Neonikotinoide – Nervengift für Bienen - Warum ein Verbot von nur drei Stoffen nicht ausreicht

Diskutiere Neonikotinoide – Nervengift für Bienen - Warum ein Verbot von nur drei Stoffen nicht ausreicht im NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V. Forum im Bereich Tierschutzvereine und ihre Arbeit; Einige Neonikotinoide-Stoffe wurden von der EU nun endlich verboten. Allerdings bleiben diese Stoffe in Gewächshäusern erlaubt und es besteht...
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Einige Neonikotinoide-Stoffe wurden von der EU nun endlich verboten. Allerdings bleiben diese Stoffe in Gewächshäusern erlaubt und es besteht weiterhin die Gefahr, dass die Stoffe über Abwässer oder ähnliches ausgetragen werden.

Die EU-Staaten haben entschieden, dass die drei Neonikotinoide Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin ab sofort nicht mehr auf europäischen Äckern versprüht werden dürfen. Der Verbot ist ein entscheidender Schritt zur Rettung der Artenvielfalt. Doch er reicht längst nicht aus. Denn wenn die Bundesregierung es mit dem Schutz von Bienen und Insekten ernst meint, müssen alle Neonikotinoide und ähnlich wirkenden Insektizide komplett vom Markt verschwinden. Bei dem extremen Rückgang der Insekten können wir es uns es nicht mehr leisten, weiterhin derartig gefährliche Stoffe einzusetzen.

Als nächster Schritt muss EU-weit eine deutliche Reduzierung aller Pestizide folgen sowie weitere Verbote besonders gefährlicher Wirkstoffe. Der NABU begrüßt daher, dass sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze für einen grundsätzlich restriktiveren Einsatz bei allen Pflanzenschutzmitteln ausgesprochen hat. Um die Artenvielfalt zu retten, muss die EU ihre Agrarpolitik aber grundsätzlich naturverträglicher ausrichten und damit auch Anreize für einen nachhaltigeren Pestizideinsatz schaffen.

Neonikotinoide fasst verschiedene Insektizide zusammen, die alle enorm schädlich für Insekten sind. Alle verfügen über den gleichen Wirkmechanismus. Insekten nehmen die systemisch wirkenden Gifte meistens über austretende Pflanzensäfte als auch über den Pollen und den Nektar auf. Dies führt zu Problemen an den Nerven und der Reizweiterleitung und in Folge dessen zum Tod der Insekten. Diese Stoffe haben somit eine ähnliche Wirkung wie Nikotin, ein Stoff den die Tabakpflanze übrigens zur Verteidigung gegen Insekten im Laufe der Jahrtausende entwickelt hat. Es wundert also nicht, dass chemisch ähnliche Stoffe giftig auf Insekten wirken.

Neonikotinoide galten lange als ungefährlich für Bestäuber

In den neunziger Jahren wurden die ersten Neonikotinoide zugelassen und galten als Wundermittel gegen Insektenfraß. Sie sollten angeblich keinen Einfluss auf bestäubende Insekten wie Bienen haben und für Wirbeltiere ungiftig sein. Die Neonikotinoide wurden vor allem als Beizmittel eingesetzt. Dabei nimmt die Pflanze während des Wachstums den Stoff auf und verteilt ihn in allen Pflanzenteilen. Dies hat zur Folge, dass Insekten, die an der Pflanze fressen, vergiftet werden. Besonders gegen saugende Insekten wie Läuse schien ein Wundermittel gefunden.

Aber schnell wurden Zweifel an der Bienenungefährlichkeit der Stoffe laut. Als es 2008 zu einem massiven Bienensterben im Oberrheingraben kam, wurde die Beizung von blühenden Pflanzen 2013 verboten. Bei der Saat wurden Beizmittelstäube freigesetzt, die sich über blühende Rapsfelder in der Nähe der Flächen legten und die Tiere vergifteten. Trotzdem bestanden immer noch Zweifel, ob die geringe Menge, die die Bienen über den Nektar und den Pollen aufnahmen, gefährlich für die Tiere seien. Im Jahr 2013 verbot die EU, die Beizung von Saatgut blühender Pflanzen wie Raps und Sonnenblumen. Aus diesem Grund durften auch noch Zuckerrüben, mit Neonikotinoiden behandelt werden, da diese vor der Blüte geerntet werden. Allerdings nimmt die Pflanze höchsten 20 Prozent des Wirkstoffes aus der Beizung auf, die restlichen 80 oder mehr Prozent verbleiben im Boden und werden mit dem Wasser oder durch andere Effekte in die umliegenden Flächen transportiert....

© NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

Quelle und Fortsetzung hier
 
28.04.2018
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