Katzen und ihre Zähne - von FORL, Paradontitis und Co.

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Bernadette2

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Ich erstelle dieses Thema, weil mir immer und immer wieder auffällt, wie wenig die Leute sich oft Gedanken um die Zähne ihrer Katzen machen, wobei doch gerade das ein so wichtiger Punkt ist. (Zuletzt ist mir das gestern Abend beim Stammtisch wieder aufgestoßen, als der Mythos "Trockenfutter ist aber doch sooo gut für die Zähne" aufkam 8|.)

FORL, was ist das denn überhaupt? FORL steht für "Feline odontoklastische resorptive Läsionen" und ist eine schmerzhafte Zahnerkrankung, die wirklich JEDE Katze betreffen kann und gar nicht mal so selten ist, nur eben nicht so bekannt unter den "Otto-Normal-Katzenhaltern".
Eine Ursache steht wohl bis heute nicht fest, aber es wird vermutet, dass es sich um eine Art Autoimmunerkrankung handelt: Körpereigene Zellen, die sogenannten Odontoklasten, lösen die Zahnsubstanz auf - dieser Vorgang beginnt immer im Wurzelbereich und ist somit nicht mit dem bloßen Auge zu erkennen (also Augen und Ohren auf beim Tierarzt, der womöglich in die Schnute schaut und sagt "hm, etwas rot, aber nix entzündet, alles okay" - auch ein Tierarzt hat keinen Röntgenblick und KANN das schlicht gar nicht ohne entsprechende Aufnahmen beurteilen!).
Im Gespräch ist auch ein Calciummangel als Ursache oder zumindest Begünstigung, die Hormonumstellung durch die Kastration oder eine Osteoporose. Ganz egal woher es kommt: Man sollte seine Katzen grade im Zahnbereich gut beobachten, verdächtige Symptome wie z.B. Mungeruch, häufiges Kopfschütteln, Zähneknirschen oder ähnliches ernst nehmen und Zahnstein regelmäßig entfernen lassen.

Unsere älteste Katze ist Tequila mit 13 Jahren, sie kam letzten Sommer zu uns, nachdem unerwartet ihr Herrchen verstorben ist. Zunächst war sie an eine andere Familie vermittelt, die zwar bereits drei Katzen hatten, aber keinerlei Erfahrung mit Zusammenführungen und einfach total überfordert waren mit dieser knütternden alten Katzendame. So landete sie bei uns und eine knappe Woche später dann auf dem OP-Tisch. Der Mundgeruch war erschlagend und ich habe am zweiten Tag einen Blick in ihre Schnute geworfen und direkt einen Termin beim Tierarzt gemacht. Auf die Idee ist vorher wohl keiner gekommen und bei ihr war die Katstrophe schon mit bloßem Auge erkennbar. Im März diesen Jahres musste sie tatsächlich schon wieder unters Messer, weil durch die fortgeschrittene Erkrankung eine Wucherung im Kieferbereich entstanden ist. Tequila wurden bereits mit 2 Jahren 3 Zähne gezogen und trotzdem hat das keiner im Blick gehabt - heute hat sie noch den Reißzahn oben links und die Schneidezähne, der Rest ist weg. Ob die Zähne durch regelmäßige Kontrollen hätten erhalten werden können ist fraglich, aber der armen Maus wären viele Schmerzen erspart worden, wenn ein Bewusstsein für diese Problematik da wäre. Das soll kein Vorwurf an ihre verstorbenen Vorbesitzer sein, um Himmels Willen. Eher ein kleinen Wachrütteln für die Allgemeinheit. So viele Leute haben Katzen, aber ich möchte wetten, dass die wenigstens davon regelmäßig nach den Zähnen ihrer Lieblinge schauen.

Die Statistik ist übrigens erschreckend: Von FORL sind mittlerweile wohl knapp 50 % der Katzen über 5 Jahren betroffen :(.
 
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Angela

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Jepp - und es gibt sogar noch TÄ, die den Ausdruck FORL noch nie gehört haben! :(

Von unserer Gruppe sind 2 Kätzinnen stark betroffen, der Kater nur mäßig. Yoko war die erste, bei der mir dieser "faulige" Mäulchengeruch auffiel, außerdem hatte sie an einigen Stellen gerötetes Zahnfleisch. Also ab zum TA. Dieser gab erstmal nur AB fürs Zahnfleisch und wollte es bei der Kontrolle nach 10 Tagen "mal mit einem anderen AB versuchen" - es hatte sich nämlich nichts verbessert. Als ich dann darauf bestand, ihren Kiefer zu röntgen (hatte mich zwischenzeitlich ein wenig schlau gemacht), war er beleidigt... :huh:

Yoko wurde also narkotisiert und geröngt - und als ich sie wieder abholen konnte, lagen ihre Zähnchen mit auf dem Behandlungstisch. Er musste also einräumen, dass ich Recht gehabt habe. Die Hälfte ihrer Backenzähne wurden gezogen und angeblich sollte sie nun mindestens 2 Jahre Ruhe haben. Pustekuchen! Schon nach 6 Monaten war der bekannte Geruch wieder da und es folgte die Entfernung der restlichen Backenzähne. Man hat Yoko vorher NICHTS angesehen, sie hatte blitzweiße Zähne, hat keinerlei Schmerzverhalten beim Fressen gezeigt, ist nach der zweiten OP aber total aufgeblüht!

Einige Jahre später war es bei Kiwi auch soweit - DEN Geruch kannte ich ja nun! Bei ihr hab ich gleich darauf bestanden, wenn sich beim Röntgen FORL herausstellen sollte: ALLE Zähne raus. So wurde sie ihre Backenzähne in nur einer OP los. Beiden hab ich nach den OP's das Rohfleisch eine Zeitlang noch gewolft - danach konnten sie wieder mit den "Felgen" auch große Stücke knatschen. Reiß- und Schneidezähnchen gucke ich mir regelmäßig an und rieche in ihre Mäulchen, bisher ist da aber noch alles in Ordnung.

Tom hat es erst in höherem Alter (mit 9 Jahren - die Mädels waren jeweils erst 3 Jahre) erwischt und nicht gleich so schlimm. Bei ihm ist so alle 2 Jahre mal ein, höchstens 2 Zahn/Zähne befallen, der dann gezogen wird. Da er aber nun mit seinen 13 Jahren langsam in das höhere Alter kommt, jede Narkose ein Risiko darstellt, werde ich wohl beim nächsten Mal auch ihm alle restlichen Backenzähne entfernen lassen.

Unsere TÄ behandelt übrigens Zahnsachen (auch Zahnsteinentferung) nur per Inhala-Narkose... ;)

Ein sehr informativer Link zu FORL: http://www.vet-dent.com/pdfs/FORL.pdf
 
Marpelinchen

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Von Forl sind meine Katzen bisher verschont geblieben (Gott sei Dank!)
Doch ist der Zustand der Zähne total unterschiedlich. Was mir am meisten auffällt, ist dass meine Katzen mit einem hohen Weißanteil im Fell, anfälliger für entzündetes Zahnfleisch sind. Da bin ich immer regelmäßig am gucken, dass sich nichts einschleicht.
 
Miezizi

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Das war bei uns auch der Fall. Lizzy kam zu uns und kurz darauf waren wir mit ihr beim TA, weil sie aus dem Mund roch und alles ableckte. Sofort Not-OP.
 
mrsgreeny

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Ich hab es mal oben angepinnt, weil das wirklich ein sehr, sehr hilfreicher und nützlicher Beitrag geworden ist ;).
 
Jassira

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Da kann ich leider ein trauriges Lied von singen und es hat ebenso leider mehrere Strophen:

Mit 9 Jahren (also Gott sei Dank relativ spät; die meisten Katzen erkranken daran bereits mit 4-5 Jahren) bekam Tommy, mein inzwischen mit 16 Jahren verstorbenes Katerle, FORL.

Das Schlimme: Ich hätte ihm viel Schmerzen und Leid ersparen können, hätte ich überhaupt irgend etwas von dieser Krankheit gewusst!

Tom war nicht mein erster Kater/meine erste Katze - aber der/die erste, der/die diese Krankheit bekam, und so war komplett ahnungslos zu Lasten des armen Tieres....

Dabei - hätte ich eben diese Krankheit gekannt - hätten mir die Warnzeichen auffallen müssen: Er speichelte vermehrt bis extrem.
Im Grunde das erste und lange Zeit einzige Anzeichen für diese Krankheit, denn Katzen verbergen Schmerzen ebenso lange Zeit.

Doch da er normal fraß und sich ansonsten normal verhielt, dachte ich mir nichts weiter dabei - zumal ich ja erst ein halbes Jahr zuvor beim TA gewesen war zur Tollwutspritze und der TA den Kater gründlich durchgecheckt hatte.

Aber FORL ist tückisch und entwickelt sich manchmal rasend schnell....
Dann kam der Tag, an dem er nicht mehr fressen konnte. Er wollte, das merkte man, aber er konnte nicht mehr.

Ich nahm meinen Kater und ab gings zum TA - und da kam die bittere Diagnose FORL. Seine Zähne waren zT schon marode, das Zahnfleisch dick entzündet - es dauerte keine 2 Tage und er lag auf dem Tisch....

Das nächste halbe Jahr (! - wie sehr ich mich schäme; heute würde mir das nicht noch einmal passieren, aber damals, da wusste ich NICHTS von dieser Krankheit!) habe ich nur noch um das Leben meines Schatzes gebangt, denn er war gesundheitlich völlig am Ende.
Doch GOTT sei Dank hat er es geschafft .

Der TA gab mir dann noch mit, dass eine der Begleiterscheinungen CNI sein kann. Also jedes Jahr eine Blutuntersuchung - und mit knapp 15 dann tatsächlich die bittere Diagnose: Tommy hatte auch noch CNI bekommen....

Und trotz allen Leides auch hier ein Stück Dankbarkeit, denn viele Katzen erkranken sehr viel früher an dieser grausamen Krankheit.

Ich schließe hier, denn der Rest, er gehört nicht hierher.
Aber ich rate wirklich allen Katzenhaltern, ihre Tiere halbjährlich untersuchen zu lassen in Sachen Zahnstein/Zahnfleisch - und jährlich eine Blutuntersuchung vornehmen zu lassen!

Hätte ich nochmal eine Katze, ich würde es tun, denn man erspart der Fellnase unendlich viel Leid!

Und ich frage mich bis heute, warum mich KEIN TA bei meinen ersten Katzen über diese schweren Katzenkrankheiten, die - auch erschreckend! - 60% aller Katzen betreffen, aufgeklärt hat!!!
 
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