
 
Sheep1

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Ich kann mich den anderen nur anschließen.

Dass es im Viereck nicht zur Verwechlungs kommt liegt an der Einstellung. Es ist keine Strafe, sondern nur ein erinnern. Und genauso nimmt ein Pferd das auch auf. Mit so einer einfachen Übung überprüft man einfach nur den Gehorsam! :) Ich richte auch gerne bei der Bodenarbeit rückwärts, einfach nur um zu gucken, wie gut der liebe Herr denn eigentlich noch mitmacht. ;)
 
Gwenie

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Ja wenn man es in Ruhe macht und anschließend lobt dann ist es kein Problem.Oft sieht man aber Reiter, die hektisch das Pferd rückwärts ziehen (als Bestrafung :mad:) und das Pferd rennt dann auch hektisch nach hinten. Anschließend wird es dann wieder schnell nach vorne geritten. DAS ist dann natürlich nicht i.o.!
 
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Bino

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Ich muss schmunzeln....

Ich habe selten einen Pferdebesitzer gesehen, der sein Pferd kontrolliert bestrafend zurückschickt. Da wird das Pferd vorne gepackt und wütend rückwärts geschickt bis es fast an der Wand hoch krabbelt :mad:

Auch unter dem Reiter sieht man dann störrisches ziehen im Pferdemaul, das Pferd rennt panisch rückwärts und dann gehts einfach wieder vorwärts.

Wie soll ein Pferd SO verstehen dass es was falsch gemacht hat??

Ich habe mein Pferd noch NIE bestraft, indem ich es rückwärts geschickt habe, weil ich den Sinn dahinter auch nach euren Beiträgen noch nicht so ganz nachvollziehen kann.

Meiner Meinung nach geht ein Pferd dann rückwärts, wenn es Angst hat. Wozu soll ich dem Pferd Angst einflößen? Der Herdenchef sollte zwar bestimmend, aber nicht Angsteinflößend sein... oder nicht? :)

Kann man denn nicht auch anders strafen?
Und dazu stell ich nochmal meine Eingangsfrage: In welcher Situation wendet ihr das strafende Rückwärtsrichten an? (außer beim Verladen, das ja schon mehrfach genannt wurde)
 
Sheep1

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Aalso..

erstmal sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich Strafe als "Du machst was falsch und musst jetzt dafür büßen" nicht so verstehe, sondern als "hey Kleiner! Ich hab dir etwas anderes gesagt! Hör mir doch zu.. Also mach es jetzt nochmal..." . Ich "korrigiere" und so auch beim Rückwärtsrichten vom Boden aus.

Die einfachste Situation, um das Mittel "Rückwärtsrichten" zu erklären ist die In-Die-Box-renn-Situation:
Das Pferd soll vor der Box stehen bleiben, warten bis ich das Halfter abgemacht habe und ein Kommando gebe, wonach er in die Box laufen darf. (doe Box geht direkt vom Hof aus - also keine Stallgasse oder ähmlich enge Situation)
Klappt natürlich nicht auf Anhieb, den die Box lockt mit dem Abendbrot! ;)
Wenn Pferdchen nicht vor der Tür stehen bleibt, wenn ich stehen bleibe wird am Halfter einmal kurz gezogen (nicht gezerrt) und er wird soweit zurückgeschickt, bis er mit seinem Kopf hinter mir ist. Mit dieser Geste zeigst du deinem Pferd, dass du der Chef bist. Wenn du stehst muss er auch stehen bleiben - und zwar hinter dir und nicht erst, wenn er das Halfter merkt! ICH leite die "Herde", ICH sage wann ich stehen bleibe! So einfach ist das.
Durch das Rückwärtsrichten zeige ich ihm, wie es eigentlich gehört und rufe den Gehorsam sozusagen neu ab.
Das Lob, slbald er hinter mir steht ist natürlich klar. Vielleicht lässt man ihn auch noch ein wenig weiter rückwärtslaufen, damit man zusammen nochmal auf die Box zulaufen und so diesselbe Situation nochmal herstellen kann. Bleibt er dann stehen wird ebenfalls gelobt.
Die nächste Stufe ist dann, dass er auch ohne Halfter wartet, bis das Kommando (in unserem Fall) "husch" kommt. Wenn er votr der Box steht ein Lob, das Erlösungskommando und der zweite Teil des Lobes wartet in der Box.

Der Grad zwischen "Strafe" und "Korrektur" (wie ich es nenne) ist zwar nur sehr schmal, aber ich hoffe du verstehst es!
Natürlich kann ich dir nicht erklären, warum man sein Pferd dermaßen übertreiben rückwärtsrichtet und nicht lobt, aber du kennst ja die verschiedenen Ansichten der Reiter ;)


Jetzt verständlicher? ;)
 
Bino

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Hi Sheep!

Ich unterscheide in deiner Art das Pferd zu korrigieren sogar nochmals. Denn zurück schicken, weil mein Pferd mich umrammeln will weil es zum Futter will ist meiner Ansicht nach was ganz anderes als:

Pferd soll meinetwegen an der Longe traben und dann durchparieren zum Schritt. Hört aber nach 2 Befehlen immernoch nicht. Da kenne ich einige Leute die das Pferd dann zu sich mit Gewalt reinholen und dann erstmal kräftig rückwärts schicken.

oder:

Pferd soll aus dem Traben unter dem Reiter halten. Pferd hat nach 2 Versuchen immernoch keinen Bock, also gehts erstmal rückwärts.

:schaf:


Wenn mein Pferd mich zusammenrennen will weil es nach irgendetwas giert oder mich nicht wahrnehmen möchte ist es total logisch, dass ich es nach hinten schicke, da es ja an seine ursprüngliche Position zurück gehen soll :)
So mache ich das auch.

Aber ich meinte eigentlich das "andere einsetzen der Bestrafung durch rückwärts richten" :)
 
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Wunschtraum

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Ich muss schmunzeln....

Ich habe selten einen Pferdebesitzer gesehen, der sein Pferd kontrolliert bestrafend zurückschickt. Da wird das Pferd vorne gepackt und wütend rückwärts geschickt bis es fast an der Wand hoch krabbelt :mad:

Auch unter dem Reiter sieht man dann störrisches ziehen im Pferdemaul, das Pferd rennt panisch rückwärts und dann gehts einfach wieder vorwärts.

Wie soll ein Pferd SO verstehen dass es was falsch gemacht hat??
So versteht ein Pferd das natürlich nicht und so ist das auch nicht gedacht.

Meiner Meinung nach geht ein Pferd dann rückwärts, wenn es Angst hat. Wozu soll ich dem Pferd Angst einflößen? Der Herdenchef sollte zwar bestimmend, aber nicht Angsteinflößend sein... oder nicht?
Klar geht das Pferd rückwärts wenn es Angst hat, das ist richtig. Aber ein Pferd geht auch Rückwärts wenn es vor etwas Respekt hat. Wenn der Herdenchef auf ein Rangniederes Pferd zuläuft, geht dieses auch Rückwärts.

Rückwärtsrichten hat nie was mit Angsteinflößen zu tun, sondern nur damit, das du überprüfst, ob dir dein Pferd den nötigen Respekt entgegen bringt. Wenn meine Stute zum Beispiel am durchhängenden Strick mit langem Hals rückwärts geht nur weil ich auf sie zu laufe, hat das nichts mit Angst sondern einfach was mit Respekt zu tun.

Kann man denn nicht auch anders strafen?
Und dazu stell ich nochmal meine Eingangsfrage: In welcher Situation wendet ihr das strafende Rückwärtsrichten an? (außer beim Verladen, das ja schon mehrfach genannt wurde)
Natürlich kannst du auch anders Strafen. Aber nirgendwo kannst du ohne Gewalt (wenns richtig gemacht ist) soviel Respekt einfordern.
Vom Sattel aus verwende ich nie das strafende Rückwärtsrichten. Da reicht ein scharfes "Nein"Wenn sie aber am Boden nicht stehen bleibt oder rum turnt, dann schick ich sie (sanft) nein paar Schritte rückwärts und gut ist. Auch bevor ich auf dem Turnier den Parcours beginne muss sie ein paar Schritte rückwärts treten. Damit überprüfe ich dann einfach den Gehorsam und ob sie bei mir ist.
 
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Sheep1

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Also Rückwärtsrichten bietet sich in manchen Situationen einfach an. Ein Pferd aus etwas ganz anderem herauszuholen finde ich persönlich auch etwas affig. Da gibt es nun wirklich andere Methoden und bringt wahrscheinlich nur alles durcheinander.

Wenn ich aber aufm Pferd sitze und antraben möchte, das dominante Pferd jedoch abrupt stehenbleibt und mir 'nen symbolischen Vogel zeigt, so würde es sich wiederrum anbieten das Pferd von oben aus rückwärtszurichten, wenn es schonmal selber dabei ist, den Rückwärtsgang einzulegen. Es erinnert nochmal an die Rangordnung, muss aber nun auch wirklich nicht übertreiben werden. Vor allem bei dominanten Pferden ist das recht effektiv, da die ja sowieso einen guten Willen haben! :)

Es kommt also ein bisschen auf die Situation drauf an, und wie gesagt: Die meisten Reiter versteht man mit ein wenig Pferdeverstand sowieso nicht ;)
 
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treasure

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Ich gestehe, ich gehöre zu denen die Rückwärtsrichten manchmal als "Bestrafung" anwenden. Viel eher als Bestrafung würde ich es aber Ermahnung nennen.

Ganz wichtig dazu: diese Art der "Strafe" reite ich nur mit fortgeschrittenen Pferden, meistens solche die wirklich korrigiert werden müssen oder eben mal wieder ihres Könnens ermahnt. NIE reite ich Rückwärts als Strafe mit jungen Pferden, gerade aus dem Grund der Angst und der Differenziertheit von Rückwärts als Strafe oder Lektion.

Ich richte Rückwärts z.B. dann an, wie Bino schon gesagt hat, wenn Übergänge nicht klappen, ich Pleasure trainiere oder stoppe.

Das Rückwärts hat den Sinn, 1. dem Pferd zu zeigen dass etwas nicht richtig war und 2. genau da hin rückwärts zu gehen, wo der Fehler passiert ist.

Also z.B. jogge ich die Bahn rauf, möchte gerne bei B angaloppieren, Pferd klemmt, will nicht oder fängt an zu rennen. Dann wird gestoppt und rückwärts gerichtet - aber nicht 4,5 Meter, sondern lediglich 3,4 Schritte aber das zügig. Ich bin bei dieser Art von Rückwärts auch etwas energisch am Schenkel und Stimme, habe ich eine Wassertrense drin kanns auch sein (je nach Pferd), dass das Rückwärts dann gezogen aussieht. Reite ich auf Bit wird allerhöchstens schnell angenommen bis Pferd sich rückwärts in Bewegung setzt, dann sofort losgelassen. NIEMALS ziehe ich am Bit für jegliche Art von Korrektur oder Strafe.
Nach diesen 3,4 Schritten setze ich das Pferd gleich wieder in den Jog und versuche das Angaloppieren gleich nochmals.

Dasselbe gilt beim Stop oder eben beim Pleasure Training, wenn das Pferd anfängt zu rennen oder die Hilfen nicht annehmen will oder sich einfach fallen lässt.

Ganz wichtig ist aber immer das 1. die Korrektur SOFORT erfolgt und 2. dass nach den paar Schritten SOFORT wieder vorwärts geritten wird und dem Pferd die Übung nochmal verlangt wird aber danach ihm gleich Zeit gegeben wird, um über den Fehler nachzudenken.

Und zu guter Letzt, wie das Pferd das Rückwärts als Strafe und Lektion unterscheiden kann:
Meine Pferde (die fortgeschrittenen) gehen alle völlig locker und ohne jegliche Zügelspannung rückwärts. Ich bereite sie vor jedem Rückwärts mit ganz leichtem Schenkelklopfen oder nur Gewicht oder Stimme aufs Rückwärts vor. Alles geschieht ruhig und gleichmässig.
Die Strafe erfolgt ja sofort nach dem Fehler und da wirke ich gleich energischer ein.

So hoffe das war verständlich, bei Fragen natürlich gerne fragen, ich bin natürlich auch offen für Kritik oder Diskussionen :)

Noch eine Frage an die, die gegen die Rückwärts-Strafe sind: welche Methode schlägt ihr denn vor, um solche Fehler zu "bestrafen" oder korrigieren?
 
Tilli L

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Ich gehöre zu denjenigen, die das Rückwärtsrichten vom Boden aus verlangen zur Klärung der Aufmerksamkeit und der Rangordnung und sehe es auch nicht als Strafe.
Im Sattel habe ich das Rückwärtsrichten noch nie als Strafe gebraucht, bei Tilli komme ich sehr gut mit positiver Verstärkung weiter. Sie reagiert sehr gut auf Sprache und nachlassende Hilfen. Sie wird zunehmend lockerer, wenn ich sie auf diese Art und Weise bestärke. Natürlich gibt es auch mal schlechte Tage, an denen ich nicht so gut drauf bin. Das wirkt sich auch sofort auf die Rittigkeit aus. Mittlerweile mache ich dann keine Dressurarbeit, sondern laufe mit ihr ins Gelände.
 
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Lelie

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Ich muss schmunzeln....
Ich habe selten einen Pferdebesitzer gesehen, der sein Pferd kontrolliert bestrafend zurückschickt. Da wird das Pferd vorne gepackt und wütend rückwärts geschickt bis es fast an der Wand hoch krabbelt :mad:
Auch unter dem Reiter sieht man dann störrisches ziehen im Pferdemaul, das Pferd rennt panisch rückwärts und dann gehts einfach wieder vorwärts.
Wie soll ein Pferd SO verstehen dass es was falsch gemacht hat??
Wie Wunschtraum schon schreibt, solche Leute haben den Sinn nicht kapiert. Die haben das vielleicht irgendwo mal gehört und dann ohne nachzudenken kopiert. Aber sieht man nicht bei allen möglichen Lektionen Leute, die damit nicht umgehen können?

Ich habe mein Pferd noch NIE bestraft, indem ich es rückwärts geschickt habe, weil ich den Sinn dahinter auch nach euren Beiträgen noch nicht so ganz nachvollziehen kann.
Meiner Meinung nach geht ein Pferd dann rückwärts, wenn es Angst hat. Wozu soll ich dem Pferd Angst einflößen? Der Herdenchef sollte zwar bestimmend, aber nicht Angsteinflößend sein... oder nicht? :)
RESPEKT! Das ist das Zauberwort. Das RR dient nur dazu zu sagen "Hallo, ich sag wo es langgeht, hör mir zu" und nicht dazu einfach mal auf die Kacke zu hauen. Mit keiner Art der Korrektur oder Strafe, wenn du es so nennen willst, kann man sanfter und dabei effizienter auf das Pferd einwirken. Wenn das Pferd das einmal verstanden hat, was es soll, dann geht das am durchhängenden Strick und völlig ohne Aufwand. Das kann völlig geräuschlos passieren.
Und so verständigen sich die Pferde untereinander doch auch, warum sollten wir das nicht genauso machen? Warum muss es eine Bestrafung in Menschensprache und nicht in Pferdesprache geben?

Kann man denn nicht auch anders strafen?
Und dazu stell ich nochmal meine Eingangsfrage: In welcher Situation wendet ihr das strafende Rückwärtsrichten an? (außer beim Verladen, das ja schon mehrfach genannt wurde)
Natürlich kann man anders strafen, gerade unterm Sattel bietet sich das Rückwärtsrichten eher nicht so an, finde ich. Aber am Boden gibt es nichts besseres. Es sei denn, man steht gerade mal nicht direkt neben dem Pferd und es knabbert z.B. den Strick an, dann ist ein scharfes "Nein" natürlich geeingneter.
Unter dem Sattel sollte man, meiner Meinung nach sowieso nicht strafen, nur korrigieren und sich dabei reiterlicher Mittel bedienen. Will sagen, wenn eine Lektion klemmt, versuche ich die Grundlagen dafür durch andere Lektionen zu verbessern und setze dann neu und evtl. anders an. Da hat Strafe nichts verloren.
Bei Ungehorsam (Steigen, Bocken, Scheuen) bringt RR unterm Reiter auch eher wenig. Ein Steiger will ja rückwärts, weil er dann besser Last aufnehmen und höher kommen kann. Deshalb gilt da: Abwenden und vorwärts. Bei Bucklern ist vorwärts auch besser, dann geht die Energie raus und die Bocksprünge werden flacher und damit besser auszusitzen. Bei guckigen Pferden hilft eh nur - je nach Alter, Erfahrung... - drüberreiten oder zeigen und dran gewöhnen.

Pferd soll meinetwegen an der Longe traben und dann durchparieren zum Schritt. Hört aber nach 2 Befehlen immernoch nicht. Da kenne ich einige Leute die das Pferd dann zu sich mit Gewalt reinholen und dann erstmal kräftig rückwärts schicken.
Gewalt ist genau das Stichwort. So ist es Gewalt und nicht Strafe/Korrektur. Und was soll das bitte bringen? Ist doch völlig sinnbefreit, so wie du es da zitiert hast. Wer das so macht, also bitte, das kann man doch nicht ernstnehmen und es ist ja wohl klar, dass DAS hier niemand gemeint hat.

Pferd soll aus dem Traben unter dem Reiter halten. Pferd hat nach 2 Versuchen immernoch keinen Bock, also gehts erstmal rückwärts
Hier könnte das RR durchaus sinnvoll sein, weil es das Pferd dazu bringt mehr Last aufzunehmen und das ist auch das, was das Pferd beim Halten aus dem Trab tun muss. Allerdings: Wenn ein Pferd aus dem Trab noch nicht ordentlich anhalten kann, ist es in seiner Ausbildung (oder im Verlaufe der Reitstunde) noch gar nicht so weit, dass es das RR beherrschen können sollte. Das ist nämlich weitaus schwieriger, als ein einfaches Halten.
Und: Pferde haben nicht "keinen Bock". Pferde sind steif, tragen sich noch nicht genug, haben die Hilfen nicht verstanden oder akzeptieren ihren Reiter nicht!

Wenn mein Pferd mich zusammenrennen will weil es nach irgendetwas giert oder mich nicht wahrnehmen möchte ist es total logisch, dass ich es nach hinten schicke, da es ja an seine ursprüngliche Position zurück gehen soll :)
So mache ich das auch.
Es geht aber dabei nicht nur um das wieder auf den selben Fleck stellen, sondern auch um die Klärung der Rangordnung, die ja gerade nicht klar war, sonst wäre das nicht passiert. Um es auf seine Position zurück zu bringen, könntest du ja theoretisch auch wenden und zurück führen. Das hat aber nicht den Effekt des RR und deswegen wird es auch nicht so gemacht.

LG Lelie
 
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Bino

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Wenn mein Pferd mich nicht für voll nimmt, beispielsweise wenn ich ihr Futter in den Trog schütte und sie unbedingt ran will, schicke ich sie WEG. Das hat bei mir nicht unbedingt etwas mit rückwärts richten zu tun.

Da mein Pferd aber im Normalfall mit dem Kopf in meine Richtung steht, ist es schon ganz logisch, dass ich es RÜCKWÄRTS von mir WEG schicke ;)
Dabei habe ich aber nicht bewusst das strafende rückwärts gewählt!

Genauso wenn mein Pferd irgendwo stehen bleiben soll, es sich aber zwei Schritte irgendwo hin bewegt, dann schiebe ich sie auch entweder seit- oder rückwärts in ihre ursprüngliche Position zurück und lobe sie anschließend, wenn sie dort stehen bleibt. Somit ist die Rangordnung auch wieder schnell geklärt, OHNE mein Pferd mühsam rückwärts gerichtet zu haben und sie hat es tatsächlich verstanden!! ;)


Ich denke mein Pferd kann mir auch anderweitig ihren Respekt mir gegenüber ausdrücken, allein schon indem sie etwas unterlässt, was ich ihr mit einem kleinen "Na!" oder "Funny" verbiete. Oder hinter mir beim Führen statt vor mir läuft.

Da mein Pferd nicht auf Körpersprache reagieren kann, bleibt mir nichts anderes als die oben erwähnte Menschensprache, die ich übrigens auch als äußerst sinnvoll befinde! Oder Körperkontakt, zu dem aber sicherlich nicht das rückwärts richten zählt!!

Im Übrigen habe ich auch noch in keinem meiner Lehrbücher etwas darüber lesen dürfen, dass man ein Pferd zur Strafe oder Rangordnungsklärung rückwärts richten sollte!
 
Gisa

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Hallo,
das Rückwärtsrichten wirst du wohl auch nicht in Büchern finden, Bino, sondern nur , wenn du einer Herde zuschaust, die ihre Rangfolge schon geregelt hat. Da erlebt man dann, das der rangniedrigere rückwärts, mit tief gesenktem Kopf zum Höheren, geht. Auch bei der Bodenschulung wird es als Übung und als Rangfestlegung erklärt. Auch bei der Bodenarbeit fürs longieren kommt es vor, deswegen vermute ich jetzt mal, das deswegen das Rückwärtsrichten als Strafe von den Reitern übernommen wurde. Es stimmt als klare Strafmaßnahme wird man es in keinem Lehrbuch finden, auch finde ich das Übertriebene Rw auch nicht besonders gut, da die meisten Pferde dabei auch aus der Spur kommen, also das geraderichten dabei verloren geht. Ein alter Ausbilder sagte mir mal, das Pferde ungerne rückwärts gehen,da sie dabei den Rücken hochwölben müßten, deswegen wäre es eine gute strafe!?? das bezweifel ich aber. Vll kann man es als Aufmerksamkeitsritual verstehen, also, du gehst Rw, damit du wieder aufpasst, liebes Pferd!? Ich selber halte nichts vom langen RwRichten, drei,vier Tritte sind meiner Meinung nach genug.
 
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Da mein Pferd aber im Normalfall mit dem Kopf in meine Richtung steht, ist es schon ganz logisch, dass ich es RÜCKWÄRTS von mir WEG schicke ;)
Dabei habe ich aber nicht bewusst das strafende rückwärts gewählt!

Genauso wenn mein Pferd irgendwo stehen bleiben soll, es sich aber zwei Schritte irgendwo hin bewegt, dann schiebe ich sie auch entweder seit- oder rückwärts in ihre ursprüngliche Position zurück und lobe sie anschließend, wenn sie dort stehen bleibt. Somit ist die Rangordnung auch wieder schnell geklärt, OHNE mein Pferd mühsam rückwärts gerichtet zu haben und sie hat es tatsächlich verstanden!!
Aber im Endefekt schickst du dein Pferd auch rückwärts. Ich lass Jule auch keine 5 Meter rückwärts gehen, sondern 2-3 Tritte. Das reicht völlig aus.
Und auch wenn du sie seitwärts schickst, machst du auch nichts anderes, als dein Pferd vor dir weichen zu lassen und klärst damit die Rangordnung. Und das rückwärts treten lassen ist das selbe nur in eine andere Richtung.

Wie gesagt, ich halte garnichts davon ein Pferd meterweit rückwärts gehen zu lassen. 2-3 Tritte und das reicht dann auch. Einfach um die Aufmerksamkeit wieder auf mich zu richten, oder zu sagen "hallo, ich sag was wir machen, nicht du".
Und wenn du Funny wieder auf ihren Platz zurück treten lässt, machts du auch nichts anderes als zu sagen "hey, ich bestimme wo du stehen bleibst". Auch wenn du das viell. nicht bewusst machst.

Meine Einstellung: zur Strafe ist Rückwärtsrichten nicht geeignet, aber um die Rangordnung zu klären oder die Aufmerksamkeit zu überprüfen ist es eine gute Sache.
 
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Zahra

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Ich halte überhaupt nichts vom Rückwärtsrichten zur Strafe oder um das Pferd aufmerksam zu machen.
Es ist für mich viel mehr eine Lektion um das Pferd auf die Hinterhand zu bringen. Deshalb wird in der klassischen Reiterei Rückwärts gerichtet und dann versammelt angaloppiert.

Und in der Herde schicken sich Pferde nicht rückwärt, sondern weg. Also nicht unbedingt zurück, sondern sie bewegen sich gegenseitig. Und so kann man es bei der Handarbeit, wenn das Pferd sich frei bewegen kann auch einbauen, wenn man die Rangordnung klären muss.

Aber standardmäßig eigebaut ist es nicht notwendig, denn die Herde klärt auch einmal die Rangordnung und dann reicht ein bisschen Ohrenlegen.

Es ist immer ein Zeichen von mangelnder Kreativität, wenn im Roundpen jedesmal Rückwärtsgerichtet wird oder jedesmal "joinup" gemacht wird. Mit Konsequenz einmal durchgeführt, reicht es für Monate, wenn nicht gar für immer!

Zahra
 
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nanja1

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Hmm also zurück in dm Sinne nutz ich auch nur situationsabhängig.
Klar wenn losgewuselt wird wo er hätte stehen bleiben sollen schieb ich ihn wieder an die alte Position.

Und unter dem Sattel auch nur wenn er zu doll wird.
Dann geht er rückwärts aber keine Kilometer sondern nur 3-5 Tritte..
die dann aber auch notfalls mehrfach. Also loswuseln ungewollt, Bremse Zurück, wieder antreten, wieder loswuseln, Bremse zurück, antreten.....
Das kapiert zumindest mein Pony sofort.
Kann aber nach hinten losgehen, der Alte weiß das er das nicht darf und geht dann bei energischem Anhalten selber rückwärts.
Da muss man denn schon drauf aufpassen.:p
 
Bino

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Wer redet denn hier von Quälerei? :confused:
 
Sugar

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Ich hab noch nichts von Quälerei gelesen, finde auch, dass das nicht unbedingt zutreffen würde.

Ich richte auch schonmal das Pferd rückwärts, wenn es meinen höheren Rang in Frage stellt. Und das tut es eigentlich immer dann, wenn es drängelt, mich ständig überholen will und mich dadurch quasi "mitzieht" usw.
Dann werde ich auch energisch dabei, denn das Pferd soll ja merken, dass das nicht ok war, was es getan hat und nicht denken, dass es sich um eine normale Rückwärts-Lektion handelt.
Das ganze sollte man auch nicht übertreiben. 3-4 Schritte reichen eigentlich. Man merkt ja auch an der Reaktion des Pferdes, ob die "Strafe" richtig angekommen ist, was natürlich eine prompte "Bestrafung" voraussetzt.

Wenn ich reite ist das genauso.

Das Pferd sollte aber immer zwischen "Straf-Rückwärtsrichten" (ich nenn es mal so) und normalem Rückwärtsrichten unterscheiden können. Das setzt meiner Meinung nach aber auch ein gewisses Können und Einfühlungsvermögen des Reiters voraus, sonst ist das ganze sinnlos.
 
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