Haltungsbericht - Chamaeleo calyptratus

Diskutiere Haltungsbericht - Chamaeleo calyptratus im Weitere Nagetiere und Exoten Forum im Bereich Kleintiere und Nager; Das Jemenchamäleon - Chamaeleo calyptratus Kurzbeschreibung Heimat - Jemen Größe - bis 65 cm Futter - Futterinsekten und kleine Mäuse...
S

schnorchy1984

Beiträge
2
Reaktionen
0
Das Jemenchamäleon - Chamaeleo calyptratus

Kurzbeschreibung

Heimat - Jemen

Größe - bis 65 cm

Futter - Futterinsekten und kleine Mäuse

Temperaturen - tagsüber: 30 – 35 °C ; nachts 24 – 28 °C

Luftfeuchtigkeit - 70 – 100 %




Haltungsbericht

Das wohl faszinierendste an allen Chamäleonarten ist neben den Augen vor allem die Zunge!
Sie ist in etwa so lang wie der Körper, bei einigen Arten noch länger.

Chamaeleo calyptratus ist beheimatet im Jemen. Dort leben sie in den unterschiedlichsten Biotopen, meist jedoch in Büschen und Bäumen in den feuchteren Hochebenen des Landes, aber auch in Trockengebieten und Halbwüsten.
Durch diese enorme Anpassungsfähigkeit ist die Art recht gut in Terrarien zu halten.

Das Jemenchamäleon gehört mit zu den größten Chamäleonarten, die Männchen erreichen eine Größe bis zu 65 cm, die Weibchen bleiben mit bis zu 45 cm wesentlich kleiner.
Die deutlichste Kennzeichnung ist sicherlich der bis zu 8 cm hohe Helm der männlichen Tiere. Auch die Weibchen haben diesen Helm, allerdings bleibt er ebenfalls wesentlich kleiner.
Die Grundfärbung ist bei beiden Geschlechtern ein helles grün, die Weibchen zeigen kleine weiße Streifen und kleine braune Flecken, die Männchen viel kräftigere gelbe Querbinden und braune Flecken.
Die weit verbreitete Annahme, Chamäleons würden ihre Färbung ändern, um sich an ihre Umgebung anzupassen, ist schlichtweg falsch! Richtig ist, dass die Färbung von ihrer „Laune“ abhängt, sie drücken dadurch vor allem gegenüber Artgenossen ihre Stimmung aus. Wenn man so will ist die Färbung ihre Art zu kommunizieren.
Die imposantesten Färbungen zeigen die Männchen während der Paarung und die Weibchen während der Trächtigkeit, insbesondere wenn sie dann ein Männchen zu sehen bekommen.
Traurig, aber wahr: die allerschönste Färbung zeigen beide Geschlechter zum Zeitpunkt ihres Todes…
Die Geschlechterunterscheidung ist bei den Jemenchamäleons denkbar einfach. Die männlichen Tiere besitzen einen Fersensporn. Diese verdickte Schuppe an beiden Hinterfüssen ist schon direkt nach dem Schlupf zu erkennen.
Das Lebensalter wird in der Literatur mit durchschnittlich 3,5 Jahren angegeben, wobei die Weibchen meist nicht so alt und die Männchen durchaus noch älter werden können.

Jemenchamäleons zählen zu den recht aggressiven Chamäleonarten, wobei die innerartliche Aggressivität nicht sehr stark ausgeprägt ist, lediglich Männchen untereinander sind immer absolut unverträglich!
Dadurch ist eine paarweise Haltung im Terrarium möglich – ich persönlich tendiere aber immer noch zu einer Einzelhaltung. Gerade trächtigen Weibchen sollte man diese Ruhe gönnen!
In der Literatur findet man absolut unterschiedliche und gegensätzliche Angaben über ihr Verhalten gegenüber Menschen. In einigen Berichten wird von absolut aggressiven älteren männlichen Tieren berichtet, die schon beim Betreten des Raumes dem „Eindringling“ drohen und mit dem Helm gegen die Terrarienscheiben stoßen.
Andere Berichte erzählen von Tieren, die absolut scheu und unzugänglich bleiben und die oftmals nur dann fressen, wenn sie sich absolut unbeobachtet und ungestört fühlen.
Ob dieses Verhalten nun abhängig vom „Charakter“ des jeweiligen Tieres ist oder nur eine Reaktion auf die Erfahrungen des Tieres mit dem Menschen bleibt dabei jedoch völlig unklar.
Unsere Tiere sind recht zutraulich, wobei der Bock wesentlich neugieriger, aber absolut nicht aggressiv ist.

Die Terrariengröße sollte für eine paarweise Haltung (die ich aber nicht empfehle!) mindestens L 120 x T 90 x H 100 cm betragen.
Für besser halte ich eine Einzelhaltung in Becken mit den Mindestgrößen für Männchen
L 75 x T 50 x H 80 cm und für Weibchen L 50 x T 50 x H 80 cm.
Wichtig ist, bei den Terrarien auf eine ausreichende Belüftung zu achten. Bei unseren Terrarien ist fast der komplette Deckel ausgeschnitten und mit Drahtgaze beklebt, zusätzlich gibt es Lüftungen an der Front (natürlich sind die auch an den Seiten möglich).

Die Seiten- und Rückwände der Terrarien sollten undurchsichtig sein, wenn man mehrere Tiere in einem Raum hält - deswegen bauen wir unsere aus Holz.
Bei der Gestaltung von Rück- und Seitenwänden kann man seiner Phantasie freien Lauf lassen, da Jemenchamäleons recht anpassungsfähig sind.
Die Einrichtung besteht vor allem aus Kletterästen in unterschiedlichen Stärken, Pflanzen (Ficus Benjamini, Ficus pumila etc.), einigen kleineren Ablagen und Sand als Bodengrund.

Die Temperaturen im Terrarium sollten tagsüber zwischen 30°C und 35°C und in der Nacht zwischen 24° C und 28°C liegen. Meistens erreicht man diese Temperaturen allein durch die Beleuchtung, wenn das nicht ausreicht, kann man zusätzlich Heizkabel oder Heizmatten verlegen.

Für alle Chamäleonarten gilt meiner Meinung nach: je mehr Licht, umso besser! Zu viel Licht gibt es nicht! (Höchstens dann, wenn die Lichtquellen zu viel Wärme erzeugen)
Wir beleuchten unsere Terrarien mit einer 75 W HQL – Birne und einem 60 W Spotstrahler.
Die Beleuchtungsdauer beträgt zwischen 12 und 14 Stunden täglich, je nach Jahreszeit.
Das reicht für Licht und auch für Wärme, so dass wir nicht noch zusätzlich eine Heizung eingebaut haben. Das sollte man aber auf jeden Fall vorher genau überprüfen, gerade im Winter! Da unsere Terrarien aber in einem eigenen Terrarienraum stehen, ist dort die Grundtemperatur schon sehr hoch.
Um eine ausreichende Versorgung mit UV-Licht zu gewährleisten, bestrahlen wir unsere Chamäleons zusätzlich täglich etwa 15 Minuten mit einer Ultravitalux.

Am schönsten ist es natürlich, wenn man die Möglichkeit hat, die Chamäleons in einem Wintergarten oder Gewächshaus zu halten. Eine freie Haltung im Zimmer ist ebenfalls möglich, erfordert aber etliche Vorsichtsmassnahmen und Überlegungen.

Im Sommer sollte man, sofern man eben eine Möglichkeit dazu hat und die Temperaturen dauerhaft über 16 °C liegen, den Chamäleons eine Haltung im Freien ermöglichen. Es gibt wunderbare Möglichkeiten für Freilandgehege, die aber meist sehr kostspielig sind.
Unsere Tiere sitzen schon den ganzen Sommer über in großen Vogelkäfigen im Garten. Das ist kostengünstig und praktisch. In die Käfige haben wir je einen Benjamini in passender Größe gestellt und jede Menge Kletteräste eingebaut. In die Futterschalen des Vogelkäfigs legen wir regelmäßig toten Fisch (gefrorene Stinte) und schon nach kürzester Zeit tummeln sich Horden von Fliegen dort, die die Chamäleons mit Vorliebe vertilgen.

Im Terrarium fressen unsere Chamäleons fast alle handelsüblichen Insekten, also Heimchen, Grillen, Fliegen, Schwarzkäferlarven und gelegentlich auch Babymäuse.
Alle Futtertiere werden bei uns mit Korvimin ZVT ( Kalk-Vitamin-Gemisch / nur beim Tierarzt erhältlich) eingestäubt.
Um eine zusätzliche Kalkaufnahme zu fördern, haben wir eine Schale mit zerriebener Sepiaschale in den Terrarien stehen, an denen sich die Chamäleons von Zeit zu Zeit bedienen.
Zusätzlich bekommen die Tiere einmal wöchentlich 1 – 5 Tropfen (je nach Größe und Alter) Multimusin ins Maul getropft.
Auch habe ich schon des Öfteren beobachtet, dass sie sich Stücke von Ficus pumila abreißen und diese fressen.
Einige Halter berichten auch davon, dass ihre Chamäleons kleine Obststücke fressen, unsere Tiere haben das angebotene Obst bislang allerdings immer verschmäht.
Da die meisten Chamäleons kein stehendes Wasser trinken, halte ich persönlich das Einstellen einer Wasserschale für überflüssig.
Für die ausreichende Versorgung mit Trinkwasser wird das Terrarium täglich ein- bis zweimal mit lauwarmem Wasser übersprüht, dadurch erreichen wir auch die nötige Luftfeuchtigkeit von 70 – 100 %.
Zusätzlich werden die Tiere bei uns täglich mit einer Pipette getränkt. Wenn sie sich erst daran gewöhnt haben, aus der Pipette zu trinken, klappt das wunderbar! Auch dem Trinkwasser fügen wir Korvimin ZVT bei.
Im Zoofachhandel gibt es auch Tropftränken zu kaufen (die haben wir z.B. in den Käfigen draußen hängen), die das tägliche Tränken überflüssig machen.
Und auch einen kleinen Zimmerbrunnen kann man in das Terrarium stellen – dabei ist aber darauf zu achten, dass das Wasser wegen der Keimbildung regelmäßig ausgetauscht werden muss und viele Brunnen verkalken sehr schnell. Abhilfe würde da destilliertes Wasser schaffen, was aber gerade wegen der dann fehlenden Inhaltsstoffe nicht zu empfehlen ist.

Mit etwa 6 Monaten sind Jemenchamäleons geschlechtsreif. Zur Paarung sollte man das Weibchen in das Terrarium des Männchens setzten. Das Männchen beginnt daraufhin mit der Balz – er zeigt sich in den schönsten Farben, baut sich regelrecht vor dem Weibchen auf und führt nickende und schaukelnde Bewegungen aus, während er sich dem Weibchen langsam nähert. Zeigt dieses keine Abwehrreaktionen und färbt sich nicht um, wird der Bock sich zügig nähern und das Weibchen einige Male mit dem Helm in die Seiten stoßen. Danach versucht er, das Weibchen zu besteigen, was meistens recht brutal aussieht und ab und zu mit einem Absturz beider Tiere endet. Die Paarung an sich dauert zwischen 5 und 20 Minuten.
Nach einiger Zeit (die kürzeste Zeitspanne zwischen Zusammensetzten und Umfärbung, die wir beobachten konnten, waren 2 Stunden) wird das Weibchen den Bock aber durch schaukelnde Bewegungen abwehren und eine Trächtigkeitsfärbung zeigen.
Spätestens jetzt sollte das Weibchen wieder in sein eigenes Terrarium gesetzt und ausreichend gefüttert werden, weil es in der Trächtigkeit einen enormen Nahrungsbedarf hat.
In der Literatur finden sich Angaben über die Tragzeit von 30 – 45 Tagen oder von 6 Wochen. Unsere Weibchen haben aber von der Trächtigkeitsfärbung bis zur Eiablage nur durchschnittlich 25 Tage gebraucht.
Bereits ein paar Tage vor der Eiablage stellen unsere Weibchen das Fressen ein und laufen unruhig durch das Terrarium. Immer öfter kann man sie unten auf dem Boden sehen und nach einiger Zeit beginnen sie mit Probebohrungen auf der Suche nach dem geeignetsten Eiablageplatz.
Die Sandschicht im Terrarium sollte jetzt mindestens 30 cm hoch und feucht sein.
Das Weibchen buddelt sich dann einen Gang, etwa so lang, dass es selber gut hineinpasst und legt dann dort die Eier ab.
Sollten unsere Weibchen nicht spätestens 5 Tage nach den ersten Anzeichen ihre Eier legen, sperren wir sie in eine kleinere Plastikbox mit Deckel, die bis knapp unter den Rand mit feuchtem Sand gefüllt ist, so dass das Weibchen nur noch gerade eben so auf dem Sand herum laufen kann. Bislang hat das immer gut geklappt – spätestens ein paar Stunden nach dem Einsperren begann die Eiablage.
Man muss aufpassen, dass man die Eiablage im Terrarium mitbekommt, denn die Chamäleons sind wahre Künstler beim Vergraben ihrer Eier. Nach der Ablage wird die Legehöhle wieder mit Sand zugeschüttet und dermaßen platt getreten, dass man absolut keinen Unterschied mehr sehen kann. Und wer einmal sein Terrarium auf der Suche nach Eiern komplett mit einem Löffel vorsichtig durchgraben durfte, dem wird so etwas nicht wieder passieren! Wink
Die Gelegegrößen schwanken zwischen 20 und 72 Eiern. Wir hatten im Durchschnitt immer 50 Eier pro Gelege. Die Eier haben eine Größe von etwa 11 x 17 mm.

Nach dem vorsichtigen Ausbuddeln der Eier aus dem Sand kommt das Gelege bei uns in kleine Plastikschalen (Heimchendosen), die mit feuchtem Vermiculit gefüllt sind. Einige Züchter verwenden auch Perlite, mir persönlich gefällt das aber nicht so gut.
Die Eier werden in den geschlossenen Dosen in einem Styropor-Inkubator bei konstanten 28,8 °C gezeitigt. In der Literatur werden 28 – 30 °C empfohlen, teilweise sogar mit einer Nachtabsenkung auf 24 °C. Das halte ich aber nicht für erforderlich.
Etwa alle 14 Tage überprüfen wir die Eier, die jedes Mal gewachsen sind. Beim Öffnen der Heimchendosen wird zum einen der Gasaustausch gewährleistet und zum anderen können wir den Feuchtigkeitsgehalt des Vermiculits überprüfen. Gelegentlich muss mit einer Spritze, so dass kein Wasser direkt an die Eier gelangt, etwas Wasser nachgefüllt werden.

Nach 150 – 200 Tagen sollten dann viele kleine Chamäleonbabys schlüpfen.
Die Jungtiere sind winzig klein und man kann sie schlecht anfassen. Das Überführen vom Brutbehälter in die Aufzuchtbecken erfolgt am einfachsten mit Hilfe eines kleinen Astes, auf den die Kleinen meist von allein klettern.
Die Aufzucht erfolgt am besten einzeln in kleinen Miniterrarien, aber in den ersten Wochen lassen sich auch mehrere Tiere problemlos zusammen halten.

Gefüttert werden die Kleinen am besten mit Drosophilas (Fruchtfliegen).
Ganz wichtig ist in dieser ersten Zeit eine Versorgung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen. Denn gerade wenn die Jungtiere schnell wachsen, besteht die Gefahr, dass es durch eine Unterversorgung zu Mangelerscheinungen (z.B. Rachitis) kommen kann. Korvimin- und Multimusin- Gaben sind hier unerlässlich.

Ich hoffe, ich konnte hier einen kleinen Einblick in die faszinierende Welt der Chamäleons geben! Bei weiteren Fragen stehe ich gerne zur Verfügung!
Und einen ganz dicken Kuss an meinen Männe (retic  Jörg) , ohne dessen langjährige Erfahrung ich wohl nicht in der Lage gewesen wäre, diesen und andere Artikel zu schreiben!


Abstract

Haltung:
Einzelhaltung in Terrarien mit den Mindestgrößen für Weibchen 50/50/80 und für Männchen 75/50/80 mit großen Lüftungen, viel Licht und UV-Bestrahlung, Kletterästen und Pflanzen und Sand als Bodengrund.
Futter:
Insekten aller Art, kleine Mäuse, evtl. Obst, immer eingestäubt mit Korvimin; zusätzliche Gaben von Multimusin und Sepiaschale; Trinkwasser aus Tropftränke oder Pipette.
Vermehrung:
Ganzjährig möglich, Tragzeit 21 – 45 Tage, Gelegegröße 20 – 70 Eier, Inkubation: 150 – 200 Tage bei 28 – 30 °C


Quelle:http://www.reptilientalk.eu
 
L

Linerie

Beiträge
2
Reaktionen
0
Wow was fürn langer tEXT! Und so ausführlich
 
Thema:

Haltungsbericht - Chamaeleo calyptratus