Clostridium tetani

Diskutiere Clostridium tetani im Haltung und Pflege Forum im Bereich Pferde; darauf dürfen wir jetzt warten... Vom Eintritt der Keime bis zu den ersten Krankheitsanzeichen können bis zu 3 Wochen vergehen, da das Bakterium...
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Salanee

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darauf dürfen wir jetzt warten...

  • Vom Eintritt der Keime bis zu den ersten Krankheitsanzeichen können bis zu 3 Wochen vergehen, da das Bakterium ein Toxin bildet, welches sich mit Blut und Lymphe ausbreitet und über die Nerven ins Zentrale Nervensystem (ZNS) gelangt.
    Bei raschem Verlauf tritt der Tod durch die toxische Schädigung des Atemzentrums ein.
 
20.01.2003
#1
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Salanee

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Wundstarrkrampf (Tetanus)

Pferde sind die für den Wundstarrkrampf anfälligste Haustierart.

Die Bezeichnung beschreibt das Krankheitsbild recht genau: die äußerlich sichtbaren Muskeln sind dauernd und schmerzhaft zusammengezogen - starr und steif stehen die armen Pferde da.

Verursacher ist ein Bakterium, Clostridium tetani. In den meisten Fällen gelangt es über eine Wunde in den Körper. Aber auch im Magen-Darm-Trakt gesunder Pferde kann man es nachweisen.

Wirklich gefährlich wird Clostridium tetani nur, wenn es seine Giftstoffe (Toxine) produziert. Diese Toxinbildung erfolgt vor allem, wenn sich der Keim vermehrt. Ideal für Clostridien sind sauerstoffarme Bedingungen, wie sie eben in tief im Körper gelegenen Wunden und in schlecht durchblutetem Gewebe herrschen. So kommt der Tetanus besonders häufig nach Nageltritten vor. Aber grundsätzlich stellt jede Verletzung eine potentielle Gefahr dar - schliesslich lässt sich nur in wenigen Fällen eine Verschmutzung völlig vermeiden.

Gelangt Clostridium tetani also in eine sauerstoffarme Umgebung, so vermehrt es sich und setzt dabei insbesondere den Giftstoff „Tetanospasmin“ frei. Dieses Gift wird von den in unmittelbarer Nähe der Wunde vorhandenen Nervenzellen aufgenommen und in diesen bis in das Rückenmark transportiert. Dort blockiert es die Freisetzung von Substanzen, die normalerweise zu einer Abschwächung von Reflexen und Reaktionen auf äußere Reize führen. Somit blockiert das Tetanustoxin ausgerechnet die Nervenzellen, die normalerweise die Spannung der Körpermuskulatur hemmend beeinflussen.

Die Folge ist der nicht zu kontrollierende Krampf der Skelettmuskulatur bei vollem Bewusstsein: die Pferde stehen mit steif nach vorn gerecktem Hals und herausgestellten Beinen (sägebockartig). Sie können wegen der starken Anspannung der Kaumuskulatur kein Futter in die Mundhöhle aufnehmen, geschweige denn kauen und schlucken. Jedes Geräusch oder auch nur Lichteinfall bedeutet eine Qual, da alle äusseren Reize zu einer noch stärkeren Muskelanspannung führen. Ein typisches Zeichen ist hierfür das Sichtbarwerden des 3. Augenlides, da der Augapfel von seinen Muskeln in die Augenhöhle hereingezogen wird. Betroffene Pferde sind schliesslich so erschöpft, dass sie seitlich umfallen, da sie ja ihre Beine nicht anwinkeln können. Schliesslich kommt es zum Verenden im Festliegen. Und auch mit den heutigen intensivmedizinischen und pflegerischen Möglichkeiten kann nur ein sehr kleiner Teil der Pferde gerettet werden, wenn sich die ersten Symptome zeigen. Sitzt das Tetanustoxin nämlich einmal in den Nervenzellen, so braucht sein Abbau oft Wochen.

Eine direkte Ansteckungsgefahr für andere Tiere besteht aber nicht, so dass diese vorbeugende Maßnahme aus seuchenhygiensicher Sicht nicht gefordert werden kann.
Jedenfalls kann dem Wundstarrkrampf sehr wirksam vorgebeugt werden: 1. durch den Tetanus-Toxoid-Impfstoff (aktive Immunisierung) und 2. durch die Gabe der spezifischen Antikörper in einem Tetanus-Serum (passive Immunisierung). Die aktive Impfung ist hochwirksam und sehr nebenwirkungsarm, mir liegt auf der Zunge: nebenwirkungsfrei, sieht man von der Möglichkeit einer Schwellung an der Injektionsstelle, die nach wenigen Tagen wieder verschwunden ist, einmal ab. Der Nutzen der aktiven Immunisierung gegen Tetanus überwiegt ein ja immer denkbares Risiko bei Weitem. Durch Injektion des Toxoid-Impfstoffes wird der Körper angeregt, Antikörper zu bilden, die den von den Clostridien gebildeten Giftstoff abfangen, bevor er überhaupt in die Nervenzellen aufgenommen werden kann. Sind Grundimmunisierung und Auffrischungen ordnungsgemäß durchgeführt, so reicht dieser Schutz bei kleineren und oberflächlicheren Verletzungen aus.

Bei Verschmutzungen, tief im Gewebe gelegenen Verletzungen, schlecht durchbluteten Wunden und unklarem Impfstatus muss allerdings das Serum gegeben werden, damit auch ein sofortiger Schutz gewährleistet ist. Tetanus-Serumgaben sollten andererseits auf das wirklich notwendige Maß beschränkt werden, da schwere Nebenwirkungen bei wiederholt notwendigen Gaben nicht ganz auszuschliessen sind. Gleichwohl: in den o.g. Situationen ist das Risiko der Tetanuserkrankung bei weitem höher als jenes der Serum-Nebenwirkung. Sie können Serumgaben vermeiden, indem Sie Ihr Pferd regelmässig aktiv mit dem Tetanus-Toxoid impfen lassen! Hier liegt zugegebenermassen ein (kleineres) Problem: denn wie oft muss geimpft werden? Vielleicht erinnern Sie sich: Auffrischungsimpfungen gegen Wundstarrkrampf sind beim Menschen, eine ordnungsgemässe Grundimmunisierung vorausgesetzt, lediglich alle 10 Jahre notwendig. Impfstoffhersteller empfehlen für das Pferd alle 1 bis 2 Jahre Auffrischungsimpfungen. Wahrscheinlich würden diese Auffrischungen auch in noch grösseren Abständen genügen, aber wie sicher ist dann der Impfschutz? Die bislang einzig sichere Methode wären Infektionsversuche in größer werdenden Zeitabständen nach der letzten Impfung - natürlich verbietet sich eine solche Überprüfung beim Wundstarrkrampf schon aus Tierschutzgründen.
 
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Salanee

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oder das...

Gasbrand Clostridium perfringens

  • Zusammenfassung
    Der Gasbrand ist eine schwere, lebensbedrohliche Wundinfektion, die unter Luftabschluss durch bestimmte Bakterien der Gattung Clostridium verursacht wird. Diese Gasbrand-Clostridien bilden Toxine, also Gifte, die das Absterben von Gewebe am Ort der Infektion verbunden mit einer Gasbildung bewirken. Die Erreger kommen überall vor. Die Aufnahme erfolgt vorwiegend über Verunreinigungen von Wunden.

    Charakteristisch für einen Gasbrand sind plötzlich auftretende, starke Wundschmerzen sowie eine Schwellung der Wunde infolge der Gasbildung. Bei einer Ausschwemmung der Erreger und ihrer Toxine mit dem Blutstrom treten Allgemeinsymptome auf und es entsteht innerhalb weniger Stunden eine lebensbedrohliche Situation. Die Diagnose muss sehr schnell gestellt werden. Anschließend muss sofort mit der Therapie, bestehend aus einer Kombination aus chirurgischen Maßnahmen, Antibiotika und hyperbarer Sauerstofftherapie, begonnen werden. Unbehandelt verläuft die Erkrankung immer tödlich.
  • Definition / Allgemeines
    Unter Gasbrand versteht man eine schwere, lebensbedrohliche Wundinfektion, die unter Luftabschluss durch bestimmte Bakterien der Gattung Clostridium verursacht wird. Charakteristisch für die Gasbrand-Clostridien ist die Bildung von Toxinen, also Giften, die eine Zerstörung des Gewebes bewirken. Typisch für den Gasbrand ist das Absterben von Gewebe am Ort der Infektion, was mit einer Gasbildung einhergeht.
  • Erreger
    Die Erreger des Gasbrandes sind bestimmte Gattungen von Clostridien. Clostridien sind grampositive, sporenbildende, stäbchenförmige Bakterien, die Toxine, also Gifte, bilden können. Sie gehören zur Familie Bacillaceae. Andere Vertreter dieser Familie, die durch Toxinbildung lebensgefährliche Erkrankungen auslösen können, sind z.B. Clostridium botulini (Botulismus), Clostridium tetani (Tetanus) oder Bacillus anthracis (Milzbrand).

    60 bis 80% aller Erkrankungen mit Gasbrand werden durch Clostridium perfringens verursacht. Die Krankheitssymptome des Gasbrandes entstehen nicht direkt durch die Clostridien, sondern durch die Toxine, die von den Gasbrand-Clostridien gebildet werden und eine Zerstörung und Verflüssigung des umgebenden Gewebes mit Gasbildung bewirken.

    Die Sporen von Clostridium perfringens kommen weltweit vor. Die Clostridien sind obligat anaerobe Erreger, das bedeutet, dass sie nur unter Abwesenheit von Sauerstoff lebensfähig sind und Toxine bilden können. Dies ist für die Vorbeugung und Behandlung des Gasbrandes von entscheidender Bedeutung.
  • Übertragung
    Clostridien sind ubiquitär, also überall vorkommende Keime. Sie können im Boden, in Wasser, im Staub, in Lebensmitteln, aber auch im Darm von Mensch und Tier nachgewiesen werden.

    Eine Aufnahme der Erreger erfolgt vorwiegend über Verunreinigungen von Wunden, z.B. infolge von Unfällen, ist aber prinzipiell auch bei Operationen, Schwangerschaftsabbrüchen oder intramuskulären Injektionen, also der Gabe von Spritzen in den Muskel, möglich. Voraussetzung für die Entstehung des Gasbrandes ist, wie bereits oben erwähnt, der Luftabschluss der verunreinigten Wunde, da sich Clostridien ausschließlich bei Abwesenheit von Sauerstoff vermehren können.
  • Inkubationszeit
    Die Inkubationszeit beträgt zwischen wenigen Stunden bis zu 2 Tagen, selten zwischen 3 und 5 Tagen. In Ausnahmefällen wurden Inkubationszeiten von bis zu 4 Wochen beschrieben.
  • Symptome
    Erste Anzeichen für einen Gasbrand sind plötzlich auftretende und an Intensität zunehmende Wundschmerzen. Infolge der Gasbildung schwillt das Gewebe an. Es entsteht das Gefühl eines zu eng anliegenden Verbandes. Die Wunde verfärbt sich gelb-braun bis schwarz. Aus der Wunde entleert sich eine süßlich-übelriechende, schmutzig erscheinende Flüssigkeit. Eiter ist nur selten und eher bei Mischinfektionen mit anderen Keimen zu beobachten. Beim Abtasten der Wunde hört man Krepitationen, also ein knisterndes Geräusch. Übt man Druck auf die Wunde aus, können Gasbläschen entweichen. Ohne Behandlung entsteht eine Gangrän des umgebenden Gewebes. Mit Gangrän bezeichnet man abgestorbenes, im Fall von Gasbrand, verflüssigtes Gewebe.

    Neben diesen auf die Wunde beschränkten Symptomen treten Allgemeinsymptome durch eine Ausschwemmung der Erreger und ihrer Toxine mit dem Blutstrom in den gesamten Organismus auf. Die Körpertemperatur steigt nur gering an. Der Puls wird beschleunigt, innerhalb kurzer Zeit kann ein Herz-Kreislauf-Versagen auftreten. Unbehandelt entwickeln sich ein Nierenversagen, gekennzeichnet durch eine verminderte Urinausscheidung, und ein Leberversagen, gekennzeichnet durch eine Gelbfärbung der Haut. Die Patienten sind benommen bis hin zu einer Bewusstlosigkeit. Ohne Behandlung verläuft die Erkrankung immer tödlich, wobei meist schon innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome der Tod eintritt.
  • Diagnose
    Die Diagnose des Gasbrandes muss schnell gestellt werden. Sie wird daher maßgeblich anhand der Anamnese, also der Befragung des Patienten und der Untersuchung durch den Arzt gestellt. Wichtige Befunde bei der Untersuchung sind z.B. die Schwellung, Verfärbung und das Knistern der Wunde sowie das Entweichen von Gasbläschen. Die umgebenden Muskulatur kann das Aussehen von rohem Schinken annehmen.

    Der Nachweis der Erreger ist zwar nach Anzucht auf speziellen Nährboden möglich, würde aber viel zu lange dauern. Anhand einer Gramfärbung von Wundmaterial lassen sich unter dem Mikroskop grampositive, bekapselte Stäbchen nachweisen. Zusammen mit dem klinischen Bild reicht dies zur Diagnosestellung aus. Mit der Therapie muss dann unverzüglich begonnen werden.

    Bei einer Röntgenuntersuchung der betroffenen Körperregion findet man das charakteristische Bild der "gefiederten" Muskulatur.
  • Therapie
    Die Behandlung des Gasbrandes muss schnell einsetzten. Das Ziel der Therapie besteht zum einen in der direkten Bekämpfung der Erreger durch Antibiotika und zum anderen in der Schaffung aerober Wundverhältnisse, dass bedeutet eine Verbesserung der Sauerstoffversorgung der Wunde, um eine Vermehrung der Erreger zu vermeiden. Dies geschieht durch chirurgischen Maßnahmen und, soweit vorhanden, durch eine hyperbare Sauerstofftherapie.
  • Chirurgische Maßnahmen
    Zu den chirurgischen Maßnahmen im Bereich der Wunde gehören z.B. die Beseitigung allen abgestorbenen Gewebes, Spülungen mit Wasserstoffperoxid (H2O2) sowie ein Offenlassen der Wunde, also keine Naht!

    Sehr selten muss in fortgeschrittenen Fällen - auch heute noch - eine Amputation der betroffenen Gliedmaßen durchgeführt werden.
  • Antibiotika
    Zeitgleich mit den chirurgischen Maßnahmen muss die Gabe von Antibiotika erfolgen. Das am besten wirksame Antibiotikum ist immer noch Penizillin. Die Antibiotikatherapie sollte für 7 bis 14 Tage fortgesetzt werden.
  • Komplikationen
    Zu den Komplikationen bei Gasbrand gehört einerseits die örtlich begrenzte Gangrän, also die Zerstörung und Verflüssigung, der umgebenden Muskulatur, die zu einer Amputation führen kann. Andererseits kann durch die Ausschwemmung der Erreger und ihrer Toxine mit dem Blutstrom ein toxisches Herz-Kreislauf-Versagen bis hin zum Schock auftreten und innerhalb kürzester Zeit zum Tode führen.
  • Sterblichkeit
    Unbehandelt verläuft die Erkrankung immer tödlich. Bei frühzeitig begonnener und fachgerechter Behandlung beträgt die Sterblichkeit zwischen 15 und 50%.
  • Prophylaxe
    Die Vorbeugung des Gasbrandes erfolgt nach den selben Gesichtspunkten wie die Behandlung. Eine verdächtige Wunde muss unbedingt gereinigt und offen chirurgisch versorgt werden, um einen Luftabschluss der Wunde zu vermeiden. Prophylaktisch werden Antibiotika, vor allem Penizillin, gegeben. Eine Vorbeugung durch Gabe des Gasbrand-Antitoxins ist ebenfalls möglich, wird aber nur selten durchgeführt.
  • Vorhersage
    Es handelt sich um eine schwere, lebensbedrohliche Erkrankung. Wird die Behandlung frühzeitig begonnen, überlebt mehr als die Hälfte der Patienten.
 
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