Atypische Myoglobinurie - mysteriöse weidekrankheit

Diskutiere Atypische Myoglobinurie - mysteriöse weidekrankheit im Haltung und Pflege Forum im Bereich Pferde; aus gegebenem anlass - aus einem anderen forum kopiert: Die Krankheit heißt auch atypische Myoglobinurie. Das klingt schrecklich das in SH so...
saedis

saedis

meistens nicht online :)
Beiträge
1.971
Reaktionen
0
aus gegebenem anlass - aus einem anderen forum kopiert:

Die Krankheit heißt auch atypische Myoglobinurie.

Das klingt schrecklich das in SH so viele Pferde erkrankt sein sollen.
bei google, kn-online usw. kann ich allerdings bisher gar nichts dazu finden...
ausser beim ndr sh-magazin einen Hinweis zur Sendung
"Pferdesterben - Ungeklärte Todesfälle bei Pferde"
http://www1.ndr.de/ndr_pages_std/0,2570,OID3392440_REF2466,00.html

Es gibt schon Informationen, es ist nicht so als ob die TA gar nichts wissen... aber leider sehr wenig:
zB. Hinweise auf einer HP der Ti Ho Hannover für Tierärzte,
Aufruf genau zu untersuchen, Proben einzuschicken, sich auszutauschen, Therapiehinweise etc.
http://www.tiho-hannover.de/einricht/pfdkli/myo.htm
und diese ganz neue Dissertation von 2006 über
Erkrankungen der Skelettmuskeln
siehe dort Seite 56
http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=980872642&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=980872642.pdf

Es gibt Verdachtsmomente, z.B. es hat was mit dem Spätherbstklima zu tun, es wird eine Veränderung des Grases durch plötzlichen Kälteeinbruch diskutiert, irgendwelche Toxine durch Schimmelpilze... oder Vit. E und Selenmangel?

Zitat aus dem Artikel
Mysteriöser Tod auf der Weide: „Atypische Myoglobinurie”
von (QUARTER HORSE JOURNAL / GISELA RAU)

„Myoglobinurie” ist der veterinärmedizinische Fachbegriff für die landläufig als „Kreuzverschlag” bekannte Krankheit, bei der eine Störung im Energiehaushalt der Muskeln zum massiven Absterben von Muskelzellen führt. Der in den Muskeln eingelagerte Farbstoff Myoglobin gelangt durch den Zerfall der Muskelzellen in die Blutbahn und wird über den Urin, der dann braun- bis blutrot erscheint, ausgeschieden. Im Gegensatz zu diesem typischen Kreuzverschlag sind die Ursachen für die „Atypische Myoglobinurie”, mitunter auch als „Weidemyopathie” bezeichnet, noch immer unbekannt.

Atypisch heißt sie deshalb, weil die Symptome anfangs zwar denen eines Kreuzverschlags ähneln, die Erkrankung aber wesentlich dramatischer verläuft und meist innerhalb weniger Stunden zum Tod führt. Anfangs werden die Symptome häufig auch mit denen einer Kolik verwechselt (Wälzen, Schwitzen, Niederlegen). Die Pferde zeigen im weiteren Verlauf Lähmungserscheinungen, Krämpfe, Atemstörungen, erhöhte Pulsfrequenz sowie dunkel verfärbten Urin und sterben schließlich an akutem Herzversagen durch Zerfall des Herzmuskels. Pathologische Untersuchungen haben gezeigt, dass der Verdauungstrakt nicht betroffen ist, dafür aber sämtliche Muskeln einschließlich des Herzmuskels rapide zerstört werden. Zu einer Behandlung bleibt in den meisten Fällen keine Zeit, nur sehr selten und wenn die Behandlung sehr früh einsetzte, konnten vereinzelt Pferde gerettet werden.
...
Die Atypische Myoglobinurie tritt ausschließlich bei Pferden auf, die zumindest stundenweise oder länger Zugang zu frischem Gras hatten, und wurde bisher ausschließlich im Spätherbst beobachtet.

Unzählige Faktoren spielen eine Rolle. Vermutungen, dass die Pferde „an der Kälte sterben”, sind nur sehr vordergründig richtig, denn die Kälte ist natürlich nicht die Ursache der Erkrankung. Klimatische Faktoren müssen dennoch eine Rolle spielen, denn es lässt sich eine Häufung der Erkrankung nach plötzlichen Kälteeinbrüchen feststellen. Jungpferde scheinen nach den bisher vorliegenden Statistiken besonders häufig betroffen zu sein.
.....
Ein genauer Nachweis konnte allerdings noch nicht erbracht werden. Eine weitere, noch nicht geklärte Verdachtstheorie, bezieht sich auf mikroskopisch kleine Strahlenpilze in der Bodenfläche der Weiden bzw. die unter bestimmten Bedingungen von ihnen produzierten Giftstoffe (Mykotoxine).

Auch die Versorgung der Pferde mit Vitamin E und dem Spurenelement Selen scheint eine Rolle zu spielen. Beide Stoffe verhindern als so genannte Antioxidantien Schädigungen der Zellmembran - sind sie in zu geringer Konzentration vorhanden, wird der Energietransport in der Muskelzelle gestört und die Zelle kann Angriffen von außen nicht mehr standhalten. Auffallend ist, dass bei vielen der verendeten Pferde ein Selenmangel nachgewiesen wurde. Der Selengehalt der Böden und damit auch des Weidegrases schwankt von Region zu Region sehr stark und der Vitamin E-Gehalt des Grases ist auch nach verregneten Sommern besonders niedrig. Der Tropfen, der das Fass bis zum Ausbruch der Erkrankung zum Überlaufen bringt, könnte auch in Stressfaktoren liegen, welche die körpereigene Abwehr endgültig zusammenbrechen lassen.

Die Tierärztliche Hochschule Hannover befasst sich seit mehreren Jahren intensiv mit der Erkrankung und wertet in ihrem Labor Proben von Weidegras und Darminhalt verendeter Pferde aus. Einen weiteren Forschungsschwerpunkt bildet die Universität Lüttich in Belgien, die sich ebenfalls auf Behandlung und Aufdeckung der Ursachen spezialisiert hat.

...
Wie kann man ein Pferd schützen?
Solange die Ursachen der Erkrankung nicht eindeutig geklärt sind, bestünde der einzig wirklich sichere Schutz in einer kompletten Aufstallung der Pferde mit Sperrung der Weiden ab Oktober. Da dies aber nicht immer praktikabel oder gewünscht ist, sollte man folgende Ratschläge beherzigen:

- Vor Weidegang der Pferde ausreichend Heu füttern bzw. Heu auf den Weiden zufüttern, damit die Pferde nicht ausschließlich auf das Weidegras angewiesen sind.

- Da plötzliche Witterungsumschwünge mitbestimmend zu sein scheinen, auf den Weiden für trockene und zugfreie Unterstände sorgen. Stress vermeiden und zusätzliche Belastung oder Aufregung nach plötzlichen Wetterwechseln im Herbst vermeiden.

- Auf ausreichende Mineralstoffversorgung achten. Bei Verdacht auf Unterversorgung gezielte Blutproben zur Bestimmung der Selenversorgung machen lassen. Selen nicht einfach unkontrolliert zufüttern, da auch eine Überversorgung schädlich sein kann. Kurzfristig erhöhte Gaben von Vitamin E können jedoch nicht schaden.
Weitere Tipps erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe (Oktober) des Quarter Horse Journals. Bestellservice.
 
30.11.2006
#1
A

Anzeige

Gast

Schau mal hier: Atypische Myoglobinurie - mysteriöse weidekrankheit . Dort wird jeder fündig!
S

Salanee

Gast
oh je...

Hallo,

schlimm schlimm...

als wenn wir nicht gerade genug beschäftigt wären mit der Infektiösen Anämie :eek:
 
K

*Kathrin*

Gast
Hallo

Nun, schlimm, ja. Aber fragt sich, ob es das nicht schon ganz lange gibt und die Häufung nun erst aufgefallen ist. Ich denke mal, früher hieß das dann halt einfach "Kreuzverschlag", nicht zu stoppen, tödlicher Verlauf und man hat halt nicht weiter geforscht.
Das Weidetiere im Herbst, Winter, Frühling, unbedingt noch Rauhfutter dazu brauchen und zusätzliche Mineralstoffe benötigen, ist ja nun auch schon lang bekannt, wird aber trotzdem leider oft vernachlässigt.

Ich werde mein Pferd trotzdem mit Heufütterung draußen auf der Wiese lassen, so lang die Bodenverhältnisse das hier erlauben, weil es noch früh genug nur den Stall und Paddock hat, wenns richtig "wintert....."

Ich denke, an Stauballergie und anderen Folgen der Stallhaltung sind schon mehr Pferde auf lange Sicht gestorben und dass, obwohl die Ursachen da längst eindeutig bekannt und vielleicht sogar leichter vermeidbar sind.

Viele Grüße, Kathrin
 
saedis

saedis

meistens nicht online :)
Beiträge
1.971
Reaktionen
0
hm. ich bin vorsichtig geworden. nachdem einer bekannten ein fohlen von diesem jahr erkrankt und nach ein paar tagen in der klinik gestorben ist - trotz heuzufütterung - trotz aller vorsicht - aber eben auf der wiese - meine haben ihr winterquartier bereits bezogen...

jo @ kathrin - ich denke auch, das es heute einfach bekannter wird - dank internet - und die leute auch besser hinschauen und "wissen" wollen, woran ihr pferd gestorben ist. früher war es halt einfach krank - und dann tot. ändern konnte man sowieso nix mehr dran - wozu obduzieren lassen...
 
K

*Kathrin*

Gast
Hallo

Verstehe ich auch und mit anderen Möglichkeiten würde ich vielleicht auch anders handeln.
Ich denke aber, dass bei den meisten Privat- und Hobby-Haltungen eine Aufstallung echt das größere Übel für die Pferde wäre und finde, man muss da immer gut abwägen....
Ich hab auch jahrelang Pferde unbeaufsichtigt nur OHNE Halfter draußen gelassen, weil das Stütchen einer Bekannten nach Hängenbleiben und spinaler Ataxie letztlich eingeschläfert werden musste.
Inzwischen kommen wieder enganliegend, Halfter bei mir drauf, weil ich einfach wichtiger finde, dass die Pferde im Notfall auch ein Fremder leichter einfangen und führen kann.....wenn z.B. so etwas wie bei Tina passiert....:eek:

Viele Grüße, Kathrin
 
T

Tina

Gast
Hi zusammen,

aufstallen ist bei einigen Offenstallhaltungen einfach nicht drin - es gibt etliche, die keine Boxen haben. Und bei mir ist es so, das ich zwar eine grosse Box ( 8 x 3,5 m ) für Notfälle habe, aber die eben doch nicht den Platz bietet wie der Auslauf. Tja und der ist durch den Regen und die ständig darauf laufenden Ponys schon etwas schlammig, sodas ich froh bin, das ich sie z.zt. noch stundenweise auf die Wiese tuen kann.

Ich hab auch jahrelang Pferde unbeaufsichtigt nur OHNE Halfter draußen gelassen, weil das Stütchen einer Bekannten nach Hängenbleiben und spinaler Ataxie letztlich eingeschläfert werden musste.
Inzwischen kommen wieder enganliegend, Halfter bei mir drauf, weil ich einfach wichtiger finde, dass die Pferde im Notfall auch ein Fremder leichter einfangen und führen kann.....wenn z.B. so etwas wie bei Tina passiert....:eek:
Auch so ein Thema - soger m.e. einen eigenen Thread wert.

Trotz diesem grausigen ( neija, ist ja nix passiert - aber trotzdem ) Erlebniss dieser Woche, sind meine nur ohne Halfter draussen.

Ich habe es mehrfach probiert und immerwieder kann ich die Halfter einsammeln gehen. Das Einsammeln ist ja noch egal, aber ich denke, von alleine fallen die ja nicht ab und d.h. dann wieder, das die Gefahr doch recht gross ist, das die Ponys irgendwo hängen bleiben könnten und sich verletzen.

Natürlich ist das Problem gegeben, wie z.b. ein Fremder sie im Notfall fangen könnte. Wobei die Drei sehr zutraulich zu Jedem sind ....

Die Sache ist für mich einfach, das ich sie mit Halfter 24 Std. der Gefahr aussetze, das sie hängen bleiben könnten .... tja und ohne Halfter hoffe ich wohl einfach, das es im Notfall klappen würde sie auch so zu fassen zu kriegen.
 
saedis

saedis

meistens nicht online :)
Beiträge
1.971
Reaktionen
0
Ich denke aber, dass bei den meisten Privat- und Hobby-Haltungen eine Aufstallung echt das größere Übel für die Pferde wäre und finde, man muss da immer gut abwägen....
:irre:

zwischen wiese und aufstallen - da liegt ja noch einiges dazwischen - meine stehen auch nicht in der box - aber halt statt auf der wiese - auf dem (sand)paddock. ist garnicht so schwer - und mit einem zaun auch meinetwegen flugs von der wiese abtrennbar...

(und nachdem mein mr. brown die 100kg schwere heubox hinter sich hergezogen hat - weil er sich mit dem halfter verhakt hat - stehen sie auch nur noch ohne halfter draussen - und ich mach mich täglich zum affen - weil sich zwei von meinen ein spiel daraus machen, mit mir fangen zu spielen :wallbash: )
 
Thema:

Atypische Myoglobinurie - mysteriöse weidekrankheit