"Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Diskutiere "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin im Krankheiten und Kastration Forum im Bereich Meerschweinchen; Huhu Ihr Lieben, dieser Artikel ist wirklich absolut lesenswert. Bitte nehmt Euch die Zeit. Darauf aufmerksam wurde ich durch einen Post von Frau...
  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #1
B-Tina :-)

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  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #2
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Mr. Ed

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Mir fehlen familiär und gesundheitlich Ruhe und Motivation mich ausführlich damit zu beschäftigen, gerade zu dieser Uhrzeit, daher nur auf die Schnelle und hoffentlich nicht zu sehr aus dem Zusammenhang gerissen, ein paar wenige erste Anmerkungen:

"Die novellierte Gebührenordnung hat ganz im Gegenteil den Bereich der Kleinsäugermedizin massiv aufgewertet, so dass in Kombination mit dem weiter oben erläuterten Erkenntnisgewinn zur korrekten medizinischen Versorgung dieser Tiere im Erkrankungsfall sehr hohe finanzielle Belastungen entstehen können, die darüber hinaus - außer bei Kaninchen - bisher nicht durch den Abschluss einer Tierkrankenversicherung abgefedert werden können."

Ja, alles wird teurer, wie in anderen Threads im Vorfeld auch schon angemerkt. Nur weil bestimmte Tiere für wenige Euro zu erwerben waren und sind, ist doch aber die nun deutlich höhere Tierarztrechnung nicht gerechtfertigt. Gerade in Bezug auf die Tatsache, daß niedergelassene Tierärzte selbst (finanziellen) Aufwand betreiben müss(t)en... und nur weil alles laut GOT teurer wird, hat doch noch längst nicht jeder niedergelassene TA auch entsprechende Fortbildungen in Nullzeit absolviert und weiß nun Tiergruppen zu behandeln, die er bis vor kurzem noch gar nicht hätte behandeln dürfen. Oder wo genau ist die genannte massive Aufwertung zu suchen und zu finden?

Ja, Impulskäufe sind gewiss ein Thema. Aber muß direkt das Schlimmste unterstellt werden, bis hin zu Geiz? Sorry, geht mir zu weit und schießt meilenweit am Thema vorbei. Aber hey, immerhin ganz modern mit Gendersternen. :rolleyes:

Im Bereich Hund und Katze liegt ebensovieles im argen wie im Bereich dessen, was im Link genannt wird. Daran ändert eine mögliche Versicherung für Hund und Katze nichs, ebensowenig die Tatsache, daß Nager nicht zu versichern sind (und deren Halter trotzdem ein finanzielles Puffer für den Fall der Fälle haben).
 
  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #3
B-Tina :-)

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Dieser Beitrag ist nichts für "auf die Schnelle", deshalb bat ich eingangs darum, dass Ihr Euch Zeit nehmt, ihn zu lesen.

so dass in Kombination mit dem weiter oben erläuterten Erkenntnisgewinn zur korrekten medizinischen Versorgung dieser Tiere
Bitte nochmal im Artikel lesen und den Zusammenhang sehen ... als Meerschweinchen-Besitzerin und Unterstützerin im Tierschutz habe ich leider vieles erlebt und gelesen, was hätte vermieden werden können und müssen.
So hat ein Kleintierarzt eines meiner Schweinchen mit Penicillin (was bei Meerschweinchen kontraindiziert ist) beinahe totgespritzt. Damals als Neuling hatte ich ihm vertraut. Und die Aussage: "Frisst oder frisst nicht, hop oder top". -
Positives Beispiel hingegen eine TÄ, mit der ich mit einem plötzlich extrem aufgegasten Schweinchen am Wochenende im tierärztlichen Bereitschaftsdienst war - sie sagte, mit Meerschweinchen kenne ich mich nicht aus, rief den Notdienst einer nager-kompetenten Tierklinik an und meldete mich dort an, wo meinem Tier in der sehr kritischen Situation kompetent geholfen werden konnte.

hat doch noch längst nicht jeder niedergelassene TA auch entsprechende Fortbildungen in Nullzeit absolviert
Davon ist auch ausdrücklich nicht die Rede, im Gegenteil.

muß direkt das Schlimmste unterstellt werden, bis hin zu Geiz?
Das tut die TÄ definitiv nicht.

Im Bereich Hund und Katze liegt ebensovieles im argen
Im Artikel geht es nicht um Hunde und Katzen, sondern expliziert um HEIMtiere.

Ich möchte hier weder die Zitate aus dem Artikel zerpflücken noch die erhöhten TA-Kosten diskutieren, letzteres wurde an anderer Stelle bereits getan.

Wer den Artikel lesen mag, wird es tun. Er spricht mir als langjährige Notmeerschweinchen-Halterin aus der Seele; ich wiederhole mich.
 
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  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #4
Geisterreiter

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Meine Freundin betreibt selbst eine Tierarztpraxis. Sie hatte einen erhöhten Ausbildungskostenaufwand, weil sie allen Tieren helfen konnte. Sie bietet Teilzahlungsmodelle an.
 
  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #5
Helga

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Ein toller, informativer Bericht wieder mal von Herrn Dr. Rückert. Ich kann ihm, wie immer, nur zustimmen. Vielen Dank fürs Verlinken.
 
  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #6
Joe63

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Ich finde den Artikel gut.
In meiner Umgebung ist es mit der Versorgung auch eher mau .....👍
 
  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #7
ulrike

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Liebe @B-Tina :-) Ein toller Artikel.
Ich reflektiere mal ein wenig.

Die Einteilung in je 2 Gruppen bei Haltern und TÄ entspricht m.E. der Realität.

Die erste Frage ist, liest die uniformierte Haltergruppe diesen Artikel - vermutlich leider nein.
Selbst wenn in allgemeinen sozialen Netzwerken geteilt, wird diese Gruppe nicht diesen komplexen Sachverhalt lesen und verstehen wollen/können.
Die neue Sichtweise müsste überall, auch in Tageszeitungen und vor allem in Zoohandlungen und auf Anzeigenportalen publiziert werden, um vor Fehlanschaffungen zu bewahren. Sodass eben kein Uninformierter einfach mal so ein Tier kauft.

Ich gehe davon aus, dass wir hier schon seit längerer Zeit zu der anderen Haltergruppe gehören.
Auch in einer großen Meerschweingruppe bei fb werden Anfänger und Spontankäufer sofort über die dringenden Bedürfnisse aufgeklärt. Da tut sich also was.


Bei den Tierärzten müsste es eine Möglichkeit geben, sämtliche Praxen über die Notwendigkeit mindestens eines Basiswissens zu den kleinen Heimtieren zu informieren. Dann sollten sich die TÄ entscheiden, will ich Heimtiere behandeln, dann muss ich mich fortbilden oder ich lasse es ganz.

Aktuell schätze ich die Situation so ein, dass es dann erst einmal viel zu wenige Praxen gäbe.
Durch die neue GOT soll durch die höhere Vergütung nun der Anreiz gegeben werden, dass sich Fortbildung lohnt.
Es soll nun der Weg in eine neue Zeit eingeleitet werden.

Leider haben wir Halter aber in der Anfangszeit nur die höheren Kosten, aber noch keine bessere Behandlung.
Das ist für die Halter bitter.
 
  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #8
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Angelika

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Sehr guter Artikel. Ich fürchte allerdings, dass einige (egal welche Tierart) künftig den TA vermeiden werden, weil es schlicht finanziell nicht drin ist und man sich vorher keine Gedanken gemacht hat, dass ein Tier auch krank werden könnte.
Die Kosten für kleine Heimtiere (und Katzen) sind überproportional gestiegen, was natürlich vor allem diejenigen trifft, die im Bereich der Kleintiere artgerecht, d.h. mehrere Tiere in Gruppen - halten. Und natürlich die Züchter*innen. Verantwortungsbewusste Züchter geben ihre Böckchen in Liebhaberhaltung nur kastriert oder frühkastriert ab - dafür werden künftig deutlich höhere Preise fällig als ohnehin. Wer sich dann noch Kastratengruppen halten wird?
Die höhere Vergütung soll nicht nur Anreize bieten, sondern ist zwingend notwendig. Wenn die Praxis ein neues Sono-Gerät anschafft für 70.000 Euro, dann muss das auch finanziert werden. Und einige TÄ vergüten ihre Angestellten nach Mindestlohn (was für mich ein Unding ist!), der wurde im Oktober deutlich erhöht.
Die Gebührenordnung war seit 20 Jahren unverändert, die Anforderungen an die Praxen immer höher.
 
  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #9
Geisterreiter

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Tierärzte haben die Möglichkeit, teure Instrumente zu leasen, genau wie Humanmediziner.
 
  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #10
Wassn

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Meine Tierärztin findet die neue Gebührenverordnung von "Sesselpupsern" erarbeitet, die nicht an der Front tätig sind.
Sie meint z.B. dass es in keinem Verhältnis steht, dass sie für den Ultraschall eines Meerschweinchens den gleichen Betrag berechnen soll, die den für den Ultraschall eines Hundes, wo sie in der Regel einen Helfer mehr benötigt, um das Tier zu fixieren.
Das alles über einen "Kamm zu scheren" ist ihrer Meinung nach absolut nicht in Ordnung.
Und weil es Jahrzehnte versäumt worden ist, die Preise anzupassen, muss man doch jetzt nicht auf einen Schlag dies umsetzen und diese Vernachlässigung über Jahrzehnte mit einem Mal wieder "gut zu machen"?
Wie würden wir reagieren, wenn dies auch in anderen Bereichen so gemacht worden wäre?
z. B. bei der Umstellung von DM auf Euro? Was hätten wir gesagt, wenn das Brot gleich 5 € gekostet hätte, direkt nach der Währungsreform? Wer hätte da 10 DM für ein Brot bezahlt? Nein, man hat uns gemächlich daran gewöhnt. Jetzt schimpft kaum noch jemand......
Tierhalter, deren Tiere chronisch krank sind, dürfen eigentlich die Medikamente, die sie seit langer Zeit erhalten, so nicht mehr verkauft bekommen. Sondern der Tierarzt müsste sich jedes Mal das Tier ansehen und dies berechnen, wenn er die neue Verordnung richtig umsetzt.....
Da passt doch was vorne und hinten nicht!
Und dann heißt es, man muss ich doch im klaren sein, dass Tiere kosten....
Es ist tatsächlich ein Unterschied, ob ich 120 € im Monat als Fix-Tierarztkosten für ein Meerschweinchen habe, oder 240 €. Das kostet mich Sally jetzt monatlich fix. Hinzu kommen noch ungeplante Tierarztkosten. Und das fest bis an ihr Lebensende. Und nun? Lasse ich sie jetzt kastrieren oder "erlöse ich mich von diesen Kosten" und lasse sie nicht kastrieren? Gute Frage oder? Ich kann mir die Tiere leisten, ich kann auch die Stromrechnungen bezahlen und ich kann auch den Sprit für mein Auto bezahlen. Sally kostet mehr als mein Auto im Monat....Ja, ich kann sie mir leisten.
Ich habe keine Kinder.
Ich muss nur eine kleine "Miete" zahlen.

Dass sich jetzt manch einer sein Tier nicht mehr leisten kann, kann ich absolut nachvollziehen. Und ich werde daher niemanden sagen: Er hat doch gewusst, das Tiere etwas kosten, als er sich xy angeschafft hat......
 
  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #11
Mira

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Ein sehr guter Beitrag, danke @B-Tina :-)

Über die GOT kann ich nicht mitreden, da ich nicht in Deutschland wohne, deshalb gehe ich auch nicht darauf ein.

Dass zusätzliche Ausbildung honoriert werden muss, finde ich selbstverständlich, wenn dafür mehr Kompetenz zur Verfügung steht.

Ich beobachte hier gerade eine Art Generationenwechsel: Da sind noch die älteren TÄ, die Zähne abknipsen und z.B. keine Inhalationsnarkose anbieten. Denen stehen (meist) jüngere und oft weibliche TÄ gegenüber, die sich zumindest in Fortbildungen (wenn nicht die mehrjährige Zusatzausbildung aus diversen Gründen in Frage kommt) viel zusätzliches Wissen über kleine Heimtiere aneignen. Solche TÄ kenne ich mittlerweile einige, sie bilden sich nicht nur auf dem Gebiet der Heimtiere weiter, sie haben auch einen sehr sanften Umgang mit den Tieren. Eine von mir sehr geschätzte TÄ wird z.B. im Januar eine Weiterbildung im Bereich Kleinsäuger absolvieren, damit sie noch besser auf die kleinen Patienten eingehen kann. Zwei mir bekannte TÄ haben mittlerweile gelernt, den Schweinchen Blut abzunehmen, was ein "normaler" TA der alten Schule kaum hinbekommt - dies nur als Beispiel.

Wir wissen alle, dass auf der Seite der Halterinnen und Halter auch noch vieles im Argen liegt. Es ist, wie im Beitrag erwähnt, eben einfach immer noch so, dass z.B. Meerschweinchen viel zu billig in der Anschaffung sind - ganz im Gegensatz zu den oft zu erwartenden TA-Kosten.

Deshalb ist es unumgänglich, weiterhin im www auf diversen Kanälen hinzuweisen, wie wichtig eine seriöse Vorbereitung in Hinblick auf eine Anschaffung von Kleinsäugern ist und dass die kleinen Fellchen in der Haltung recht zeitaufwendig und auch nicht billig sind! Wenn sich ein potenzieller Neuhalter schon davon abschrecken lässt, umso besser, wenn nicht, werden die Kleinen es hoffentlich schön bei ihm haben.

Wir erleben ja immer wieder, wie uninformiert sich Leute Meerschweinchen anschaffen, in Zeiten des gut ausgebauten und den allerallermeisten auch gut zugänglichen www unverzeihlich!
Wer sich einen Sessel oder einen neuen Bildschirm anschaffen möchte, wird sich darüber auch vorab informieren, aber für die kleinen Heimtiere, die neuen Familienmitglieder (ja, das sind sie!), will man diesen "Aufwand" oft nicht betreiben. Für mich ist eine solche Haltung unverzeihlich - und für viele hier Lesende bestimmt auch.
 
  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #12
B-Tina :-)

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Bei den Tierärzten müsste es eine Möglichkeit geben, sämtliche Praxen über die Notwendigkeit mindestens eines Basiswissens zu den kleinen Heimtieren zu informieren. Dann sollten sich die TÄ entscheiden, will ich Heimtiere behandeln, dann muss ich mich fortbilden oder ich lasse es ganz.
👍👍👍
 
  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #13
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LaRamba

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Ein toller Artikel!
Ich habe ja das große Glück, eine junge Fachtierärztin für Heimtiere/Kleinsäuger, Mitglied der AG Kleinsäuger, in erreichbarer Nähe zu haben. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht zu anderen Tierärzten, auch zu solchen, die hier in der Umgebung (u.a. laut Notstationen) allgemein als "nagererfahren" gelten. Ich habe mich noch nie so gut betreut gefühlt bzw. meine Tiere in so guter tierärztlicher Betreuung empfunden.

Ich denke aber ein Hauptproblem an der Sache mit der mangelhaften tierärztlichen Kompetenz sind die genannten Tierhalter der zweiten Kategorie. Warum ist denn im Studium wenig bis gar nichts zu Kleinsäugern vorhanden, warum bilden sich so wenige Tierärzte in dem Bereich fort? Weil es ihnen nichts bringt, wenn die Patienten fehlen, die dieses Fachwissen dann auch richtig in Anspruch nehmen. Oder anders formuliert: Warum diese Fortbildungen machen, wenn es sich dann nicht (finanziell) lohnt? Ich denke, das kann man nicht zum Vorwurf machen.
Denn ich wage zu behaupten, dass es deutlich mehr Halter der zweiten Kategorie gibt. Wir hier im Forum, die sich täglich über ihre Lieblinge zu allem austauschen und richtig drum kümmern, sind meiner Meinung nach eine Minderheit der Halter von diesen kleinen Heimtieren. Meerschweinchen, Kaninchen, Hamster usw. werden doch von vielen als "minderwertig" angesehen. Es gibt sehr viele Menschen, die kein Verständnis dafür haben, warum man sich diese Tiere überhaupt hält und wenn man sie hat, wie man dafür dann Tierarztkosten ausgeben kann, wo man doch günstig und einfach wieder ein neues Tier bekommt. Vielleicht wäre da schon ein Ansatz, dass auch diese Kleintiere ihren Preis haben sollten, dann würde sich so manch einer wahrscheinlich mehr Gedanken machen. Tierschutz ausgenommen, aber wenn kommerziell Tiere verkauft werden.

Das Phänomen der zweiten Kategorie Tierhalter ist aber auch bei anderen Tierarten leider allgegenwärtig.
Tier ist krank? So lange es nicht ganz schlimm ist, spart sich so mancher auch gerne den Tierarztbesuch und wenn man einen wahrnimmt, dann möchte man bitte an Ort und Stelle die Lösung und geheilt die Tierarztpraxis verlassen, keine aufwändigen Therapien, die vielleicht Wochen oder Monate andauern und am besten noch für ganz wenig Geld. Das war schon vor der neuen GOT so und hat in nicht wenigen Fällen auch einfach mit "Lust" zutun, als mit den Finanzen. Es ist Aufwand ein Tier zu haben und es ist noch viel mehr Aufwand ein krankes Tier zu haben. Und je weniger ein krankes Tier den Alltag des Halters belastet, umso weniger "Lust" wird investiert. Sitzt ein Meerschweinchen nicht fressend in seinem Käfig, kann das besser ignoriert werden, wie der Hund, der die Bude vollkotzt.
 
  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #14
Pauli

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Ich habe hier leider lauter meerschweinchenunerfahrene Tierärzte und werde wohl in Zukunft das doppelte für die gleiche schlechte Leistung bezahlen... :nut:

Der nächste meerschweinchenerfahrene TA ist ne Autostunde entfernt, das ist im Alltag bei meiner Arbeit leider eher schlecht.
Für einen erfahrenen TA bezahle ich gerne mehr, ansonsten ist es sehr ärgerlich, mehr bezahlen zu müssen bei gleich schlechter Leistung.
 
  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #15
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Mr. Ed

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Dieser Beitrag ist nichts für "auf die Schnelle", deshalb bat ich eingangs darum, dass Ihr Euch Zeit nehmt, ihn zu lesen.
Das habe ich gleich heute früh beim ersten Kaffee getan, und beschränke mich nun auf das, was ich bereits in meinem ersten Eindruck schrieb, der immer noch unverändert ist. Ich gehe auf Deine Zitate der Reihe nach ein.

- Ich bin sicher, den Zusammenhang durchaus erkennen zu können, bin selbst im Bereich Veterinärmedizin halbwegs belesen und mir der Fortschritte dort sehr wohl bewußt. Den Erkenntnisgewinn, möchte ein TA sich diesen aneignen, sehe ich. Den Zusammenhang einer massiven Aufwertung mit der gerade erst in Kraft getretenen neuen GOT sehe ich unverändert nicht. Das Tierhaltung im Falle einer nötigen Behandlung immense Kosten nach sich ziehen kann, war auch zuvor bekannt, diese sind nun halt noch gestiegen, unabhängig davon wie gut oder schlecht der Tierhalter vorbereitet war, oder wie intensiv sich der behandelnde TA je fachlich mit Kleinsäugern beschäftigt hat.

- Streichen wir das "in Nullzeit" aus meinem Kommentar. Es hat nunmal nicht jeder TA irgendwelche Fortbildungen gemacht oder Zusatzbezeichnungen (kenne ich aus dem Bereich Reptilien nur zu gut) erworben. Das wird auch weiterhin nicht jeder TA tun, nur weil es jetzt eine neue GOT gibt, oder weil Frau Bernick das mit Blick auf die (Berufs)Ethik fordert.

- Doch, und zwar direkt am Ende des dritten Absatzes. Im letzten Absatz dann auch nochmal, nur ohne dort das Wort geizig erneut zu nutzen.

- Du hast vermutlich das "ebensovieles" in meinem Zitat übersehen, und den Satz danach nicht bis zum Ende gelesen. Vergleiche zu Hund und Katze gab es übrigens durchaus mehrfach im Artikel, warum sollte ich das nicht fortführen?

Abschließend: Als Appell an die tierärztliche Berufsethik finde ich den Artikel lobenswert. Ich finde es mutig, daß sich eine Kleintierpraxis so offen traut, Kollegen und Kolleginnen zu kritisieren. Es geht mir in keiner Form darum, etwas zu "zerpflücken". Schade, daß das so aufgefasst zu werden scheint, nur wenn jemand wie ich in Teilen einen anderen Standpunkt vertritt als die meisten hier im Thread.

Unter Tierhaltern, egal welcher Tiere, gab es schon immer schwarze Schafe, das wird sich weder durch den Artikel oder die neue GOT ändern. Gleiches gilt für Tierärzte. Es wäre zwar lobenswert, wenn sowohl Halter als auch Tierärzte nach dem lesen des Artikels denken "hey, DAS brauchte ich um wachgerüttelt zu werden, von nun an wird alles anders, besser als zuvor"... aber ist das realistisch?

Die Gebührenordnung war seit 20 Jahren unverändert
Es gab bereits 2020 eine neue GOT.
 
  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #16
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LaRamba

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

2020 wurden nur der Notdienst (verpflichtende Notdienstgebühr, Abrechnung im Notdienst mindestens zum 2-fachen Satz) und die Fahrtkosten neu geregelt.
 
  • "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin Beitrag #17
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Mr. Ed

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AW: "Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

Sodass eben kein Uninformierter einfach mal so ein Tier kauft.
Dazu brauchte es weder die GOT noch den verlinkten Artikel, das regelt das Tierschutzgesetz seit langem:
https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__2.html
Das Tierschutzgesetz wird halt mangels Kontrollmöglichkeit ebenso ignoriert, wie es der Artikel von den bisher ignoranten Haltern werden wird. An der GOT kommt insofern niemand vorbei, als daß ein aufgesuchter Tierarzt bezahlt werden will.
2020 wurden nur der Notdienst (verpflichtende Notdienstgebühr, Abrechnung im Notdienst mindestens zum 2-fachen Satz) und die Fahrtkosten neu geregelt.
Also nicht seit 20 Jahren unverändert.
 
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"Heimtiere - ganz oder gar nicht!" von Johanne Bernick, Tierärztin

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