Krankheiten und Todesgründe bei Phasmiden

Diskutiere Krankheiten und Todesgründe bei Phasmiden im Spinnen Forum im Bereich Terraristik und Aquaristik; Hi, ich habe mal was zusammengestellt für die Phasmidenhalter unter euch. Die Angaben basieren auf meist eigener Erfahrung und Erfahrungen...
Pharnacia

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Hi,

ich habe mal was zusammengestellt für die Phasmidenhalter unter euch. Die Angaben basieren auf meist eigener Erfahrung und Erfahrungen anderer Züchter. Nichts davon ist wissenschaftlich bewiesen und deshalb alle Angaben ohne Gewähr.

Hoffe es hilft trotzdem sollte es mal zu einem unerklärlichem Todesfall unter euren Krabblern kommen.
(der Text darf nicht ohne meine Erlaubnis kopiert und wo anders veröffentlicht werden)


1 Das Tier liegt am Boden und zuckt nur mehr mit den Beinen.


Man kann bevor das passiert häufig eine Lähmung der Gliedmaßen beobachten. Sollte sich dieser Zustand nicht innerhalb von Minuten bessern, tritt nach einiger Zeit der Tod des Tieres ein. Das Tier kann vorher erlöst werden. (Methoden hierzu am Ende des Artikels)

Mögliche Gründe:


1.1 Die Futterpflanze war chemisch vergiftet, möglicherweise durch Insektizide oder Dünger.

Bei Verdacht mögliche Maßnahmen:

1.1.1 Futter sofort wechseln.

1.1.2 Eventuell Futterbezugsquelle sofort wechseln.

1.1.3 Topfpflanzen umtopfen, bis zu den Wurzeln abschneiden und neu wachsen lassen.



1.2 Parasitenbefall

Ein Beispiel für auftretenden Parasitenbefall wäre der Amöbenbefall. Die Krankheit ist in den meisten Fällen ansteckend und führt oft zum Tod des gesamten Zuchtstamms. Es wurde beobachtet, dass diese Krankheit bei Staunässe, zu schlechter Belüftung, zu hohe Temperaturen und zu hoher Luftfeuchtigkeit auftritt. Amöbenbefall führt zu Durchfallerkrankung, die Tiere fressen nichts mehr.

Bei Verdacht mögliche Maßnahmen:

1.2.1 Betroffenes Tier sofort von der Gruppe trennen.

1.2.2 Eventuell in ein Labor einschicken und auf Parasiten überprüfen lassen.

1.2.3 Terrarium komplett reinigen und desinfizieren, Zubehör das sich nicht reinigen lässt ersetzen und wegwerfen.

1.2.4 Auffällige Tiere von der Gruppe trennen.

1.2.5 Nahrungsaufnahme und -ausscheidung kontrollieren.

1.2.6 Klima anpassen (Belüftung beachten!)



1.3 Das Haltungsparameter stimmt nicht.

Bei Verdacht mögliche Maßnahmen:

1.3.1 Im Internet oder bei Züchtern genauestens informieren und mit Haltung vergleichen.

1.3.2 Überprüfe: Luftfeuchtigkeit / Temperatur / Belüftung / Kapazität / Beleuchtung / Material des Terrariums / Bodengrund / Futterpflanzen / Einrichtung / vergesellschaftlichte Arten (Stress?) / Geschlechterverteilung (Paarungsstress?) / Schimmelbildung



1.4 Andere unbekannte Gründe oder natürlicher Tod am Lebensende.




2 Häutung fehlgeschlagen


Vieles kann während der Häutung schief gehen, den Grund kann man meist leicht herausfinden.



2.1 Das Tier steckt in seiner alten Haut fest.

Ein möglicher Grund dafür wäre ein Absturz von der Häutungsstelle, es liegt am Boden und ein wichtiger Bestandteil des Häutungsprozesses fehlt nun, die Schwerkraft.

Mögliche Maßnahmen:

2.1.1 Tiere die am Boden liegen versuchen wieder aufzuhängen an einem Ast oder ähnlichem.

2.1.2 Leicht mit lauwarmem Wasser besprühen.

2.1.3 Sofern das nichts nützt und sofern noch möglich, vorsichtig aus der alten Haut befreien.

2.1.4 Luftfeuchtigkeit überprüfen, war es zu dem Zeitpunkt sehr trocken im Terrarium?

2.1.5 Häutungsplatzmöglichkeiten überprüfen, gibt es zu wenig Platz oder Stellen an denen sich die Tiere häuten können? Glasdecken möglicherweise mit Gaze/Gitter bespannen.

2.1.6 Das Terrarium bietet nicht genug Höhe für eine erfolgreiche Häutung (3x Körperlänge des Tieres) – ändern.



2.2 Das Tier hat sich während der Häutung eine Wunde zugezogen oder ist aufgeplatzt.

Das Tier steckt noch in seiner alten Haut fest und hat sich während der Häutung eine mehr oder weniger tiefe Wunde zugezogen. Es kann passieren, dass nicht nur die alte Haut aufplatzt, sondern auch die neue darunterliegende Haut, eventuell weil sie nicht gut genug ausgebildet war. Da die Tiere ihren Körper in der fortgeschrittenen Häutungsphase mit Luft aufpumpen (um ihre neue Haut zu dehnen), kann es sein, dass sich die Luft in der Körperhälfte staut die vor der Wunde liegt oder es bildet sich eine Luftblase direkt an der Wunde. In schlimmen Fällen kann dem Tier nicht mehr geholfen werden, kleine Wunden heilen wieder bei abgeschlossener Häutung.

Die Phasmide könnte sich die Wunde auch an einem Dorn von den Futterpflanzen zugezogen haben oder von vergesellschafteten Tieren im gleichen Terrarium während der Häutung.



2.3 Nach einer Häutung ist der Körper deformiert.

Die Haut von Phasmiden ist nach der Häutung sehr weich und formbar damit das Tier den Körper dehnen und damit wachsen kann.
Die Phasmide wird sich in der fortgeschrittenen Phase der Häutung, in der nur mehr das Abdomenende in der alten Haut steckt, eine Weile hängen lassen und strecken.
Nun kann es passieren, dass irgendein Gegenstand (Futterpflanze, Boden…) im Weg ist und die letzte Phase der in der Luft hängenden Aushärtung des Exoskeletts behindert. So wird dieser Körperteil (oder in schlimmen Fällen der gesamte Körper) schief oder krumm ausgehärtet und kann nicht mehr „gerade regeneriert“ werden.
Es kann aber auch sein, dass sich die Phasmide schon mit dem verändertem Körper aus der alten Haut häutet.

Bei starker Deformierung könnten Häutungsprobleme bei der folgenden Häutung auftreten, das Tier sollte kurz vor der nächsten Häutung genauestens beobachtet werden damit man nachhelfen kann wenn es feststeckt.





3 Dem Tier fehlen Teile des Körpers.


Es gibt viele Gründe warum einer Phasmide Teile des Körpers fehlen können. Meist sind sie trotzdem noch lebensfähig und teilweise werden fehlende Körperteile regeneriert.

Die meisten Phasmiden können Beine regenerieren, jedoch nicht alle Arten.
Fehlende Beine werden nach zwei Häutungen wieder durch neue, oft kürzere aber funktionsfähige, Beine ersetzt sein. Vorraussetzung dafür ist aber, dass das Tier überhaupt noch zwei Häutungen hat bevor es adult ist, im subadulten und im adulten Stadium werden also keine Körperteile mehr regeneriert.
Phasmiden können auch mit fehlenden Beinen gut leben, ab drei verlorenen Beinen wird es allerdings sehr schwierig und man kann sie eventuell nur am Boden füttern.
Anscheinend kommen Phasmiden auch mit zum Teil oder komplett fehlenden Fühlern zurecht.

Gründe für fehlende Körperteile:

3.1.1 Phasmiden werfen in einer stark bedrohlichen Situation Beine ab um den Feind zu verwirren oder abzulenken, das grobe packen an den Beinen ist zu vermeiden.

3.1.2 Tiere die ihr natürliches Lebensende nahezu erreicht haben werfen sehr leicht Beine ab, es könnte also am Alter liegen.

3.1.3 Die Körperteile sind bei einer fehlgeschlagenen Häutung ausgerissen und steckengeblieben. (siehe 2.1)

3.1.4 Beine, Fühler oder Körper wurden von vergesellschafteten Tieren im Terrarium angefressen. Die Gruppe ist zu überprüfen und möglicherweise zu trennen. Besonders Wandelnde Blätter werden oft von anderen Tieren angefressen und sollten unbedingt getrennt gehalten werden.

3.1.5 Körperteile sind bei einem Sturz abgebrochen oder irgendwie eingeklemmt worden.




4 Tod durch verhungern

Phasmiden können auch wählerisch sein wenn es ums Futter geht, eine artgerechte Ernährung sollte deshalb gewährleistet sein.


4.1 Einseitige Ernährung

Viele Pflanzen sind nur Ersatzfutter für die Pflanze, die die Tiere in ihrem Ursprungsland fressen. So kann es dazu kommen, dass einige Arten das Ersatzfutter nicht sofort annehmen und eher verhungern.
Ein Beispiel wäre Diapherodes gigantea mit Brombeerblätter aufzuziehen. Viele der Larven werden das Futter nicht sofort akzeptieren, sie brauchen Eukalyptus um erstmal stabil zu fressen.

Es gibt Futterspezialisierte Arten und man sollte sich immer vorher über die Futterpflanzen informieren und wo man es herbekommt.

Eine Vielfalt an Pflanzen zumindest im Sommer anzubieten führt zu einer ausgeglichenen Ernährung für Phasmiden, die in ihrer Heimat auch nicht nur eine einzige Pflanze fressen.

Außerdem sollte darauf geachtet werden Arten die Efeu fressen nicht ausschließlich damit zu ernähren. Die Tiere bekommen oft Mangelerscheinungen.



4.2 Blätter vertrocknet

Phasmiden sind zwar bekannt für ihre Pflegeleichtigkeit, allerdings müssen auch sie immer frische Blätter zur Verfügung haben. Man kann nicht nur einmal pro Woche in das Terrarium sehen und feststellen ob die Blätter noch frisch sind.

Gerade Männchen die sich eventuell lange auf dem Rücken des Weibchens aufhalten brauchen nach der langen Paarung sofort etwas zu fressen, sonst könnten sie schnell verhungern.

Vertrocknete Blätter werden von den allermeisten Arten nicht gefressen und enthalten natürlich auch nicht mehr die erforderlichen Nährstoffe.



4.3 Fressverweigerung

Mögliche Gründe:

4.3.1 Endoparasiten (siehe 1.2)

4.3.2 Viele Phasmiden brauchen eine gute Belüftung um zu fressen. Wandelnde Blätter fressen meist sofort wenn man sie anpustet oder mit einem kleinen Ventilator/Computerlüfter einen Luftzug herstellt.



4.4 Frisch geschlüpft und frisst nicht.

Frisch geschlüpfte Nymphen fressen oft bis zu zwei Wochen nichts bis sie das erste Mal etwas fressen. Bis dahin rennen sie nur wie verrückt herum. Das dient dem Zweck, dass sich die Tiere in der Natur möglichst gut verteilen.
Manche allerdings werden sofort zu fressen beginnen.

Oftmals verhungern die Nymphen trotz genug Futterangebot und ausreichender Belüftung. Es ist relativ normal, dass die ein oder andere frisch geschlüpfte Nymphe stirbt und solange es im Rahmen bleibt muss man damit auch rechnen.



4.5 Alles richtig gemacht – trotzdem verhungert?

Möglicherweise könnte die Futterverteilung im Terrarium nicht stimmen. Gibt es für die Tiere genug Möglichkeiten die Futterpflanze zu erreichen?
Die Futterpflanze sollte möglichst hoch sein, da sich Phasmiden häufig im oberen Drittel des Terrariums aufhalten. Auch sollte es von den Wänden eine Verbindung zu den Pflanzen geben.

Wenn das Tier ein paar Beine zu wenig hatte oder sehr alt war, konnte es eventuell die Futterpflanze nicht mehr beklettern. Für solche Tiere sollte dann auch am Boden Futterpflanzen vorhanden sein.





5 Erlösen der Phasmide


Wenn alles nichts hilft gibt es nur mehr eine Möglichkeit – sie zu erlösen.
Jeder entscheidet selbst wann das der Fall ist, ob man es überhaupt machen will und wie man es machen will.

Möglichkeiten:

5.1 Einfrieren

Bevorzugte Methode bei Züchtern. Die Phasmide wird in einem Behälter für mind. zwei Stunden in den Tiefkühlschrank gestellt. Insekten verfallen in eine Kältestarre und bekommen nach ca. 10 Minuten nichts mehr mit, danach sterben sie. Nach allgemeiner Meinung spüren sie auch nichts schmerzähnliches in diesem Zustand.

5.2 Zerquetschen

Mit einem Stein oder ähnlichem den Körper fachgerecht zerquetschen. Könnte bei größeren Tieren unangenehm für den Halter werden. Es könnte auch passieren, dass das Tier trotzdem noch lebt, deshalb auch manchmal nicht empfehlenswert.

5.3 Heißes Wasser

Phasmide wird in heißes Wasser geworfen, geht schnell für das Tier.
Achtung – nicht in kochendes Wasser, der Körper könnte platzen und das ist ein unschöner Anblick.
 
06.05.2009
#1
A

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Gast

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K

Killerschneck

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Es ist schon sehr traurig wenn man zu den Erlösungsmethoden zurückgreifen muss:cry:. Grosses Kompliment für deinen Beitrag:respekt:.
 
Pharnacia

Pharnacia

The Green Iguana
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Danke :)

Leider musste ich gestern schon wieder aufs erlösen zurückgreifen :(
Eine meiner zwei Pharnacia serratipes Weibchen hat einfach nach der Häutung aufgehört zu fressen, ich hab alles versucht, Zuckerwasser zu trinken gegeben, Blatt vor den Mund gehalten.... alles und sie wollte nicht fressen. :(

(ich muss leider sagen, es ist um einiges trauriger wenns mit so einem wertvollem Tier passiert...)
 
K

Killerschneck

Tierfan
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Mein Beileid. Sind wirklich schöne Tiere. Ich habe die kleinere Variante einer Stabschrecke und hab sie nach einem schweren Häutungsfehler meiner Vogelspinne gegeben. So lebt ein Tier vom anderen.:cry::err:
Sag mal von wo hast du diese Art??
Und züchtest du auch Matiden(wegen deinem Bild)?
Gruss Jo.
 
Pharnacia

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The Green Iguana
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So hat sie dann wenigstens noch einen Zweck erfüllt als Futtertier... ich hab auch manchmal böse Häutungsfehler dabei, da kann man nichts machen.

Die Pharnacia serratipes sind nicht besonders einfach zu bekommen und ich hab ein kleines Vermögen für ein paar Larven damals bezahlt, hoffe aber demnächst auch auf Nachwuchs. (wenn nicht dann... :wallbash:)
Sind immerhin die größten Insekten der Welt die in Zucht sind.

Ein paar Mantiden hocken auch bei mir rum, aber ich züchte eher Phasmiden. Demnächst gibts aber Sphodromantis viridis Nachwuchs bei mir :D
 
K

Killerschneck

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Dann gratuliere ich schon mal im Voraus.
Noch ne Frage: Bist du auch in Besitz einer Teufelsblume(ebenfalls wegen dem Bild)? Sind nämlich sehr schöne Matiden :D. Meine sechs bzw. achtbeiner und ich drücken fest die Daume,Krallen... das alles bei der Geburt deiner Sphodromantis viridis glatt läuft.:blobg:
Gruss Jo.
 
Pharnacia

Pharnacia

The Green Iguana
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Hi,

also wenn du von der Idolomatis diabolica sprichst, dann muss ich sagen, leider nein. Und ich kann niemanden dazu raten sich so ein Tier anzuschaffen, sie sind wirklich sehr schwierig zu halten und kosten ein wirkliches Vermögen. Ich habe bis jetzt nur Tiere ab 100€ aufwärts angeboten gesehen und nicht mal langjährige Züchter legen sich diese Art zu... leider :(

Sind wirklich die schönsten Mantiden... vielleicht werden sie ja irgendwann erschwinglich.
 
J

Janora

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Hey danke dass du dir die Mühe gemacht hast das zusammenzustellen! :bussi:
 
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Krankheiten und Todesgründe bei Phasmiden

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