Lettisches Warmblut

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Ladino

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Lettland, ein grünes Land mit klarer, sauberer Luft und vielen unberührten Flüssen und Seen, wo noch viele bedrohte Tiere ein Zuhause finden. Hier war es in früheren Jahren wichtig, ein leistungs- und arbeitsbereites Zug- und Wagenpferd zu züchten, dass den Bewohnern bei der Landwirtschaft dienlich war. In der Wiegand-Chronik aus dem 13. Jhd. werden graue Wildpferde im Typ des polnischen Koniks erwähnt, die in den Wäldern Masurens, Litauens, Jurlands, Livlands, Estlands, Polens und Finnlands lebten. Der Pole Z. Sewaqnowski erwähnte in seiner Arbeit (Warschau 1891), dass die Stammesfürsten der litauischen und lettischen Völkerschaft schon vor der Kolonisierung durch den Deutschen Ritterorden vorzügliche Streitrosse besaßen, die bereits damals mit östlichen und friesischen Pferden gekreuzt waren. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die bodenständigen Pferde durch immer erneut stattfindenden Einkreuzungen von Fremdblut größer und starkknochiger.

In der Mitte des 14. Jhd. wurde in Lettland, in der Siedlung Alsunga, ein erstes Gestüt mit 40 Stuten gegründet.
In die Kleinpferde Lettlands kreuzte man ab dem 17. Jhd. sowohl Kalt- wie auch Warmblüter ein.

Zu Beginn des 18. Jhd., im Verlauf der Kolonialisierung durch deutsche und polnische Siedler, wird von einem zähen, kleinen, ungemein ausdauernden, anspruchslosen und zugleich leistungsfähigen Klepper (Klepper = Wagenpferd) berichtet. Geringe Reste dieses originalen Pferdetyps, der sich bis heute noch vereinzelt erhalten hat, findet man auch heute noch, ein kleines, primitives Pferd von etwa 135 bis 138 cm Stockmaß.

Im 19. Jhd. haben vor allem russische Pferde aus den angrenzenden Ländern die lettische Zucht stark beeinflußt. 1855 errichtete die livländische Ritterschaft auf dem Gut Torgel bei Pernau (Pärnu) den sog. "Torgelschen Zuchtstall", ein Gestüt mit Hengstdepot und ca. 100 Hengsten, später sogar 160.
1893 erfolgte die Gründung des "Zuchtstalls zu Riga" in Krustpils mit 70 - 80 Hengsten. Militärische, aber auch landwirtschaftliche Zwecke erforderten unterschiedliches Zuchtmaterial und unterschiedliche Hengste.

Während in Osteuropa im 19. Jhd. vor allem kräftige Pferde für harte Arbeit auf dem Land benötigt wurden, entstand später in der Zeit von 1920 bis 1939 aus den alten osteuropäischen Arbeitspferden das Lettische Warmblut. Durch das Einkreuzen von viel Oldenburger Blut entstand der schwere Wagenpferde-Typ, durch Einkreuzen von Hannoveraner Blut entstand der leichtere Reitpferdetyp.

Der erste Weltkrieg riß tiefe Lücken in den lettischen Pferdebestand, jedoch wurde die Zucht überwiegend aus Importen wieder aufgebaut. Das Gestüt Torgel fiel aus Gründen der Sprachgrenzen - die auch politische Grenzen wurden- an Estland. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden dann überwiegend Pferde aus Westeuropa importiert. Vollblüter, Traber, Oldenburger, Ostfriesen, Groninger, Trakehner, Ardenner und Belgier, sowie eine Anzahl estnischer Klepper, erst später erfolgte eine Registrierung und eine planmäßige Zuchterfassung. Im Jahr 1921 wurde das Gestüt Okte gegründet und dort die Hengste Siero Old, Germino Old, Ammash Old und Gotenfürst eingesetzt. In einem weiteren Staatsgestüt "Svetciems" deckten die Hengste Altmeister, Alwin (beide von AdeptusXX) und Bujar.

Erfolgreiche lettische Pferde waren danach auch international zu sehen. Seit 1950 wurden in Lettland Hengst- und Stutenleistungsprüfungen durchgeführt und Hengste aufgestellt, die in ihrem Pedigree auch Vollblut-, Trakehner- und veredelte Hannoverander und Holsteiner-Hengste aufweisen.
Als in Lettland die Äcker nicht mehr mit Pferden bearbeitet wurden, wurde die Nachfrage nach einem eleganten Sportpferd immer größer. So beschlossen die Gestüte Tervete und Burtnieki ab dem Jahr 1976 nur noch Sportpferde zu züchten, und so wurde zur Veredelung der Rasse nun auch das Englische Vollblut mit eingebracht. Die Pferde, die nun auf den Leistungsprüfungen nicht erfolgreich waren, wurden von der Zucht ausgeschlossen. Somit gelang die Umstellung vom Arbeitspferd zum Sportpferd.

Das Lettische Warmblut hat ein Stockmaß von ca. 1,60 bis 1,68 m. Wir finden hier alle Grundfarben, vorwiegend Braune, Füchse und Falben.
Sein Exterieur: mittelschwerer Warmblüter im Reitpferdetyp, sein Kopf ist ansprechend mit geradem Provil, sein Hals ist ausreichend lang und kräftig mit einem markanten Widerrist. Die Schulter ist schräg und lang, der Rumpf ist kräftig mit breiter Brust. Der Lette hat einen langen Rücken mit einer kräftigen, leicht abfallenden Kruppe. Seine Gliedmaßen sind trocken mit markanten Gelenken und harten, kräftigen Hufen. Er hat einen ausgeglichenen Charakter, ist ehrlich, umgänglich, gutmütig und arbeitswillig, oft verfügt er über ein beachtliches Springvermögen. Seine Bewegungen sind raumgreifend. Er ist ein vielseitig verwendbares Sport- oder Freizeitpferd. Wir unterscheiden hier 3 unterschiedliche Typen, wobei der schwerere Typ nach dem schweren Wagenpferdschlag kommt und der leichtere Typ dem Sportpferd sehr nahe kommt.
 
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