Hammy und Gizmo

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JaysBlackAngel

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So, nachdem ich gerade Zeit habe, will ich mal gaaaanz von vorne anfangen. ;)

Als mein Freund und ich im Sommer 2007 zu meiner Mutter gezogen sind (sie hatte ein Zweifamilienhaus, wir sind in die obere Wohnung gezogen, in der meine Schwester und ich früher unsere Kinderzimmer hatten. War eine hübsche kleine 2,5-Zimmerwohnung, die Tür zum Treppenhaus und nach unten war aber immer offen) haben wir (bzw vor allem ich ;)) uns eine eigene Katze eingebildet.
Gegen den Willen meiner Mutter eigentlich, aber am Schluss hat sie auch nachgegeben.
Eigentlich hat Luna mehr uns adoptiert als wir sie, sie kommt vom Bauernhof einer Bekannten meiner Mutter und verfolgte uns, als wir da waren, auf Schritt und Tritt.
Aber da war es eigentlich schon um mich geschehen, es war Liebe auf den ersten Blick als ich sie da (es war schon spät abends) ganz in Weiß im hellen Vollmondlicht auf der Gartenmauer sitzen sah. :)
Als sie dann bei uns einzog, war es mit der ersten Euphorie aber schnell vorbei, Luna war sehr krank.
Sie hatte Durchfall und Katzenschnupfen, hatte bisher nur Milch und Hundefutter bekommen und ihr Immunsystem war völlig am Boden.
Also wurden wir Dauergast beim Tierarzt, haben sie gepäppelt und gepflegt. Kastration und Impfung waren in ihrem Zustand undenkbar. Wir passten also gut auf, dass uns die Süße (die bald darauf das erste Mal rollig wurde) nicht nach draußen entwischte. Bei ihrer dritten Rolligkeit (der Katzenschnupfen war noch nicht ganz weg, weil sie auf das erste Medikament nicht anschlug, und auch der Durchfall wurde nicht besser) war meine Schwester allerdings einen Moment unaufmerksam, als sie von der Schule nach Hause kam.
Es kam, wie es kommen musste - Luna war weg.
3 Tage später saß sie wieder vor der Terasse, und ihr zerrupftes Aussehen ließ uns schon ahnen wie (und mit wem ;)) sie die Tage verbracht hatte.

Die nächsten Wochen konnten wir ihren Bauch regelrecht beim Wachsen beobachten. :D
Wir richteten eine Wurfkiste her, ich informierte mich und meldete mich in meinem ersten Katzenforum an (das es inzwischen nicht mehr gibt, aber ich habe so tolle Erfahrungen gemacht, dass ich mich auf die Suche nach einem neuen gemacht habe. So bin ich hier gelandet und hier gefällts mir fast noch besser ;)).
Die Wurfkiste wurde komplett ignoriert, genauso wie mein Freund, der normalerweise ständig von Luna bekuschelt wurde.
Ab sofort wollte sie immer in meiner Nähe sein, dass ich in die Schule musste und mich aufs Abitur vorbereiten musste, wurde da schnell Nebensache.
So ging die Zeit dahin, bis zum Pfingstsonntag 2008. Wir lagen zu dritt (oder eigentlich zu acht, aber das wussten wir ja noch nicht ;)) im Bett, es war schon nach 22 Uhr, als ich plötzlich hochschreckte, weil meine Bettdecke plötzlich feucht war dort, wo Luna gelegen hatte.
Sie war plötzlich total aufgeregt, und ich wusste, jetzt geht es los. Ich hätte mir keinen ungünstigeren Zeitpunkt vorstellen können, denn mein Freund und ich waren über Pfingsten allein, meine Mutter (die sich mit Katzengeburten auskennt) und ihr neuer Freund (der sich ebenfalls damit auskennt) verbrachten die Pfingstfeiertage mit einem Kurzurlaub.
Die Wurfkiste wollte sie immer noch nicht haben, sondern kratzte aufgeregt an der Schranktür von unserem Einbauschrank.
Schließlich haben wir ihr die Tür aufgemacht und das untere, ebenerdige Fach, in das sie wollte, leergeräumt und mit den Unterlagen aus der Wurfkiste ausgestattet.

Sehr schnell und problemlos kam das erste Baby zur Welt, ich musste jedoch vor dem Schrank sitzen bleiben. Als ich aufstehen wollte, um kurz den Thread über Geburten im Forum rauszusuchen und die Nummer meines Tierarztes bereitzulegen, falls was passieren sollte, lief Luna sofort hinterher, obwohl sie ihr erstes Kitten noch nichtmal abgenabelt hatte.
Also ich wieder vor den Schrank, meinen Freund geweckt, der musste ins Forum gucken und die Nummer raussuchen.
Kaum saß ich wieder da, kümmerte sie sich vorbildlich um ihr Baby.
Es war ein kleines weißes Katerchen, unser Hammy. Hammy war auch das kräftigste Kitten und fing sofort an zu trinken.
Eine halbe Stunde später kam ähnlich problemlos Chester, unser rotes Katerchen zur Welt.
Inzwischen war es Mitternacht, mein Freund ging wieder ins Bett, ich blieb vorm Schrank sitzen.
Das nächste Kätzchen kam erst nach 1 Uhr zur Welt, ein weißes Kätzchen mit einem schwarzen Punkt auf der Stirn. Unsere Zera, wie wir sie nannten, war deutlich leichter als ihre beiden Brüder (kam aber immer noch auf 83g)
Dann passierte wieder eine gute Stunde lang nichts, während Luna sich rührend um ihre Babys kümmerte.
Fast halb drei war es, als Luna ein weiteres kräftiges weißes Katerchen zur Welt brachte, Yoda.
Danach war sie völlig erschöpft und ich hoffte, dass diese vier nun alle waren.
Das war natürlich nicht so, die Wehen wurden wieder stärker, und bereits 5 Minuten nach Yodas Geburt kam Gizmos Köpfchen zum Vorschein.
Doch dann setzten die Wehen aus. :eek:

Ich habe sofort den Tierarzt angerufen, der sich auch gleich auf den Weg machte (wir wohnten jedoch auf dem Dorf, mit einer halben Stunde war zu rechnen, bis er kommen würde), dann suchte ich in meinem Katzenforum nach Infos, was zu tun wäre.
Etwas wirklich nützliches stand dort allerdings nicht, und Luna wurde bereits wieder unruhig, weil ich solange weg war.
Also habe ich mich wieder vor den Schrank gesetzt, beruhigend auf sie eingeredet und gewartet. Zu diesem Zeitpunkt war ich mit den Nerven bereits völlig am Ende, denn auf die ganzen Komplikationen und wie damit umzugehen ist, wurde in meinem damaligen Forum nicht hingewiesen (es gab überhaupt keinen Forenbereich über Nachwuchs, mit der Begründung, man wolle Schwarzzüchtern nicht Tür und Tor öffnen :()
Gott sei Dank kam der Tierarzt schneller als erwartet und half dem fünften (und dann Gott sei Dank letzten) Kitten auf die Welt. Das kleine Sorgenkind war unsere Gizmo, mit einem Geburtsgewicht von nur 67g. Doch die Sorgen waren noch lange nicht vorbei, die Kleine atmete nicht, und Luna stieß sie sofort weg und kümmerte sich um die anderen Kitten.
Unter Anleitung des Tierarztes rubbelte ich sie sanft in einem Handtuch, und der Tierarzt gab ihr Tropfen aufs Maul.
Dann die große Freude: Sie begann nach Luft zu schnappen. :)
Als wir sie zu den anderen setzten, nahm Luna sie auch sofort an und leckte sie sauber.
Wir waren sooo erleichtert.
Nachdem wir noch eine Weile gewartet hatten, um sicherzugehen, dass auch alles in Ordnung war, fuhr der Tierarzt wieder, und ich legte mich (es war 6 Uhr morgens) ins Bett, um noch einige Stunden Schlaf zu bekommen.
Dass das Bangen noch nicht vorbei war, stellte ich am nächsten Tag fest.
Alle Kitten nahmen über Nacht fleißig zu - alle bis auf Gizmo.
Auch im Laufe des Tages kam kein Gramm mehr auf ihre kleinen Rippen.
Wieder rief ich beim Tierarzt an, der allerdings meinte, sie hätte keine große Überlebenschance.
Doch so leicht wollte ich nicht aufgeben, darum fuhr ich mit dem Fahrrad zu ihm und besorgte Kittenaufzuchtmilch.
Damit fütterte ich Gizmo dann regelmäßig alle 2 Stunden zu.
Und endlich fing auch sie an, zuzunehmen. :juchu:

Zufüttern musste ich sie dann allerdings sehr lange, die Pfingstferien waren vorbei, aber weiterhin hieß es alle paar Stunden aufstehen und Gizmo füttern.
Vormittags, wenn ich in der Schule war, machte das Gott sei Dank mein Freund, der einen Halbtagsjob hatte und erst am frühen Mittag aus dem Haus musste.

Nach 3 Wochen hatte Gizmo endlich vom Gewicht her ihre Geschwister fast eingeholt (die sich durchgehend super entwickelten).
Da kam auch schon der nächste Schock:
Die Kleinen bekamen Katzenschnupfen. :eek:
Woher sie den hatten, wissen wir nicht, Luna verließ das Wurfnest nur, um ins Nebenzimmer zu Futter- und Wassernapf und Katzenklo zu gehen, und wir zogen uns immer um bevor wir zu den Kleinen gingen und waren sehr vorsichtig.
Lunas Katzenschnupfen war genauso wie ihr Durchfall Gott sei Dank während der Trächtigkeit noch abgeheilt.

Also ging es mit den Kleinen zum Tierarzt, wo sie dann eine Paste bekamen, die wir ihnen 2 Mal täglich ins Mäulchen spritzten. Luna bekam vorsichtshalber ebenfalls Tabletten, zeigte aber keine Anzeichen einer Erkrankung.

Um das Leben der Kleinen mussten wir allerdings wieder tagelang bangen, und am schlimmsten erwischte es wieder unser kleines Sorgenkind Gizmo. Diesmal erwischte es aber auch Hammy sehr schlimm, der der größte und kräftigste war.

Doch auch das haben sie alle überlebt. :)
Als wir eine Woche später nochmal mit ihnen und Luna (die wurde da kastriert) beim Tierarzt waren, trafen wir eine Freundin mit ihrer Mutter.
Sie hatten gerade ihren Kater über die Regenbogenbrücke gehen lassen müssen.
Natürlich blieb ein Blick in unsere Transportbox während des Gesprächs nicht aus, und es war Liebe auf den ersten Blick.
Sofort war klar: Zwei der drei Weißen hatten bereits ein neues Zuhause.

Zur selben Zeit erfuhren wir, dass meine Mutter und ihr neuer Freund sich ein neues Haus kaufen und das alte verkaufen wollten.
Mit ihnen umziehen konnte ich nicht, da ich ein Jahr vor meinem Abitur stand und bereits zwei Mal die Schule gewechselt hatte, Das war jedes Mal mit deutlich schlechteren Noten verbunden, das wollte ich kurz vor dem Abitur nicht.

Also machten wir uns auf die Suche nach einer neuen Wohnung.
Für 2 Menschen (mich und meinen Freund) und 2 Katzen (Luna und eine der Kleinen) sollte es sein.
Luna war jedoch Freigängerin, und es dauerte eine ganze Weile, bis wir eine Wohnung fanden, in der Katzenhaltung erlaubt war.
Die Sache hatte nur einen Haken: Erlaubt waren nur Wohnungskatzen, da der Vermieter direkt angrenzend einen Bauhof hatte und das für Freigänger zu gefährlich gewesen wäre.

Meine Mutter allerdings war Lunas Charme schon längst erlegen, und so war schnell klar, dass Luna mit einem Baby (und dem alten Strolchi natürlich, aber der ließ keine Katze nahe an sich ran) zu meiner Mutter ziehen würde.
Wir würden also zwei Kleine nehmen, und damit war für alle ein Plätzchen gefunden.

Die Aufteilung der Kitten gestaltete sich allerdings weniger einfach. ;)
Meine Schwester wollte unbedingt Gizmo mit ihrer wunderschönen Zeichnung.
Für mich war aber sofort klar: Gizmo geb ich nicht her. Ich hatte so viel mit ihr durchgemacht und sie so sehr ins Herz geschlossen, und sie lag auf meiner Schulter, wenn ich Hausarbeiten machte oder für die Schule lernte, und nuckelte an meinem Pulli. :herzgirl:
Hammy hatten wir auch schnell ins Herz geschlossen. Falls das jemandem was sagt, er ist benannt nach dem Eichhörnchen aus dem Film "Ab durch die Hecke", und so benimmt er sich auch ;)
Für alle, die den Film nicht kennen, Hammy ist ein total hyperaktives Eichhörnchen, das für alles leicht zu begeistern ist und ständig hibbelig rumhüpft.
Und so etwas in Form eines kleinen weißen Pelzknäuels muss man doch einfach lieben ;)
Mein Freund allerdings hatte ein anderes Kätzchen noch sehr ins Herz geschlossen:
die kleine Zera, das zweite Mädchen, eine Dame in weiß (der schwarze Punkt auf der Stirn verschwand im Laufe des Erwachsenwerdens).
Und dass unsere Freundin zwei Weiße haben wollte, war klar.

Zu Hilfe kam uns dann der Zufall mit einer weiteren tragischen Entdeckung:
Yoda und Zera waren taub. :eek:
Als wir dies unserer Freundin erzählten, winkte sie ab. Das sei doch kein Problem, ihr vorheriger Kater war auch taub, sie hatte Erfahrung mit tauben Katzen und würde die beiden nehmen.
Mein Freund war natürlich todtraurig, dass seine Zera taub war, und noch mehr, dass sie ausziehen würde.
Dann war aber auch für ihn klar, wenn schon nicht die Dame in weiß, dann die kleine bunte Handvoll Zicke (so nennen wir Gizmo heute noch, auch wenn sie inzwischen mehr als eine Handvoll Zicke ist - im Vergleich zu ihrem Bruder aber nicht viel mehr :D)

Meine Schwester ließ sich dann letzten Endes dazu überreden, Chester zu nehmen, und damit waren alle Kitten "verteilt".

Inzwischen waren die Kleinen 10 Wochen alt und für sie begann nun ein richtiges Abenteuer.
Wir begannen mit dem Umzug.
Täglich schafften wir bereits Möbel und Kisten voller Zeug in die neue Wohnung (für die Katzen waren natürlich die leeren Kisten, die zuhause blieben, viiieeel spannender ;))
Auch in der unteren Wohnung wurde es langsam leerer.
Das Umziehen und der Transport von Kisten und Möbeln nach draußen war nicht ganz einfach, ständig wuselten einem 7 Katzen (wenn so was Außergewöhnliches passiert, musste ja sogar der Strolchi mal gucken kommen) um die Beine.
Vorsichtshalber sperrten wir die Katzen nach oben ein und kontrollierten, bevor wir das Zeug nach draußen trugen, immer, ob die Katzen auch alle oben waren und die Türe zu.
Durch dieses "Schleusensystem" dauerte der Umzug natürlich dementsprechend lang. :)
Wir schafften es aber rechtzeitig, das wichtigste in die neue Wohnung zu packen, bevor die Sommerferien vorbei waren (bei uns Mitte September).
Dann waren unsere Kleinen auch 12 Wochen alt, und zusammen mit uns durften sie nun die erste Nacht in der neuen Wohnung verbringen.
Dort fühlten sie sich auch sofort wohl.
Wir hatten von Anfang an beschlossen, dass die Küche für die Beiden tabu blieb, es war eine große Wohnküche, in der auch meine Zimmerpflanzen Platz hatten.

Bald darauf wurden die beiden geimpft (sie hatten sich ja erst komplett vom Katzenschnupfen erholen müssen).
Doch zwei Tage darauf der nächste Schock:
Hammy übergab sich immer öfter, es war nur klare Flüssigkeit mit viel Schaum, er verweigerte das Futter und hatte Fieber. er war völlig apathisch, fraß nicht, trank nicht.
Ich hab ihn mir geschnappt, in die Transportbox gesteckt und bin 3 km zum Tierarzt gelaufen.
Diagnose: Katzenseuche durch Impfdurchbruch. Er blieb dort und bekam eine Infusion, die Überlebenschance stand nicht sehr gut.
Einen Tag danach: Gizmo hatte das selbe.
Auch sie habe ich zum Tierarzt getragen und war danach völlig fertig.
3 Tage blieben die Katzen beim tierarzt, dann durfte Hammy nach Hause, bei Gizmo sah es (mal wieder) nicht gut aus. Erst 2 Tage später war auch sie über den Berg und konnte wieder nach Hause.
Ich war am Ende so fertig, dass ich von meinem Arzt zum Therapeuten geschickt wurde.
Noch nie hat sich eine Wohnung so leer angefühlt wie in diesen Tagen, als die Katzen nicht da waren.
Die Angst um die beiden hat mich regelrecht zerfressen, ich konnte nicht essen, nicht schlafen, nicht in die Schule gehen, ich saß Tag und Nacht nur am telefon und habe auf einen Anruf des Tierarztes gewartet und geweint.
Aber Gott sei Dank ging auch hier alles gut, unsere beiden müssen eine ganze Armee an Schutzengeln haben. ;)

Doch das hieß noch lange nicht, dass es nun keine Probleme mehr gab. :(
Die Wohnung, die uns ein Bekannter meiner Mutter vermietete, blieb leider nicht so toll wie angenommen.
Es war eine große Wohnung mit 75-80 m², bestehend aus einem Wohnzimmer, einer großen Küche, einem langen Flur, einem schmalen Arbeitszimmer und einem Schlafzimmer. Das Bad war so winzig, dass es kaum erwähnenswert ist, es hatte 6 m², in die sich ein winziges Waschbecken, die Toilette und eine kleine Dusche quetschten.
Aussicht hatten wir auch nicht die schönste (es sei denn, man steht auf Bauhöfe ;)), die Wohnung war in einem alten Nachkriegsbau und geheizt wurde mit Ölöfen.
Dies allein hätte allerdings nicht die extrem niedrige Miete gerechtfertigt, und dass das auch nicht alles war, sollten wir bereits im November merken.

Als es kühler wurde und der erste Schnee fiel, fingen wir an zu heizen und erlebten die erste böse Überraschung.
Geheizt werden konnte nur in Küche und Wohnzimmer, beide in der vorderen Wohnungshälfte.
Die hintere Wohnungshälfte blieb kalt (Arbeitszimmer, Bad und ganz hinten, nur durchs Arbeitszimmer erreichbar und mit 2 unisolierten Außenwänden, das Schlafzimmer).
Mit Hilfe einer Elektroheizung aus den 80ern (was die an Strom fraß, will ich gar nicht wissen :eek:) und eines Heizlüfters, den mein Vater aufgetrieben hat, schafften wir es, die hinteren Räume auf Plusgraden zu halten.
Die Katzen hielten sich fast ausschließlich im warmen Wohnzimmer auf, wie ich sie darum beneidete, dass sie den ganzen Tag auf dem Sofa neben dem Boden liegen konnten. ;)

Doch auch das war noch nicht alles, wie wir bald feststellen sollten.
Sobald es regnete (und im Allgäu regnet es viel im Herbst), zeichneten sich die Deckenbalken im Schlafzimmer feucht ab, und je mehr es regnete, desto schlimmer wurde es.
Bald roch es muffig im Schlafzimmer, und nur Wochen darauf zog sich der erste Schimmel über Wände und Decke.
Also packten wir unsere Matratzen und unser Bettzeug, hielten die Schlafzimmertür geschlossen und schliefen von da an auf dem Wohnzimmerboden.
Die Katzen hats gefreut, sie mussten sich nicht mehr zwischen Wärme und Dosikuscheln entscheiden.
Inzwischen war es November.
Ende Dezember hatte der Schimmel das Arbeitszimmer erreicht, zusätzlich zu den Matratzen mussten der Kratzbaum, mein Schreibtisch und PC ins Wohnzimmer.

Wir riefen wiederholt beim Vermieter an, der sich irgendwann bereit erklärte, mit einem Sachverständigen zu kommen (war wohl ein Freund von ihm, anders kann ich mir das nicht erklären).
Der kam mit einem Feuchtigkeitsmessgerät und guckte sich erstmal in der Wohnung um.
Im Schlafzimmer tropfte das Wasser von der Decke (hat wohl keiner gesehen).
Der "Sachverständige" ging ins Wohnzimmer, hielt sein Messgerät über einen Wäscheständer voller feuchter Wäsche (ja, auch der musste im Wohnzimmer untergebracht werden) und erklärte: Die Luftfeuchtigkeit ist zu hoch, sie lüften zu wenig und dürfen die Wäsche nicht hier drin trocknen, sie sind selber schuld.
(Ja klar, und das Kondenswasser des Wäscheständers im Wohnzimmer sammelt sich durch verschlossene Türen durch an der Schlafzimmerdecke :rolleyes:)

Naja, von dieser Seite war keine Hilfe zu erwarten.
Wir kauften uns also Anti-Schimmel-Mittel, und nebenbei lernte ich für mein Abitur (noch 3 Monate bis zu den ersten Abiprüfungen :eek:)

Bald darauf hatte der Schimmel auch das Bad erreicht, so dass wir das Katzenklo in den Flur stellten und die Badtür ab sofort geschlossen hielten (genau wie die Türen in die anderen Schimmelräume).
Die Katzen sollten schließlich nicht gefährdet werden.
Dass ich vor lauter Vorsicht um die Katzen mich selbst ein wenig vergaß, merkte ich, als mein Arzt schließlich eine chronische Bronchitis und eine hochgradige Allergie gegen jede Art von Schimmelpilzen diagnostizierte.

Die Katzen rebellierten ein wenig gegen die Einschränkung der Räumlichkeiten, aber die Tatsache, dass es mich schon so erwischt hatte, zeigte mir, wie gefährlich das Zeug war.
Nachdem im Juni die Hochzeit meiner Mutter und mein Abitur überstanden waren, hatten wir nur noch ein Ziel:
So schnell wie möglich umziehen.
Ich würde erst im September erfahren, wo ich Studienplätze bekommen würde, aber das war uns soooo egal.

Die Katzen rebellierten noch mehr, als wir fast jeden Tag unterwegs waren und uns Wohnungen ansahen (im Raum München, selbst wenn ich dort keinen Studienplatz bekommen würde, wohnt dort meine Familie in der Nähe).
Gizmo fühlte sich so alleingelassen, dass sie unsauber wurde, doch wir fanden keine Wohnung, die uns passte.
Entweder wollte man keine Studentin, die von Unterhalt lebte, und einen jungen Mann, der sich erst einen neuen Job in der neuen Umgebung suchen musste und solang Hartz IV bekommen würde, oder man hatte ein Problem mit Katzen, von dem uns vorher nichts gesagt wurde, oder man wollte an nur eine Person vermieten, oder man wollte nur ältere Personen, weil sonst nur Senioren im Haus lebten.

Letztendlich landteten wir bei einer Wohnung in Olching.
Unverbaubarer Westblick mit Balkon, vierter Stock, frisch renoviert, Katzenhaltung erlaubt (wie man an anderen Balkonen schon sehen konnte, waren auch Katzennetze am Balkon kein Problem). Die Wohnung hatte allerdings einen Makel, deshalb war sie noch frei: In der Wohnung ist kein Platz für eine Spülmaschine, Waschmaschine oder einen Trockner, Wäsche waschen müsste man mit der (recht teuren) Münzwaschmaschine im Keller.
Das war uns natürlich so egal, wie es nur sein konnte, und bereits in der nächsten Woche unterschrieben wir den Mietvertrag.

Mein Vater organisierte eine Umzugsfirma, wir packten unsere Sachen (die Möbel kamen so gut wie alle weg wegen Schimmelbefall), Gizmos Unsauberkeit war wie weggeblasen, seit wir wieder zu Hause waren und packten, und Möbel kaufte ich mit meinen Großeltern im Ikea, die wurden gleich in der neuen Wohnung aufgebaut.

Keine zwei Wochen später zogen wir endgültig um, meinen Führerschein hatte ich erst 2 Tage vor dem Umzug geschafft, und in dem kleinen alten Corsa, den mir meine Mutter geschenkt hatte, ging es dem Umzugs-LKW hinterher nach Olching.

Die Katzen wurden von meinem Freund auf dem Rücksitz durch das Gitter der Transportboxen mit fleißig Aldisticks versorgt, und ich schwitzte Blut und Wasser auf dem Fahrersitz.
Es war erst meine zweite Autofahrt allein, und das gleich über 100km. Aber wir wollten nicht mehr warten, wir wollten nur noch raus aus dieser Wohnung.

Meiner Angst entsprechend fuhr ich sehr langsam, wir machten mehrere Kaffeepausen, und als wir ankamen, hatten mein Vater und die Möbelpacker die Wohnung bereits eingeräumt.

Wir hängten nur noch die Jacken an die Garderobe, packten das Katzenzubehör aus und legten uns erschöpft aufs Bett.

Mann, war das toll, nach über 7 Monaten das erste Mal wieder in einem richtigen Bett zu liegen.

Die Katzen fanden es mindestens genauso toll, durch eine ganze Wohnung toben zu können, ganz ohne verschlossene Türen und Tabuzonen. :)

Bereits am nächsten Tag beantragten wir ein Katzennetz, und in der Woche darauf wurde es montiert. Mann, war das toll für die beiden. :D
Diese Aussicht, und die ganzen Gerüche. Ein frischer Wind um die Nase und dazu noch der Spielplatz direkt unterm Balkon, besser als Fernseh gucken. :)

Stundenlang saßen sie fasziniert draußen und guckten in alle Richtungen, am liebsten in der Dämmerung, wenn Kaninchen über das Feld 100m entfernt jagten.

So, natürlich geht es noch sehr viel weiter, bis wir im Hier und Jetzt sind, wir wohnen jetzt schon ein Jahr hier, aber nun ist erstmal Schluss für heute. ;)

LG
Angel
 
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AW: Hammy und Gizmo

Was für eine tolle, manchmal traurige, aber doch schöne Geschichte. Ich bin schon auf die Fortsetzung gespannt. Wie geht es Luna bei deiner Ma?

LG. Uschi
 
sachsenmädel

sachsenmädel

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AW: Hammy und Gizmo

Eine wunderschöne Geschichte,die ans Herz geht:happy:
Toll geschrieben;)
Danke
LG Christine
 
JaysBlackAngel

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AW: Hammy und Gizmo

Hallo,
Luna geht es sehr gut. Meine Mutter hat eine große Fensterfront im Wohnzimmer, so dass viel Sonne reinkommt, und am liebsten liegt Luna da oder draußen auf der Terasse und lässt sich ihr weißes Fell wärmen, oder sie jagt mal wieder im Nachbarsgarten Vögel (sehr zu dessen Freude :D).

Chester ist, obwohl er kastriert ist, sehr wenig zu Hause und stromert viel rum.
Wenn er mal nach Hause kommt, hat er immer Mäusegeschenke für seine Familie dabei und fordert erstmal gaaaanz viele Streicheleinheiten ein. ;)

Das Sorgenkind meiner Mutter ist unser alter Strolchi, der inzwischen fast blind ist.
Sein Freigängerleben möchte er trotzdem nicht aufgeben, auch wenn er kaum noch den Garten verlässt.
Meine Mutter hat ihm deshalb eine Katzenklappe mit Mocrochiperkennung in den Gartenschuppen gebaut, so dass nur er dort rein kann, und ihm da Wasser und ein ebenerdiges Bettchen als Rückzugsort bereitgestellt.
Dorthin zieht er sich oft zurück, wenn zu viel Trubel ist, vor allem, wenn viel Besuch oder Besuch mit Kindern da ist.
Er hat ja Schwierigkeiten, die ganzen durcheinanderlaufenden Beine rechtzeitig zu erkennen, und ausweichen kann er auch nicht so gut, da er ein steifes Hinterbein hat (da wurde er 2002 von einem Auto angefahren, das Gelenk war zertrümmert, und trotz mehrerer OPs konnte die Beweglichkeit leider nicht wiederhergestellt werden :()
Aber wenn wenig los ist, kommt er gerne rein, legt sich aufs Sofa und lässt sich mit Streicheleinheiten verwöhnen. ;)

So, eine ausführliche Fortsetzung gibt es aber später, meine zwei fordern jetzt auch dringend ihre Streicheleinheiten ein (wie immer nachcdem Fressen ;))

LG
Angel
 
Dante1

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AW: Hammy und Gizmo

Wunderschöne Geschichte...mal traurig...aber mit happy end.

LG Sabine
 
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Gast488

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AW: Hammy und Gizmo

Ich freue mich, dass es Luna und Chester so gut geht.

Ja auch katzen kommen in die Jahre, schön dass man es Strolchi altersgerecht eingerichtet hat.

LG. Uschi
 
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Hammy und Gizmo

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