Lippizaner

Diskutiere Lippizaner im Rassen I - L Forum im Bereich Pferderassen; Der ursprüngliche Lipizzaner stammt aus dem Gestüt Lipizza in Kroatien. Der harte Kalkstein, auf dem der Lipizzaner dort wuchs, prägte ganz...
Ladino

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Der ursprüngliche Lipizzaner stammt aus dem Gestüt Lipizza in Kroatien. Der harte Kalkstein, auf dem der Lipizzaner dort wuchs, prägte ganz entscheidend seine Knochenstärke und seine Hufe sowie die gesamte Gesundheit des Pferdes. Heute wird der Lipizzaner im gesamten ungarisch-österreichischen Gebiet gezüchtet.

Als das Gestüt Lipizza 1580 von Erzherzog Karl II. gegründet wurde, gehörte es noch zum österreichisch-ungarischem Königreich. Es wurde errichtet, um die Spanische Hofreitschule, den herzöglichen Stall und den Marstall mit Pferden zu versorgen. Die Spanische Hofreitschule war acht Jahre zuvor gegründet worden, sie stand neben dem Kaiserlichen Palast in Wien. Trotz des Konfliktes im ehemaligen Jugoslawien wurde der Lipizzaner immer in Lipizza gezüchtet.

Im 16. Jahrhundert wurden die ersten 24 Stuten und 9 Hengste aus Spanien importiert. Bis ins 18. Jahrhundert kamen immer wieder Pferde von der iberischen Halbinsel nach, bis die Handelsbeziehungen immer schwieriger wurden. Danach wurden die Pferde aus Deutschland und dem königlichen Gestüt Frederiksborg eingeführt. Bis im Jahre 1816 ein Araberhengst nach Lipizza kam, war die Rasse rein spanisch geblieben. Es gibt sechs Stammväter, deren Nachkommen noch heute in der Spanischen Hofreitschule gezüchtet werden: Pluto (1765), Conversano (1767), Favory (1779), Neapolitano (1790), Siglavy (1810) und Maestoso (1819). Mit diesen Hengsten wurden dem Lippizaner sowohl verschiedene Bluteinflüsse wie der des Arabers und des Neapolitaners zugefügt als auch verschiedene Farben. Conversano war zum Beispiel ein Rappe, Favory ein Falbe. Wie man sehen kann, führen die Lippizaner also nicht nur rein spanisches Blut und es wird nicht immer die Schimmelfarbe vererbt. Der weit verbreitete Glaube, Lipizzaner wären immer weiß, ist übrigens falsch. Es treten so viele Schimmel auf, weil die weiße Farbe dominant vererbt wird, aber das heißt nicht, dass keine dunkleren Pferde auftreten können.

Seit 1920 werden die Lipizzaner der Hofreitschule im Gestüt Piber bei Wien gezüchtet, dort sind auch heute noch 14 der ursprünglich 24 Stutenlinien vertreten. Die Pferde haben das Gestüt nur einmal verlassen, und zwar als sie während des zweiten Weltkrieges nach Hostau umziehen mussten. Die amerikanischen Truppen konnten die Spanische Hofreitschule und Piber gerade noch vor den heranrückenden Russen schützen.

Es gibt in Europa auch noch andere Gestüte, die den Lipizzaner züchten. Alle basieren auf den sechs Hengstlinien, allerdings kommt bei dem Gestüt Szilvavard in Ungarn noch eine eigene Linie dazu. Bei den einzelnen Gestüten gibt es Unterschiede im Typ, aber alle Lipizzaner werden geritten. Außer denen aus Piber können jedoch auch alle gefahren werden, manche werden sogar zur Arbeit in der Landwirtschaft genutzt. Der Lipizzaner aus Piber ist keineswegs vorherrschend.

Der Lipizzaner ist ein relativ kleines Arbeitspferd. Die ungarischen Pferde mit starkem Vollbluteinfluss sind etwas edler, größer und freier in der Bewegung. Der Lipizzaner und vor allem seine Hinterhand sind sehr kraftvoll, das prädestiniert ihn geradezu für die Spanische Hofreitschule. Er ist aber gleichzeitig sehr geschmeidig und athletisch, außerdem sehr ruhig und ausgeglichen.

Beim Kopf des Lipizzaners erkennt man eindeutig die Einflüsse der ursprünglichen Rassen: Während manche Pferde eine eindeutigen Arabereinschlag besitzen, kommt bei anderen die Ramsnase der spanischen (s. Andalusier) Urväter wieder hervor. In jedem Fall ist der Kopf gut angesetzt mit guter Ganaschenfreiheit. Der Hals ist kurz, der Widerrist meist flach, die Schulter kann man sowohl zum Reiten als auch zum Fahren gebrauchen. Der Rumpf des Lipizzaners ist kompakt und sehr muskulös mit viel Gurtentiefe. Die Hinterhand ist extrem kräftig, allerdings nicht für Schnelligkeit gebaut. Der Schweif ist hoch angesetzt. Die Gliedmaßen sind sehr kurz und kräftig mit flachen, aber großen Gelenken. Die Knochen sind von guter Substanz, die Röhrbeine haben einen guten Umfang. Die Fesselung des Lipizzaners ist sehr schräg. Die Hufe sind wohl geformt und klein. Sie sind sehr hart und gesund.

Die Fohlen kommen immer braun oder schwarz zur Welt, werden später allerdings zum größten Teil weiß. Es gibt aber auch braune Lipizzaner. Der Lipizzaner wird gewöhnlich nicht größer als 1,52m.
 
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