Augenentzündung / Bindehautentzündung (Konjunktivitis)

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Augenentzündung - Bindehautentzündung (Konjunktivitis)

Eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist eine Entzündung oder Irritation der Augenbindehaut (Konjunktiva). Die Bindehaut befindet sich auf der Innenseite der Augenlider und auf dem anliegenden Augapfel. Die Bindehautentzündung ist die häufigste Ursache für ein "rotes Auge".

Wichtig ist nicht nur die Behandlung, sondern auch die Ursache. Man unterteilt die Krankheit in zwei Gruppen:

Nicht-ansteckende Augenentzündungen:

* Allergische Augenentzündungen, die unter anderem durch Pollen und Hausstaub verursacht werden. Diese Form sieht man oft in Zusammenhang mit Heuschnupfen. Hierbei handelt es sich um eine Überempfindlichkeitsreaktion. Auch Chinchillas können durchaus auf Heu oder Streu allergisch reagieren, nicht nur Menschen!

* Irritationen des Auges, z.B. durch Zug, Staub, Fremdkörper wie zum Beispiel Sand, Streu oder Heu

Auch verengte Tränenkanäle können zu einer Bindehautentzündung führen. Denn bei einer Verengung ist das Auge zu feucht, was bakterielle Infektionen fördert. Verengte Tränenkanäle treten vor allem durch die Züchtung runder Köpfe auf. Es ist ähnlich wie bei der Perserkatze oder dem Pikinesen. Durch die gedrungene Schädelform sind auch die Kanäle zwischen Augen und Nase verengt. Dagegen kann man NICHTS tun außer diese Kanäle in bestimmten Zeitabständen zu spülen. Dies kann jedoch nur unter Narkose erfolgen und sollte auch nur bei ständiger Entzündung erfolgen. Sollten die Augen lediglich tränen (klar Tränenflüssigkeit, keine Rötung der Schleimhäute) so ist es nicht sinnvoll, da es gegen das Tränen nicht hilft.

Ansteckende Augenentzündungen:

* Virusinfektionen: Verschiedene Viren können Augenentzündungen verursachen.

* Bakterielle Infektionen

Mögliche Übertragungswege ansteckender Bindehautentzündungen sind der direkte oder indirekte Augenkontakt mit verunreinigten, infizierten Händen durch den Menschen oder auch das Kuscheln der Tiere untereinander.

Was sind die Symptome bei der Bindehautentzündung?

Das typische Zeichen einer Bindehautentzündung sind die stark geröteten Schleimhäute. Zusätzlich sondert das Auge Sekret ab, so dass die Augenlider am Morgen veklebt sind, und die Bindehaut anschwillt. Die allergische Bindehautentzündung geht mit einem starken Jucken und einer Bindehautschwellung als Hauptsymptome einher. Die Augenlider sehen rau aus. Bei Fremdkörpern und Staub im Auge kommt es zu Irritationen und Tränenfluss verbunden mit dem Gefühl, etwas im Auge zu haben. Bei einem Chin ist dies z.B. durch verstärktes Putzen des Auges zu sehen.

Die virusbedingte Bindehautentzündung kann sowohl ein einzelnes Auge als auch beide Augen betreffen. Das Auge (die Schleimhaut) rötet sich dabei besonders im unteren Teil und ist äußerst feucht. Der Tier leidet an Juckreiz und einem Fremdkörpergefühl (verstärktes Putzen). Vereinzelt entstehen Trübungen der Hornhaut.

Bei einer bakteriell bedingten Bindehautentzündung kann es zu einer eitrigen Absonderung in einem oder beiden Augen kommen. Die Krankheit beginnt in der Regel an einem Auge. Besonders die Bindehaut, die das Innere des Unterlides auskleidet rötet sich. Das Auge verklebt, nicht selten kommt es zur Schorfbildung. Manchmal kann es auch dazu kommen, dass das Tier ein Brennen spürt, was wir als Halter jedoch nicht feststellen können. Dies ist lediglich aus der Humanmedizin bekannt.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Der Arzt diagnostiziert die Augenentzündung durch die äußeren Krankheitszeichen. Eventuell entnimmt er eine Probe von der Augenabsonderung, einen sog. Abstrich und läßt eine Mikrobiologische Untersuchung machen. Diese findet in der Regel in einem Labor statt. Dort kann parallel auch ein Resistenzentest gemacht werden, damit das Tier dann optimal behandelt werden kann. Es fällt oft schwer, zwischen viruellen und bakteriellen Augenentzündungen zu unterscheiden.

Das Ergebnis kann beispielsweise wie folgt aussehen:

Mykologische Untersuchung (kulturell und mikroskopisch): negativ
Die Kultur wird weiter beobachtet. Sollten relevante Pilze nachgewiesen werden, so erfolgt eine erneute Benachrichtigung (max. Untersuchungsdauer 4. Wochen).

Bakteriologische Untersuchung (kulturell mit Anreicherung):
Geringer Gehalt Pseudomonas aeruginosa (1)

Antibiogramm (1)
Gentamicin S
Cephaclor R
Cephalexin R
Amoxic. + Clavulans. R
Tetrazyklin R
Chloramphenicol R
Sulfa. + Tremethopr. R
Enrofloxacin S
Neomycin / Framyce. S
Kanamycin S
Cephoperazon S
Amoxicillin R
Polymyxin B / Coli. S
Doxycyclin R
Nitrofurabtoin R
Penicillin R
Oxacillin R
Erythromycin R
Clindamycin R
Streptomycin S
Amikacin S
Fusidinsäure R
Imipenem S
Metronidazol R
Rifampicin R
Spiramycin R
Marbofloxacin S
Ibafloxacin R
Tobramycin S

Zeichenerklärung:
S = empfindlich; I = intermediär empfindlich; R = resistent
Florphenicol R

Daraufhin entscheidet der Tierarzt, welches Antibiotikum verwendet werden sollte. Das Tier, um welches es sich bei voran gegangenem Test handelt sah wie folgt aus:

Flip vor der Reinigung



Flip nach der Reinigung



Das Auge kann mit einer sterilen Kochsalzlösung gereinigt und die Kruste aufgeweicht werden. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass steril gearbeitet wird, da man sonst weitere Bakterien in das Augen einbringen kann oder durch Fremdkörper das Auge verletzen kann. Der Tierarzt sollte unbedingt einen Fluorescine-Test durchführen. Dies ist ein Test, der evtl. Verletzungen der Hornhaut gelb/grünlich einfärbt und für den TA sichtbar macht. Eine solche Verletzung kann a) durch einen Fremdkörper, b) durch einen Unfall, c) durch eine Rangelei / Beißerei oder d) durch Kratzen bei Juckreiz / Brennen passieren. Diese Verletzung muß dann unbedingt behandelt werden, damit schlimmstenfalls das Auslaufen des Glaskörpers verhindert wird. Je nach Art des Antibiotikums werden 3-5 x tgl. in regelmäßigen Abständen pro Auge je ein bis zwei Tropfen in das Auge eingetropft. Diese Therapie sollte mit ein und dem selben Antibiotikums mindestens 7 Tage maximal jedoch 14 Tage erfolgen. Bei unregelmäßiger oder zu kurzer Behandlung kann es zu einer sog. Resistenzenbildung kommen. Das bedeutet, dass die Bakterien durch das Antibiotikum nicht absterben und sich weiter gut vermehren.


Bei uns bereits angewandte Tropfen / Salben:

Gentamicin Tropfen / Salbe auch unter dem Namen Refobacin erhältlich: ein Antibiotikum aus der Gruppe der Aminoglykoside. Es hemmt die Eiweißproduktion der Bakterien. Sie können sich so nicht mehr vermehren und wichtige Stoffwechselvorgänge finden nicht statt. Die Bakterien werden damit am Wachstum gehindert. Gentamicin hat vor allem wegen seiner Wirkung gegen spezielle Problemkeime (gramnegative Keime) Bedeutung erlangt.

Floxal Tropfen: ein Antibiotikum aus der Gruppe der Fluorochinolone, auch Gyrase-Hemmer genannt. Diese Antibiotikagruppe tötet die Bakterien ab, indem sie die Gyrase blockiert, einen für die Vermehrung wichtigen Eiweißsstoff.

Polyspectran Tropfen: in diesen Tropfen sind zwei verschiedene Antibiotika enthalten: Polymyxin-B-Sulfat und Neomycinsulfat. Sie werden bei bakteriellen Infektionen des vorderen Augenabschnittes, der Bindehaut und des Tränenapparates, Hornhautentzündungen mit bakteriellen Mischinfektionen, Verletzungen, Verätzungen und Verbrennungen der Horn- und Bindehaut, Infektionsvorbeugung nach Fremdkörperentfernung und vor und nach Augenoperationen, Begleitinfektionen bei Herpes-VIrus-Erkrankungen der Hornhaut, Lidrandentzündungen, Gerstenkorn.
 
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